Der Hintereingang zum Nordtrakt des NCG in Bergisch Gladbach vor der Sanierung

Ist das Kunst? Nein, kann weg. Der Hintereingang zum Nordtrakt, der abgerissen werden soll. 

58 Jahr nach der Eröffnung ist das Gebäude des Nicolaus Cusanus Gymnasiums ein wirtschaftlicher Totalschaden. Jahrzehnte der Vernachlässigung haben nicht nur oberflächige Schäden hinterlassen, sondern gehen tief in die Gebäudestruktur des Traditionsgymnasiums. Das hat Konsequenzen:

Eine Generalsanierung würde nicht – wie ursprünglich angenommen – 12,3 Millionen Euro kosten, sondern 22,1 Millionen.

Ein Abriss der völlig maroden Nord- und Südtrakte plus Neubau eines kompakten Flügels inklusive der Sanierung von Aula und Mitteltrakt wird mit „nur” 19,3 Millionen Euro veranschlagt.

Ein kompletter Neubau des gesamten Komplexes würde rund 30 Millionen Euro verschlingen. 

Der Übersichtsplan: Rechts verläuft die Reuterstraße

Diese Zahlen stellten der zuständige Ko-Dezernent Bernd Martmann und die Chefin des Planungsbüros smp, Tanja Dickert, gemeinsam mit Schulleiterin Inge Mertens-Billmann jetzt der Presse vor – und plädierten für die mittlere Variante. Am 7. Dezember soll der Infrastrukturausschuss entscheiden, ob der Stadtrat dem Vorschlag der Verwaltung folgt.

Da die Variante mit dem Teilneubau nicht nur günstiger ist, sondern auch für den späteren Schulbetrieb und bei der Bewirtschaftung des Gebäudes große Vorteile mit sich bringt, besteht an einem Beschluss für Abriss und Neubau jedoch kaum ein Zweifel. Die Ratsmitglieder hatten schon vorab die Möglichkeit, ein Bild von der Lage zu machen, Einwände wurden nicht erhoben.

Planerin Tanja Dickert, Ko-Dezernent Bernd Martmann, Direktorin Inge Mertens-Billmann, Abteilungsleiter Hochbau Detlef Hellekes und seine Kollegin Tanja Dieball 

„Wir hoffen sehr, dass die Entscheidung jetzt für den Neubau fällt und 2018 endlich mit den Bauarbeiten begonnen werden kann”, sagte Mertens-Billmann.

Mit dem Neubau würde der Raumbedarf nicht nur auf Dauer gut abgedeckt, man könne auch das angestrebte Lehrerraum-Prinzip umsetzen und auch unter den Aspekten Differenzierung und Inklusion deutliche bessere Unterrichtsbedingungen bieten. 

Was Sie über das NCG eigentlich gar nicht wissen möchten
Die Gebäude an der Reuterstraße wurde 1958 (Nordtrakt) und 1969 (Mitteltrakt) gebaut, die Aula stammt aus dem Jahr 1964. Der sogenannte Neubau (2005) und die älteren Turnhallen sind nicht Teil der Sanierung. Mehr Infos zur Geschichte finden Sie hier.

Die Bruttogeschossfläche beträgt 13.000 Quadratmeter und bietet Platz für 950 Schüler. 

Das Stahlbetonskelett ist stark angegriffen, eine spezielle Deckenkonstruktion lässt kaum Änderungen des Grundrisses zu.

Fassaden und Flachdächer müssen saniert werden, die Haustechnik ist völlig veraltet, der Energieverbrauch unterirdisch. 

Auch beim Brandschutz und der Unfallverhütung sind Anpassungen überfällig. 

Die offene Pausenhalle ist seit acht Jahren abgesperrt, in der Aula und im Lehrerzimmer regnet es rein, Teile der Toilettenanlagen sind kaum noch zumutbar, der Musikraum unter der Aula ist schimmelig  – und viele Klassen, …. 

