Neue Straßen entlasten? Nicht immer – denn ganz so einfach ist es nicht. Eine Antwort auf die Antwort des Autobahnzubringer e.V. auf die Antwort der Grünen auf … 

Zur Erinnerung: Die A4 wurde gebaut, unter anderem, weil die B55 nicht mehr den Verkehr aufnehmen konnte und ständig verstopft war.

Die Folge 1: Immer mehr Menschen wollten ins Bergische, längs der Autobahn stiegen die Grundstückspreise, die Dörfer verstädterten, viele Familien brauchten ein zweites Auto, weil die Infrastruktur der raschen Entwicklung hinterher lief.

Die Folge 2: Die A4 ist heute zu Rush-hour-Zeiten überlastet. Stop-and-go. Stau. Jetzt wird der 6-spurige Ausbau geplant. Die Folge 3 kann man sich selbst weiterdenken.

Geeignete Bahndammtrasse? Das Abfallproblem.

Auf der Krone des Bahndamms (zirka 7 Meter breit) kann keine Straße für LKW, Busse, Radfahrer etc. gebaut werden. Der Damm muss abgetragen werden. Bis heute ist der Autobahnzubringer-Verein die Antwort schuldig geblieben, was mit dem Abraum (konservativ geschätzt zwischen 100.000 und 150.000 Kubikmeter) geschehen soll, wie viele LKW-Fuhren es wohl werden. Bäume, Erde, Schutt, (giftiger) Abfall von Zanders und vor allem der Zinkhütte.

Dauer – selbst wenn man heute beginnen würde – mindestens 2 Jahre. Aber bis es eine Genehmigung geben wird …?

Zeitraum? Wachsende Belastung

Bis heute hat sich der Autobahnzubringer-Verein auch nicht dazu geäußert, wann eine Straße auf der Bahndamm-Trasse die gewünschte und dringend benötigte Entlastung für gestresste Bürgerinnen und Bürger an überlasteten Straßen frühestens bringen könnte.

Rechnen wir einmal: Abtragung des Bahndamms zirka 2 Jahre, Planungs- und Genehmigungsverfahren mindestens 3 Jahre, rechtliche Auseinandersetzung mit Einsprüchen der Bürger ca. 3-5 Jahre, Bau der Straße bis zur Fertigstellung mit allen Anschlüssen mindestens 3, eher 5 Jahre. Bis zum Durchschneiden eines roten Bandes mit der goldenen Schere dürfte es also mehr als 10 Jahre dauern, manche sprechen von 15 bis 20 Jahren

Bis dahin gibt es, wenn der Bahndamm die einzige Option ist, keine Entlastung für die Menschen. Im Gegenteil: Die Belastung wird sogar durch den Bau der Straße auf der Bahndammtrasse für viele über lange Zeit wachsen.

Umerziehung? Davon war nicht die Rede – es geht um ein anderes Verhalten.

Dass die Verkehrspolitik wie bisher weitergehen kann, glaubt niemand, der sich mit den bisherigen Folgen der Fehlentwicklung beschäftigt: Versiegelung der Böden, Anstieg der Lärm- und Abgas-Emissionen, Zerstörung der Landschaft. Wir brauchen ein anderes Verständnis von Mobilität. Verständnis kommt von Verstand.

Wir brauchen die Sicht auf verschiedene alternative Möglichkeiten, weg vom antiquierten Blick durch die Windschutzscheibe. Die Jüngeren haben dies längst begriffen. Und ihnen hinterlassen wir diese Umwelt. Das ist unsere Verantwortung.

Wir brauchen den Ausbau der S-Bahn (2. Gleis), Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs mit einer höheren Taktzahl der Busse, Ausbau der Straßenbahn von Köln ins Bergische, Bau von richtigen(!) Radwegen, vielleicht brauchen wir auch den Bahndamm für eine neue schienengebundene Lösung des Nahverkehrs, vielleicht brauchen wir auch den Straßenanschluss an das Merheimer Kreuz.

Fazit

Wir müssen – schon aus Verantwortung gegenüber kommenden Generationen – in größeren Zusammenhängen denken. Der sorgsame Erhalt der Umwelt ist nicht alles, aber ohne diesen sorgsamen Erhalt der Umwelt ist alles nichts.

Weitere Beiträge zum Thema:

Autobahnzubringer e.V. widerspricht den Grünen

Offener Brief an die Bahndamm-Lobby

Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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3 Kommentare

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  1. Eigentlich liegt die Sache doch klar auf der Hand. Die Stadt hat es über Jahre bzw. Jahrzehnte nicht geschafft, eine autoorientierte Verkehrsplanung erfolgreich umzusetzen (so dies überhaupt möglich ist). Daher muss nun endlich ein radikaler Umdenkungsprozess angestoßen werden, damit wir aus diesem Hamsterrad mal endlich herauskommen. Diverse “Ideen ex Auto” wurden bereits ins Spiel gebracht, diese gilt es jetzt mit vollem Tatendrang anzugehen.

  2. Lieber Herr Hansen,
    Ihren Ausführungen ist nichts hinzuzufügen. Außer vielleicht auf die drohenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge hinzuweisen und dem gleichzeitigen Irrsinn das Güterterminal in der Zinkhütte zurückzubauen.
    Die dringend nötige Weitsicht und Solidarität mit den nachfolgenden Generationen sucht man hier vergeblich.
    Wir hatten auch mal eine Straßenbahn bis vor unser Gladbacher Rathaus, die hätten wohl alle gerne wieder… aber was einmal abgebaut ist, kommt so schnell nicht wieder.

  3. Zitat:
    “Wir müssen – schon aus Verantwortung gegenüber kommenden Generationen – in größeren Zusammenhängen denken. Der sorgsame Erhalt der Umwelt ist nicht alles, aber ohne diesen sorgsamen Erhalt der Umwelt ist alles nichts.”

    Sehr geehrter Herr Hansen, dem kann ich nur voll zustimmen, wobei ich gerade wegen des von Ihnen gewählten Fazit ausdrücklich darauf verweisen möchte, das ist kein “grünes Teufelszeug”, auch kein “Herrschaftswissen”, das ist Erfahrung, das ist interdisziplinäres Wissen und mittlerweile bestimmt dieses Wissen in großen Unternehmen auch seit längerem das Handeln. Auch bei vielen jungen Menschen hat dieses vermittelte Wissen heute bereits zur Überzeugung für eigenes und geändertes Handeln geführt. Hier findet Verhaltensänderung statt. Es ist auch keine Modeerscheinung, geht vorbei oder trifft nur auf Einzelne zu. Der sorgsame Umgang mit der Umwelt und ihr Erhalt ist im Interesse des Gemeinwohl.

    Wer eine Kostprobe zum “Stand der Technik” in Sachen Nachhaltigkeit sehen möchte, der kann z.B. den nachfolgenden link wählen. Ganz besonders wichtig erscheint mir hier der Hinweis auf die Dekarbonisierung. Die CO²-Bilanz gehört heute zum Standardrepertoire der Meßgrößen moderner Unternehmensführung.

    https://www.siemens.de/ueberuns/nachhaltigkeit/Seiten/home.aspx