David Roth präsentiert Georg Kronthaler einen Teil des zum ersten Mal vergebenen Medienpreises

Fritz Roth hat sich als Bestatter unermüdlich dafür eingesetzt, die Themen Trauer und Tod in die Öffentlichkeit zu holen. Nach seinem Tod 2012 hatten seine Witwe Inge Roth und seine Kinder Hanna Thiele-Roth und David Roth die kleine Fritz Roth Stiftung „Trauer ist Liebe” gegründet, die jetzt zum ersten Mal den „Fritz Roth Medienpreis für Zivilcourage” vergeben hat. Dafür hat die Stiftung einen im Sinne des Namensgebers würdigen Preisträger gefunden:

Georg Kronthaler, der in der Verzweiflung, nicht um seinen Bruder trauern zu können, Unmögliches gewagt hat: Er hatte Markus Kronthaler nach Hause geholt, der auf dem Gipfel des 8000 Meter hohen Broad Peak in Pakistan gestorben und in der Todeszone liegen gelassen worden war.

„Georg Kronthaler wollte Abschied von seinem Bruder nehmen und er wollte ihn an einem Platz wissen, zu dem er hingehen kann. Beide Wünsche – fast würde ich sagen Sehnsüchte – hat er sich erfüllt,” sagte David Roth bei der Vergabe des Preises am Mittwoch vor rund 150 Gästen. „Und das verbindet ihn mit der Idee unseres Bestattungshauses Pütz-Roth. Weil wir hier den Menschen Gelegenheit geben, wirklich Abschied zu nehmen, wie sie es gerne wollen. Nicht wie Gesetze oder der Bestatter es vorschreiben.”

Es war die Unmöglichkeit zu Trauern, die Georg Kronthaler zu dieser Handlung geradezu gezwungen hatte, berichtet er selbst: „Ich musste da hinauf und den Markus holen. Ich hätte sonst nicht weiter leben können. Ich wollte von ihm Abschied nehmen, ihn noch einmal sehen und berühren.“

Die Retter bergen den Leichnam von Markus Kronthaler. Foto: Pro7

Kronthaler hatte die gefährliche Aktion gegen die Sorgen seiner eigenen Familie und massiven Warnungen von Bergsteigern geplant, vorbereitet und schließlich auch durchgesetzt. Denn unter Bergsteigern gilt die eiserne Regel: Tote, die auf über 8000 Meter liegen, werden nicht geborgen. Daher liegen auf dem Mount Everest Dutzende Tote im Schnee, berichtete Georg Kronthaler. Und die Regel hat auch einen Sinn: in einer Höhe, wo der Körper allenfalls noch ein Fünftel seiner Leistungsfähigkeit bringen kann, ist jede Bergungsaktion todesmutig.

Georg Kronthaler hat es dennoch gewagt. Aber, wie er betont, immer unter der Prämisse, dass weder ihm selbst noch seinen zwei Mit-Bergsteigern noch den lokalen Helfern etwas passieren dürfe. An jedem Punkt hätte er die Mission aufgebenen, wenn es zu gefährlich geworden wäre.

Und tatsächlich sah es fast so aus, als das Team nur wenige hundert Meter vor dem Leichnam von einem Wetterumschwung überrascht wurde und umkehren musste. Nach einem Jahr Vorbereitungen und Training, nach unvorstellbaren Mühen auf dem Weg hinauf auf den Broad Peak. Doch dann ergab sich eine neue Chance, und die Mission gelang doch noch.

In einer sehr nüchternen, aber um so bewegenderen Art schilderte Georg Kronthaler bei der Preisverleihung das ganze Drama, illustriert von Fotos und Filmausschnitten. Denn ein Team von Pro7 hatte ihn begleitet und unglaubliche Szenen festgehalten.

Purple Schulz, Madita van Hülsen, Georg Kronthaler und David Roth

Die Moderatorin und Trauerbegleiterin Madita van Hülsen hielt die Laudatio und interpretierte die Rettung als Sinnbild. „Die Trauer ist immer der Berg, der sich uns und unserem geplanten Lebensweg in den Weg stellt. Es führt einfach kein Weg drumherum. Georg Kronthaler hat es richtig gemacht: Er hat darauf bestanden, seinen verstorbenen Bruder noch einmal zu sehen.”

Van Hülsen appellierte an die Medien und an die Gesellschaft, die Geschichte von Markus und Georg Kronthaler weiter zu tragen: „Denn sie zeigt wie man dem Tod begegnen kann: Bergauf und mit kräftigem Schritt.”

David Roth, Vorstand der Stiftung, vor dem Motto von Fritz Roth: „Trauer ist Liebe”

Eine Erinnerung an diese Leistung bleibt dauerhaft in Bergisch Gladbach: Als Teil des Preises präsentierte David Roth das Straßenschild „Georg Kronthaler Weg”. Dieser Weg wird zunächst auf dem privaten Friedhof des Bestattungsinstitutes angelegt. Roth will sich aber stark machen, dass eine richtige Straße in der Stadt nach dem Preisträger benannt wird.

Als Zeichen dafür, „dass man mit Liebe Berge versetzen kann”.

Mehr Informationen:
Welt der Berge: Offizielle Website von Georg Kronthaler
Das Expeditionstagebuch von Georg Kronthaler
Website der Fritz-Roth-Stiftung „Trauer ist Liebe”

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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