Hochwertige Häuser, am dennoch ist es im hinteren Bereich der mehrgeschossigen Mehrfamilienhäuser in der Helene-Stöcker-Siedlung so eng wie in einem Hühnerstall

Sehr geehrter Herr Flügge,

mit Bestürzung haben wir Ihre Ausführungen im Artikel „Harald Flügge weist Kritik an Flächennutzungsplan ab“ zur Kenntnis genommen. Es geht im Ergebnis weniger darum, ob Sie und die Bürger und Bürgerinnen der Stadt zu diesem Planentwurf unterschiedlicher Auffassung sind. Aber es ist hochgradig ignorant, arrogant, voreingenommen und unprofessionell, bei über 4000 Stellungnahmen der Bürger und Bürgerinnen sowie der Träger öffentlicher Belange diese deswegen abzuqualifizieren, weil

  • die Einwender und Einwenderinnen teilweise das Gutachten zum FNP nicht gelesen hätten bzw. nicht wüssten, was dort ausgesagt wird,
  • wortgleiche Stellungnahmen von allen Familienmitgliedern eingereicht worden seien,
  • die Stellungnahmen – ohne diese ernsthaft bisher ausgewertet zu haben -, inhaltlich nicht gerechtfertigte Kritik enthalten würden,
  • die Bürgerinnen und Bürger sich von „Aktivisten“ hätten instrumentalisieren lassen und
  • die Ankündigung von Klagen gegen den FNP mit dem Hinweis auf den Rechtsweg substanzlos wären.

Mit solchen Äußerungen, die jegliche soziale Kompetenz und jedes Fingerspitzengefühl vermissen lassen, disqualifizieren Sie sich für das weitere Verfahren als der richtige Gesprächspartner. Möglicherweise ist die Stadt ja – obwohl dies anders dargestellt wird – dann doch von der Vielzahl der Stellungnahmen, die hoch qualifizierte Begründungen beinhalten und den Planern eine Fehleinschätzung nach der anderen nachweisen, überrascht.

Die Anzahl der Stellungnahmen wäre vermutlich noch um ein Vielfaches höher, wenn die Stadt wirklich offensiv im Sinne der Herstellung von öffentlicher Beteiligung mit diesem Thema umgegangen wäre. Aber dankenswerter Weise haben zumindest einige wache Bürgerinnen und Bürger noch halbwegs frühzeitig erkannt, welche Richtung mit diesem von Ihnen als „Möglichkeitsmacher“ bezeichneten FNP-Entwurf angedacht ist, und es binnen kürzester Zeit geschafft, noch viele Bürgerinnen und Bürger mit sehr sachlichen Argumenten auf die Problemlage aufmerksam zu machen.

Die Zeiten haben sich halt geändert, moderne Kommunikationstechnik hilft eben auch, sich kurzfristig zu vernetzen und noch gerade rechtzeitig zu einem FNP-Entwurf Stellung zu nehmen, der eben nicht nur Möglichkeiten aufzeigt, sondern dann, wenn er einmal verabschiedet ist, im weiteren Verfahren kaum noch angreifbar ist. Dies wissen auch die Bürgerinnen und Bürger und lassen sich kein „X“ für ein „U“ vormachen.

In der Sache selbst könnte man an dieser Stelle seitenlang gegen Ihre Äußerungen argumentieren; aber die Stellungnahmen liegen Ihnen ja bereits vor. Nur zwei Anmerkungen seien gestattet:

1. Es ist unbegreiflich, wie sich ein hochrangiger Vertreter dieser Stadt dazu hinreißen lassen kann, die in den Stellungnahmen angesprochenen Verkehrsprobleme sinngemäß mit der Antwort zu kontern, die Lösung dieser Probleme sei nicht Aufgabe des FNP, sondern hierfür seien andere Stellen und Verfahren zuständig.

Bravo, das ist eine ausgesprochen hilfreiche Information! Diesen Unsinn haben Vertreter der Stadt bereits bei verschiedenen Wochenmarktaktionen von sich gegeben und dafür kein Verständnis bekommen.

2. Die Stellungnahme von Josef Cramer, der eine viel stärkere Verstädterung und Verdichtung der Innenstadtbereiche gefordert hatte, beantworten Sie mit: „Aber das ist nicht Bergisch Gladbach. Viele Bereiche seien von ein- bis dreigeschossigen Häusern mit großen Grundstücken geprägt, daran müsse man sich orientieren und könne nicht einfach 4-Geschösser daneben setzen. Das hat man in der 70er Jahren gemacht, aber heute doch nicht mehr.“

Dann schauen Sie doch bitte mal die einzelnen Steckbriefe des FNP-Entwurfes daraufhin durch, was denn beispielsweise manchem bisher klassischen Einfamilienhausgebiet zugemutet werden soll: Hühnerställe ähnlich der mehrgeschossigen Mehrfamilienhäuser an der Helene-Stöcker-Straße! Gemeint ist die Art und vor allem Höhe und Dichte dieser als Beispiel für das Plangebiet, in dem wir Leben, angeführten denkbaren Bebauung.