Der Nordtrakt schließt halbgeschossig an den Mitteltrakt an und ist nur über Treppen zu erreichen; einen Aufzug gibt es hier nicht. 

In den Verdunklungsrollos wurde PCB gefunden, in Dach und Fassade Asbest. 

Links der Nordtrakt, vorne der Mitteltrakt, rechts der Südtrakt

Die jetzt von der Verwaltung vorgeschlagenen Variante 2 sieht vor

  • den Mitteltrakt (mit der bereits modernisierten Mensa), den Verwaltungstrakt und die Aula gründlich zu sanieren;
  • den Südtrakt (kurzer Stummel links hinter dem Mitteltrakt (siehe Karte) ersatzlos abzureißen;
  • den langen Nordtrakt mit der seit acht Jahren gesperrten offenen Pausenhalle abzureißen; der dreistöckige, nur über Treppen zugängliche Bau soll durch einen doppelt so breiten, kürzeren vierstöckigen Neubau ersetzt werden; 
  • der bereits zehnjährige „Neubau” mit den naturwissenschaftlichen Räumen und die Turnhallen werden nicht angetastet.

Ohne Worte

Insgesamt stünden der Schule dann für rund 950 Schüler und derzeit 65 Lehrern (ein Viertel davon in Teilzeit) 55 Klassenräume zur Verfügung, plus sechs Differenzierungs- und drei Arbeitsgruppenräume. Alle Räume wären barrierefrei zu erreichen.

Schülerprognosen – und was ist mit G9
In NRW wird frühestens 2017 entscheiden, ob die Gymnasien wieder zur neunjährigen Schulzeit zurück müssen; das würde in den Schulen frühestens ab 2024 Auswirkungen haben, da die Neuregelung nur für neue Schuljahre gelten würden.

Käme es dazu müsste auch das NCG vier zusätzliche Klassen unterbringen, dafür bietet auch der neue Entwurf nicht genügend Raum. Doch gibt es laut Schulverwaltung am NCG und an anderen Schulen Erweiterungsmöglichkeiten, mit denen der Mehrbedarf aufgefangen werden können.

Grundsätzlich gehen Verwaltung und Schule davon aus, dass die 950 des NCG langfristig benötigt werden. Im Einzugsbereich sind im Rahmen des Flächennutzungsplans weitere Wohngebiete geplant, in denen weitere Schüler wohnen würden.  

Der neue Trakt wird sehr viel kompakter gebaut als der Altbau, der lange Flure aufweist, die nur auf einer Seite in die Klassenräume führen. Der Neubau wäre damit kürzer, breiter und höher. Das führt zu einer Reduzierung der bebauten Fläche, der Fassadenfläche und der Verkehrsflächen (Flure, Treppenhäuser) – was wiederum später bei der Heizung, Licht, Wartung und Reinigung sehr viel sparsamer ist.

Das Erdgeschoss des geplanten Neubaus

Zudem lässt sich die Neubau-Variante schneller realisieren als die Totalsanierung. Nach einem vorläufigen Zeitplan, der laut Planerin Dickert durchaus realistisch ist, könnte der Umbau im November 2018 beginnen.

Zunächst würde der Nordtrakt abgerissen werden, erst ganz zum Schluss der Südtrakt. Ein Teil der Klassenräume wird in Containern untergebracht; dafür können die jetzt bei der Sanierung der Otto-Hahn-Schulen eingesetzten blauen Boxen genutzt werden. 

Die offene Pausenhalle. Seit acht Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt

Die Bauzeit ist mit 32 Monaten angesetzt, damit wäre das neue NCG im Juni 2021 fertig. 

Ob die jetzt prognostizierten Kosten eingehalten werden können, bleibt offen. „Jede Altbausanierung ist eine Wundertüte”, warnt Ko-Dezernent Martmann. Der Mitteltrakt sei jedoch sehr gründlich geprüft worden; zwar sei hier offenbar schon beim Bau gepfuscht worden, die Statik reiche aber aus. 

