Baurat Harald Flügge im Interview mit dem Bürgerportal

Baurat Harald Flügge hat im Interview mit dem Bürgerportal zum Vorentwurf des Flächennutzungsplans (FNP) viel gesagt, wovon sich einiges zunächst ganz vernünftig anhört. Das ist es aber meistens nicht – wenn man sich die Aussagen etwas genauer anschaut.

„Nach innen wachsen, nicht nach außen!“ Was kümmert ihn sein Geschwätz von gestern, denn „Nein, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, ist das genaue Gegenteil eines ehemals hoffnungsvollen Ansatzes. Ist er zurückgepfiffen worden?

„Sehr gute Prognosen, klug positionierte Flächen“. Landschaftszerstörung, Umweltbelastung, erhebliche Schadstoffemissionen, Erkrankungen der Bevölkerung, weiter Ausbreitung des schon bestehenden Verkehrschaos‘ ist alles nicht sein Bier.

Hinweis der Redaktion: Die kursiv gesetzen Zitate sind Aussagen von Harald Flügge aus dem Interview. Unter Umständen lohnt es sich, es im Zusammenhang zu lesen.

Ein paar wenige Wochen im Amt weiß er aber schon, dass die Empfehlung Josef Cramers, Bergisch Gladbach endlich zu einer Stadt zu machen, unserer Stadt nicht ansteht. „Das ist nicht Bergisch Gladbach“. Wie ignorant.

„Der FNP ist ein Möglichkeitsmacher“. Ja, für Industrie, Immobilienmakler, Spekulanten und die Sanierung des Stadtsäckels, nur nicht für die Bürger. Und den vielen, von Expertenwissen durchzogenen Stellungnahmen vorzuwerfen, davon hätten „offenbar viele den Plan nicht genau studiert“ und würden die Ziele und das Verfahren nicht verstehen, ist mindestens ungezogen.

Die Behauptung, der FNP würde nicht in allen Punkten umgesetzt, ist reines Abwiegeln, das kein Bürger glauben kann. Außerdem wissen wir schon mal, dass, die Interessen der Bürger ignorierend, die meisten Punkte durchgesetzt werden sollen.

Wer hat eigentlich dieses Büro Post Welters auf den Plan gebracht, welchem Vitamin B ist das wieder zu verdanken? Ein Büro, das in BGL seinen ersten FNP-Entwurf abgeben durfte. Das riecht nach vorauseilendem Vertrauen und der Sicherheit, den Plan zu bekommen, den man will. Dieses Büro wertet jetzt auch noch die Stellungnahmen der Bürger aus. Das ist wie bei der FIFA oder beim DFB. Kritische Widersprüche zu eigenen Plänen werden vom Freund nebenan beurteilt. Welch ein Sumpf.

Dass Klagen gegen einen FNP nicht möglich sind, ist, so wie Flügge es ausgedrückt, nicht richtig. Man vertraut wohl darauf, dass potentielle Kläger Angst vor Kosten und Zeit haben. Darauf, so rate ich, sollte man sich in der Verwaltung nicht verlassen, so wie man Gesetze ignoriert hat.

Man kann also den Inhalt des FNP-Entwurf gar nicht kritisieren. Das ist wie das Pfeifen, wenn man in den dunklen Keller muss. Es kann nicht sein was nicht sein darf.

Das Verkehrsproblem kann ja der FNP-Planer vernachlässigen, ist das doch nicht seine Aufgabe. Sollen Kreis und Land oder auch Bund Straßen planen und bauen, ohne das BGL gefragt wird, weil die Stadt ja darin keine Aufgabe sieht? Und wer gibt denn der Verlängerung der Linie 1 als Zahnradbahn eine Chance?

Aber jetzt, hurra, Flügge hat die Idee für den Bahndamm. Tragen wir ihn doch einfach ab, die Millionen für die Sondermüllbeseitigung der riesigen Mengen wird er schon finden. Damit sind denn aber auch alle anderen Probleme beseitigt, weil Landschaftsschutzbelange, Naherholungskriterien, Anwohnerprobleme und Planungswiderstände in Düsseldorf – maßgeblich – interessieren den Herren nicht. Und die Aber-Millionen für diese Trasse, die Gladbach zum großen Teil tragen muss, scheinen ihn auch nicht zu schrecken, vom Weiterkommen der Trasse bis zur Autobahn ganz zu schweigen.

Und zum schlechten Schluss greift sich der 1. Beigeordnete Voislöhe und nennt die dortige Stimmung Schwarz/Weiss-Denken. Da versuchen die Anwohner seit fünf Jahren einen Konsens zu erzielen und Flügge wischt das einfach weg. Wie gefühllos und ignorant ist das denn?

Und wo wir schon mal bei solchen Attributen sind. Die Bürger seien instrumentalisiert und nicht unvoreingenommen informiert, nimmt Flügge die Bürgerinitiativen aufs Korn. Und dann reklamiert er noch „gleiche Augenhöhe“ und „gegenseitige Wertschätzung“, auf deren Grundlagen eine Übereinkunft möglich sein soll. Das verschlägt einem ob der Unverfrorenheit der Behauptungen die Sprache.

Aber keine Bange, Herr Flügge, Sie werden Augenhöhe bekommen, müssen sich aber die Wertschätzung wohl abschminken, denn die bekommt der, der sie verdient. Vielleicht aber sind Sie ja in der Lage, eine erneute Kehrtwendung zu vollziehen, wie Sie es nach Ihren frühen Äußerungen taten. Darauf ist zu hoffen im Sinne aller Bergisch Gladbacher.

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Rolf Havermann

wohnt seit 1982 in Bergisch Gladbach. Hat hier 30 Jahre lang sein eigenes Unternehmen geführt. War elf Jahre Vorsitzender eines Bensberger Karnevalsvereins. Ist nun dessen Ehrenvorsitzender und Rentner - und beschätigt sich seit Februar 2016 mit wachsender Intensität mit dem FNP.

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