Das Zanders-Gelände im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die markierten Flächen werden verkauft.

Drei Grundstücke stehen zum Verkauf: Der Bürobereich (türkis), der Parkplatz im Osten (grün) und die Industrieflächen im Westen (lila). Der Kernbereich bleibt bei Zanders. Quelle: Geoservice Stadt Bergisch Gladbach, Geobasisdaten: Rheinisch-Bergischer Kreis 

Drei Grundstücke will die Stadtverwaltung von Zanders kaufen, der Öffentlichkeit zugänglich machen und für eine Nutzung entwickeln, die Zanders stützt und der Innenstadt gut tut. Das hat die Verwaltungspitze Bürgermeister Lutz Urbach am Montag öffentlich gemacht.

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Nicht mitgeteilt hat sie, dass der Kauf von zwei der drei Teilflächen an eine Bedingung geknüpft ist, die die Stadt kaum erfüllen kann. 

Darauf weist die Lokalzeitung KSTA/BLZ hin: Im Kaufvertrag gebe es eine Klausel, wonach der Kauf der beiden „Entwicklungsflächen” (Mitarbeiterparkplatz und das Gelände am Driescher Kreisel, siehe Foto) nichtig ist, wenn die Stadt nicht innerhalb eines Jahres einen neuen Bebauungsplan für diese Bereiche aufstellt.

Damit, so schließt die Zeitung, sehe es so aus, als ob nur die dritte Fläche mit den größtenteils vermieteten Bürogebäuden zum Verkauf stehe. 

Das wirft Fragen auf, die die Stadtverwaltung nicht beantwortet. Versuchen wir es.

Der Kaufvertrag war von Zanders und dem Immobilienentwickler Triwo ausgehandelt worden. Die Stadt besitzt ein Vorkaufsrecht, das sie nun (die Zustimmung des Stadtrats vorausgesetzt) ausüben will. Damit ist Triwo draußen, aber der Vertrag bleibt wie er ist. Er kann auch nicht im Einvernehmen von Stadt und Zanders nachverhandelt werden. Das gehört zu den Regeln des Vorkaufsrechts.

Geheimhaltung: Gleichzeitig steht die Stadt auf dem Standpunkt, dass sie Details des Kaufvertrages nur mit Zustimmung von Zanders und Triwo veröffentlichen darf. Daher wird der Kaufpreis nur gegenüber den Ratsmitgliedern offen gelegt, bleibt aber vertraulich. Das Geschäft soll im öffentlichen Teil der Ratssitzung allgemein verhandelt werden, alle Details im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung.

Allerdings: Triwo hat die Nichtigkeitsklausel inzwischen gegenüber KSTA/BLZ bestätigt.

Das Zanders-Gelände an der Gohrsmühle in Bergisch Gladbach. Foto: Bergisch Schön

Das Zanders-Gelände an der Gohrsmühle. Vorne der Officebereich, rechts eine der beiden Entwicklungsflächen. Foto: Bergisch Schön

Nicht bestätigt ist die Information von KSTA/BLZ, wonach alleine der Office-Bereich sieben Millionen Euro kosten soll, die beiden Entwicklungsflächen noch einmal sechs Millionen Euro. Ein Gesamtpreis von 13 Millionen wäre deutlich höher als alle Summen, die bislang geschätzt worden waren. Dazu sagt die Stadt natürlich nichts.

Wie lange dauert ein Bebauungsplan?

Auch die Frage, ob die Aufstellung eines B-Plans innerhalb der Jahresfrist möglich ist, wollte die Verwaltung am Dienstag nicht beantworten. Stadtplaner hatten aber schon früher zu Protokoll gegeben, dass ein B-Plan selbst bei normalen Wohngebieten mindestens ein Jahr dauert.

Triwo hat nach eigenen Angaben für diese Klausel gesorgt, um Druck auf die Stadtplaner zu machen. Ein Jahr sei für die Trierer das normale Tempo bei der Aufstellung eines Bebauungsplans. Um das zu schaffen hätte man ein Planungsbüro engagiert, dass die Stadtverwaltung hätte unterstützen können.