Ein typischer Flur im Nordtrakt; Klassenräume liegen nur auf einer Seite

Die bereits erfolgte Kostenexplosion von 12,3 auf jetzt mindestens 19,3 Millionen Euro geht nach Angaben von Dickert und Martmann auf einen breiten Mix von Ursachen zurück. Unter dem Strich sei die Substanz deutlich schlechter, als man zunächst angenommen habe.

Zudem habe es sich bei den ersten Zahlen um eine reine Schätzung gehandelt; erst nach den genauen Untersuchungen könne man konkretere Zahlen nennen – und was die Maßnahme tatsächlich kostet wisse man erst nach Fertigstellung, betont Martmann, der auch den städtischen Immobilienbetrieb leitet und für alle Hochbaumaßnahmen verantwortlich ist. 

So teilen sich die Kosten auf
Im einzelnen wird mit folgenden Positionen kalkuliert, in Klammern die Kosten für eine Totalsanierung der bestehenden Gebäude:

Herrichten, Erschließen, Auslagern: 890.000 (1.125.000) Euro

Baukonstruktion und Fassade: 10.185.000 (11.660.000) Euro

Technische Anlagen: 3.450.000 (3.790.00)  Euro

Außenanlagen: 725.000 (500.000) Euro

Ausstattung: 195.000 (195.000) Euro

Baunebenkosten: 3.855.000 (4.830.000) Euro

Gesamtkosten (brutto): 19.300.000 (21.100.000) Euro

2012 war die Stadtverwaltung in der Auseinandersetzung, ob man den Schulstandort an der Reuterstraße nicht ganz schließe, für die Zahl 12.3 Millionen Euro massiv kritisiert worden. Vertreter der Elternschaft, die am Ende erfolgreich für den Erhalt des Standortes kämpften, hatten damals behauptet, gut sieben Millionen Euro würden für die Sanierung ausreichen. Die Kosten, betont Martmann, hätten auf die Entscheidung keinen Einfluss gehabt; selbst wenn schon damals die Zahl 19,3 bekannt gewesen wäre, hätte die Stadt die Auseinandersetzung mit der Elternschaft verloren. 

Die Stadtverwaltung, damals noch im Nothaushalt, hatte den Standort Reuterstraße ganz schließen und das NCG mit in den Gebäuden der Realschule im Kleefeld unterbringen wollen. Dagegen waren die Eltern auf die Barrikaden gegangen und hatten ein Bürgerbegehren organisiert und dafür 8742 Stimmen gesammelt

Die Straßenseite des Traditionsgymnasiums mit der modernen Mensa im Erdgeschoss. Auch hier besteht massiver Sanierungsbedarf

Inzwischen ist das Vergangenheit; auch Martmann räumt ein, dass der Erhalt des Standortes aus heutiger Sicht womöglich der richtige Weg war. Die Kosten müsse die Stadt dennoch stemmen. Die Finanzierung der 19,3 Millionen Euro sei jedoch über den Etat des städtischen Immobilienbetriebes und mit Hilfe von Krediten gesichert, ohne an anderer Stelle einsparen zu müssen. Das ist innerhalb der vorgeschriebenen Kreditgrenze vor allem deshalb möglich, weil sich der Umbau über mehr Jahre als zunächst kalkuliert hinzieht und über mehr Haushaltsjahre verteilt wird.

Grundsätzlich bleibe aber das Problem, so Martmann, dass den Kommunen für die Instandhaltung ihrer Schulen zu wenig Geld haben. Aktuell läuft bereits die Sanierung der Otto-Hahn-Schulen für 27 Millionen Euro, aber auch in vielen anderen der insgesamt 35 Schulen Bergisch Gladbachs seien Sanierungen dringend notwendig. Aber das ist eine andere Geschichte.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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