Im iGL-Interview begründete Bürgermeister Lutz Urbach den Einstieg in den Grundstückskauf

Bereits vor zehn Tagen haben Vertreter der Zanders GmbH und der Stadtverwaltung den Notarvertrag über den Verkauf von Teilflächen des Firmenareals an die Stadt Bergisch Gladbach unterzeichnet. Das teilte die Stadt am Montag mit.

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Damit läuft eine Klage des Trierer Projektentwickler Triwo ins Leere. Der Kaufpreis, den Zanders für die Modernisierung der Papierfabrik einsetzen will, kann rasch fließen. 

Den Vertrag hatte Zanders mit Triwo ausgehandelt, doch dann hatte die Stadt ihr Vorkaufsrecht gelten zu machen, um die drei Grundstücke mitten in der Innenstadt für eine eigene Gestaltung zu sichern. Gegen diesen Verwaltungsakt hatte Triwo vor dem Verwaltungsgericht Klage eingelegt – was zunächst einmal eine aufschiebende Wirkung hat. 

Triwo klagt gegen Zanders-Vorkaufsrecht der Stadt

Diese Klage konterte die Verwaltung jedoch mit einer eigenen Anordnung, begründet mit dem öffentlichen Interesse sowie dem überwiegenden Interesse eines der Vertragspartners – sprich Zanders. 

Bürgermeister Lutz Urbach begründet den Schritt so:

„Uns als Stadt war es aber sehr wichtig, Zanders möglichst schnell zu Liquidität zu verhelfen, damit der notwendige Unternehmensumbau weiter betrieben werden kann. Deshalb haben wir die sofortige Vollziehung des Vorkaufsrechtes angeordnet. Dies hielten wir im öffentlichen Interesse für möglich und erforderlich.“

Gleichzeitig machte Zanders von einer vertraglich festgelegten Rücktrittsklausel Gebrauch, die mit Triwo für den Fall der Ausübung eines Vorkaufsrechtes ausgehandelt worden war.

Damit hat die Klage von Triwo ihre Basis verloren, argumentiert die Stadt. Allerdings wird das ganze Verfahren dennoch vom Verwaltungsgericht geprüft werden. Zunächst aber gibt es einen gültigen Verkaufsvertrag zwischen der Stadt und Zanders.

Nun kann die Verwaltung den Verkaufspreis überweisen und die nächsten Schritte angehen. Wie hoch der Kaufpreis ist, ist bislang geheim. KSTA/BLZ hatten 13 Millionen Euro genannt, dem ist bislang nicht widersprochen worden. 

Der Stadtrat hatte bereits beschlossen, die Immobilie der neu zu gründenden „Zukunft Stadt Profil GmbH & Co. KG“, einer hundertprozentigen Stadt-Tochter, zu überschreiben, die sich um die Bewirtschaftung und Entwicklung des Areals kümmern soll.

Zanders will die Millionen einsetzen, um die unwirtschaftliche Energieversorgung durch Kohle auf Gas umzustellen. 

Das Zanders-Gelände im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die markierten Flächen werden verkauft. Quelle: Geoservice Stadt Bergisch Gladbach, Geobasisdaten: Rheinisch-Bergischer Kreis

Das Zanders-Gelände im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die markierten Flächen werden verkauft.

Bei den Grundstücken handelt es sich um drei Flächen, den sogenannten Office-Bereich mit den Büros im Norden im Bereich des Haupteingangs sowie zwei „Entwicklungsflächen”, dem Mitarbeiterparkplatz im Osten und dem Klärwerksgelände im Westen.

Die Flächen sind 13 Hektar groß und machen etwas ein Drittel des Zandersgeländes in der Innenstadt aus; der Kernbereich mit den Werkshallen und dem Kraftwerk behält die Papierfabrik.

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Man kann verwundert sein, dass eine Firma wie TRIWO, die ihren Kauf des Zanders-Geländes als besonders vorteilhaft für Stadt und Bürger hinstellt, plötzlich mit Klagen reagiert, wenn das vorher und allgemein bekannte Vorkaufsrecht einer Stadt gezogen wird. Das triwoische Geschwafel von für die Stadt besonders zuträglichen Planungen, die ja schon fertig wären, führt man jetzt selbst ad absurdum. Es geht hier einzig und alleine um massive wirtschaftliche Interessen, die man jetzt am Horizont verschwinden sieht. Die Stadt hat im Sinne Ihrer Entwicklung und der Bevölkerung völlig richtig gehandelt.