Wolfgang Bosbach

Wolfgang Bosbach hat am Montagabend angekündigt, mit der Bundestagswahl im Herbst 2017 aus der Politik auszuscheiden. „Mit Ablauf dieser Wahlperiode werde ich meine politische Arbeit endgültig beenden”, sagte der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete bei einer Vorstandssitzung der CDU Rheinisch-Bergischer Kreis.

Für diese Entscheidung, so Bosbach, gebe es nicht nur einen Grund, „sondern ein ganzes Bündel von Gründen, sowohl politische als auch sehr persönliche”.

Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erläuterte er: „In einigen wichtigen politischen Fragen kann ich die Haltung meiner Partei nicht mehr mit der Überzeugung vertreten, wie ich sie gerne vertreten würde – und wie ich sie auch vertreten müsste, falls ich noch einmal für die CDU für den Bundestag kandidieren würde.” Dazu gehört die Euro-Rettung, aber auch die Flüchtlingspolitik.

Ein Haltung, die ihm in Berlin einigen Ärger, in der Bevölkerung aber auch über die Parteigrenzen hinaus viel Popularität und Respekt eingetragen hatte.

Im Gespräch mit der Regionalzeitung KSTA/BLZ sagte Bosbach aber auch, dass die letzte Diagnose seiner Ärzte den Ausschlag gegeben hat: „Da wusste ich, dass es richtig ist aufzuhören.“

Der 64-jährige hatte aus seiner unheilbaren Krebserkrankung nie einen Hehl gemacht, war zweimal bei Veranstaltungen zusammengebrochen und  hatte bereits vor einiger Zeit ein wenig Amtsmüdigkeit durchblicken gelassen.

Wolfgang Bosbach. Foto: Manfred Esser

Bosbach war von Februar 2000 bis November 2009 stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Union, seit November 2009  Vorsitzender des Innenausschusses im Bundestag, hatte diese Amt nach innerparteilichen Anfeindungen in seiner Haltung zur Europolitik aber vor einem Jahr abgegeben.

Der Bild sagte er: „Ich arbeite nach wie vor mit ganzer Leidenschaft, aber die bundesweite Reisetätigkeit musste ich deutlich reduzieren. Ich bin heute viel gelassener als früher und kann mich nur wundern, wie schnell sich andere über Kleinigkeiten aufregen. Dann denke ich immer: ‚Eure Sorgen möchte ich haben.‘ Und die kleinen Dinge des Lebens nehme ich heute viel wichtiger als früher und freue mich auf jeden neuen Tag.“

Hintergrund: Wolfgang Bosbachs politische Karriere
1972 trat Wolfgang in die CDU ein, 20 Jahre lang saß er im Rat der Stadt Bergisch Gladbach.

1994 zog er erstmals als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Rheinisch-Bergischer Kreis I in den Bundestag ein. Das wiederholte er 1998, 2002, 2005, 2009 und 2013.

1998 wurde er Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Innenausschuss des Bundestages, dann zu einem der acht stellvertretenden Vorsitzenden der Fraktion gewählt. Dieses Amt gab er schon 2009 ab.

Zwischenzeitlich wurde Bosbach sogar als Innenminister gehandelt. Spätestens aber mit dem Beginn der Euro-Krise geriet er aber immer wieder mit der Mehrheitslinie seiner Partei über Kreuz.

Noch vor einer Woche hatte er bei einem Vortrag vor der Seniorenunion demonstriert, dass von Resignation keine Rede sein kann. Und auch gestern stellt er klar: „Bis zum letzten Tag dieser Wahlperiode werde ich meine Pflichten als Abgeordneter selbstverständlich mit dem gleichen Engagement erfüllen wie bisher auch.“

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Dazu gehören auch die öffentlichen Auftritte. Schon am Donnerstagabend hat Bosbach den nächsten TV-Termin gebucht, bei der ersten Sendung von „Neo Magazin Royale“ mit Jan Böhmermann nach der Sommerpause.

Die Suche nach einem Nachfolger hat begonnen

Er gebe seinen Rückzug bereits jetzt, gut ein Jahr vor der Wahl, bekannt, um der Kreispartei genug Zeit für die Suche eines Nachfolgers zu lassen, sagte Bosbach. Für die CDU und den gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis bedeutet die Entscheidung einen Einschnitt. Denn Bosbach vertritt den Kreis sein 22 Jahren im Bundestag, er war sechs Mal in Folge direkt gewählt worden, zuletzt im Jahr 2013 mit 58,5 Prozent.

Der Kreisvorstand setzte eine Findungskommission unter Leitung des CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Rainer Deppe ein. Die CDU will eine breite Beteiligung der Mitglieder organisieren, um einen Nachfolger für die Kandidatur zu suchen. Die Entscheidung soll bei einer Aufstellungsversammlung am 4. November fallen.

Als mögliche Anwärter auf das Amt gilt unter anderem Rainer Deppe selbst. Aber auch Bergisch Gladbachs Bürgermeister Lutz Urbach, der sich in der Flüchtlingspolitik mehrfach über die Stadtgrenzen hinaus profiliert hatte.

Der CDU-Kreisvorstand zollte Bosbach für seine Entscheidung Respekt, äußerte aber auch Bedauern für den Rückzug eines der „bekanntesten und beliebtesten Politiker Deutschlands”, sagte Deppe. „Wir hätten Wolfgang Bosbach gerne für eine weitere Wahlperiode aufgestellt, zumal er sowohl in der Bevölkerung als auch in der CDU-Kreispartei größten Rückhalt genießt. Das haben wir mit Wolfgang Bosbach auch besprochen. Trotzdem hat er sich anders entschieden. Das müssen wir akzeptieren.“

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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