Bei allem Verständnis für die Schaffung von (preiswertem) Wohnraum: Die Menschheit versucht gerade die Käfighaltung für Hühner abzuschaffen. Wollen wir sie für Menschen einführen? Eine solche Bebauung wird doch nur angenommen, weil fabelhafte Stadtplaner diese so durchsetzen.

Die Stadt gehört den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt, nicht der Verwaltung und auch nicht dem Stadtrat. Letzterer ist von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt, um deren Interessen zu vertreten, nicht ihre eigenen und schon gar nicht die der Stadtverwaltung, deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angestellt sind, um im Rahmen des geltenden Rechtes den Willen der Bürgerinnen und Bürger transportiert durch die Beschlüsse der Stadtverordneten umzusetzen.

Daran sollten Sie sich bitte einmal erinnern, bevor Sie von „Frontstellungen“ und „Kommunikation auf Augenhöhe“ reden oder die Bürgerinnen und Bürger indirekt als schlecht informierte, aber dafür von „Aktivisten“ instrumentalisierte Menschen ohne eigene fundierte Auffassung bezeichnen.

Die Missachtung des Bürgerwillens führt auf allen öffentlichen Ebenen schon seit langem zu einer sehr ernst zu nehmenden Politikverdrossenheit sowie zu einem steigenden Misstrauen und zur Auflehnung gegen die öffentliche Verwaltung. Bitte seien Sie so gut und tragen hierzu nicht bei, denn dann verlieren alle Beteiligten den sachlichen Faden; dies wird dem Wohle der Stadt am Wenigsten dienen.

Niemand sträubt sich gegen einen Flächennutzungsplan, aber bitte schön einen, der mit Augenmaß und mit Rücksicht auf den Bürgerwillen aufgestellt wird.

Mit freundlichen Grüßen, Christiana und Jochen Hantschke

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3 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Eversheim,

    es liegt uns fern, mit unserer Meinung irgend jemanden zu beleidigen. Wenn Sie so freundlich sind und unseren Brief nochmals nachlesen, dann kommt es hinsichtlich des von Ihnen ausgewählten Auszuges auf folgenden Satz an:

    “Gemeint ist die Art und vor allem Höhe und Dichte dieser als Beispiel für das Plangebiet, in dem wir Leben, angeführten denkbaren Bebauung.”

    Wie Sie nunmehr sehen, hat das nichts mit Geschmack zu tun, sondern es handelt sich um harte Kritik an der massiven Bebauung, die genau anhand dieses Beispiels für unser Plangebiet im Vorentwurf zum FNP angekündigt wurde. Das Beispiel wurde nicht von uns, sondern von den Erstellern des FNP ausgewählt.

    Das ist sicher auch für Sie einfach nachvollziehbar und verständlich.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jochen Hantschke

  2. Sehr geehrte Frau Hantschke, sehr geehrter Herr Hantschke,

    Ihre grundsätzliche Kritik am FNP und in Personam Herrn Flügge kann ich gut nachvollziehen! Ihre Argumentation – hier am Beispiel der Helene-Stöcker-Strasse – geht meiner Meinung nach völlig am Thema vorbei und zeugt nicht gerade von Geschmack, über den man sicher streiten kann, und Sachverstand. Ich vermag nicht nachzuvollziehen mit welcher Expertise Sie zu einer Aussage ” eng wie in einem Hühnerstall” kommen! Ihr Satz: “Bei allem Verständnis für die Schaffung von (preiswertem) Wohnraum: Die Menschheit versucht gerade die Käfighaltung für Hühner abzuschaffen. Wollen wir sie für Menschen einführen?” stellt eine Beleidigung der dort wohnenden Bürgerinnen und Bürgern von Bergisch Gladbach dar. Solche Aussagen disqualifizieren Sie leider als ernstzunehmenden Kritiker. Sie sind, was diese Aussagen anbelangt, auf Augenhöhe mit Herrn Flügge!

  3. Vielen Dank, Christina + Jochen Hantschke, es kann nicht genug Kritik an Herrn Flügge geben, vor allem so dezidierte wie die Ihre. Dieser FNP-E. muss weg. Herrn Flügge scheinen die hier veröffentlichten Meinungen die Sprache verschlagen zu haben. Und öffentliches Zurückrudern gehört ja weder zum Werzeuig eines Politikers noch dem eines Verwalters. Man kann gespannt sein, ob er es wirklich aushält, bis zur Veröffentlichung der Zusammenfassung der Bürgereingaben still zu bleiben.