Zudem, so ein Triwo-Sprecher gegenüber KSTA/BLZ, habe das Unternehmen bereits konkrete Pläne für einen Gewerbe- und Technologiepark als Perspektive für Zanders entwickelt. Da hätte es schon Investitionspläne und interessierte Unternehmen gegeben. Darum muss sich die Stadt nun, wenn sie das Vorkaufsrechts ausübt, selbst kümmern. 

Sieht so der Plan B aus?

Dabei wird die Stadt wahrscheinlich doch auf alle drei Grundstücke dauerhaft zugreifen können.

Zwar darf die Stadt den Zanders-Triwo-Vertrag nicht nachverhandeln und muss ihn unverändert übernehmen.

Wenn das aber geschehen ist, wenn die Stadt und Zanders Vertragspartner geworden sind, dann können sie neu verhandeln. Und auch einen neuen Vertrag über die beiden Entwicklungsflächen schließen. Das könnte der schon jetzt anvisierte Plan B sein.

Die Stadt kann so den Bürobereich und die beiden Entwicklungsflächen übernehmen und zusammen im Sinne der Stadtplanung entwickeln. Allerdings wird der Prozess noch etwas komplizierter, als ohnehin schon angenommen. 

Weitere Beiträge zum Thema:

„Kein Risiko”: Stadt will Zanders-Flächen kaufen

BürgerportalTV: Darum geht es bei Zanders

SPD sieht in Kauf der Zanders-Flächen kein hohes Risiko

CDU: Zanders-Flächen kaufen, Kompromiss suchen

Zanders verkauft ein Drittel seiner Fläche

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Bürgermeister Lutz Urbach hat mittlerweile die Information öffentlich gemacht, dass die Stadt bereits vor mehreren Monaten das Institut für Bodenmanagement (IBOMA) mit der Verkehrwertermittlung beauftragt hat. Nun bin ich gespannt, ob dieses den geforderten Kaufpreis bestätigen wird. Der BM hat sich diesbezüglich nämlich nicht geäußert.

    Ich finde es allerdings schade, dass er in meinem unten stehenden Beitrag eine implizierte Unterstelllung an die Verantwortlichen sieht, es gäbe eine solche Beauftragung nicht. Aber es lässt sich ja leider nicht verhindern, dass eine Aussage subjektiv anders wahrgenommen wird als deren objektiver Erkllarungsgehalt dies eigentlich zulassen würde.

  2. Business as usual, so viel Phantasie vermag ich da gar nicht zu erkennen Herr Wiegelmann, aber danke für das Wachrütteln aus der Euphorie. Es ist aber ja nicht ehrenrührig von Mutares einen Weg zu suchen, um zum bestmöglichen Preis zu verkaufen.

    Da die Stadt sich allerdings schon seit mehr als einem Jahr mit diesem Thema intensiv befasst, bin ich mir sicher, dass es selbstverständlich zur Unterstützung der Ratsentscheidung ein solches neutrales Wertgutachten gibt und zwar für alle Bestandteile des zu erwerbenden Objektes. Wie sonst könnten die Ratsmitglieder eine verantwortbare Entscheidung treffen.

    Der Hinweis darauf, dass die Stadt keinen besseren Vertrag hätte aushandeln können, als die beiden industriellen Partner es getan haben, der allein reicht nicht. Auch wenn Triwo angibt, es sei das übliche Tempo, weshalb man beim Erstellen des B-Plan die Stadt unterstützen würde.

    Da bleibt noch die Frage, ob die Stadt diese Unterstützung bei der B-Planerstellung auch annehmen würde und annehmen darf. Zumindest ist verwunderlich, dass die Stadt nach meiner Kenntnis dieser Unterstützung für die Erstellung des B-Plans nicht vor Unterschrift des Vertrages durch Triwo und Zanders zugestimmt hat. Es ist ja offensichtlich eine nicht unwesentliche Vertragsbedingung daran geknüpft.

  3. Für mich entsteht immer mehr der Eindruck der Gefahr, dass die Stadt durch das anstehende Geschäft übervorteilt wird.

    Ich möchte nachfolgend einmal phantasieren – obgleich, so unrealistisch erscheint mir das Szenario nicht.

    Ausgangslage: Die Eigentümerin des Zanders-Geländes (Mutares, nachfolgend Zanders genannt) möchte für die zu verkaufenden Flächen einen möglichst hohen Kaufpreis erzielen, das dürfte unzweifelhaft feststehen. Gleiches gilt für die Tatsache, dass kleine Pakete idR mehr erlösen als ein großes. Wie erreicht man dann so ein Ziel?

    Es ist durchaus denkbar, dass es Triwo vor allem bzw. sogar nur darauf ankam, die beiden Entwicklungsflächen zu erwerben, also nicht den Office-Bereich, und dies natürlich möglichst günstig. Ein optimaler Geschäftspartner für Zanders!

    Nun wird der Kaufpreis für den aus Triwo-Sicht uninteressanten Office-Teil mit 7 Mio. EUR besonders hoch angesetzt, die anderen beiden Grundstücke mit nur jeweils 3 Mio. EUR. Mit anderen Worten: die Wertansätze werden zu Lasten der Stadt ein wenig “umverteilt”. Damit die beiden Entwicklungsflächen nicht von vornherein durch Ausübung des Vorkaufsrechts für den Interessenten Triwo verloren gehen, wird der Erwerb dieser Flächen von einer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu erfüllenden Bedingung abhängig gemacht, nämlich der Aufstellung eines Bebauungsplans innerhalb Jahresfrist. Denn aufgrund des im Vorfeld geäußerten großen Interesses der Stadt an einem Erwerb konnten Zanders und Triwo davon ausgehen, dass die Stadt das Verkaufsrecht ausüben wird. Und sie konnten gleichzeitig praktisch sicher sein, dass die beiden Entwicklingsflächen nicht auf die Stadt übergehen, weil diese es nicht schaffen würde, den BPlan innerhalb Jahresfrist aufzustellen.

    So scheint es also jetzt zu kommen.
    Folge: Die Stadt wird vermutlich deutlich überteuert in den Office-Bereich einsteigen.

    Oder vielleicht doch nicht?
    Für die Verantwortlichen in Stadt und Politik gilt es zu vermeiden, dass man sich später den Vorwurf eines überteuerten Kaufs gefallen lassen muss. So ist es aus meiner Sicht dringend geboten, ein wirklich neutrales Wertgutachten erstellen zu lassen, um bestätigt zu bekommen, dass der Office-Bereich tatsächlich die geforderten 7 Mio. EUR wert ist. Ich habe da aber so ein Bauchgefühl, dass dem nicht so ist.

    Würde das Gutachten mein Gefühl bestätigen, dann würde die Stadt nicht in den KV einsteigen. Da aber der BPlan für die beiden Entwicklungsflächen dann gewiss auch nicht binnen Jahresfrist erstellt werden könnte, würden diese Flächen nach einem Jahr an Zanders zurückfallen.

    Egal, ob das Vorkaufsrecht ausgeübt wird oder nicht: Triwo (oder ein neuer Interessent) und Zanders werden bzgl. der beiden Entwicklungsflächen nach einem Jahr wohl nochmals in die Verhandlungen einsteigen. Ist das grundsätzliche Interesse der Triwo am Erwerb der beiden Entwicklungsflächen dann noch vorhanden, wird man einen neuen KV abschließen, in den dann die Stadt erneut einsteigen kann. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass man – je nach Bewertung des städtischen Interesses – den Kaufpreis nochmals nach oben “nachjustieren” wird.
    So kühl kalkulierend können Manger sein! Aber es sind halt alles Profis.

    Ich bitte meine Ausführungen nicht falsch zu verstehen. Es sind Schlussfolgerungen aus den Beobachtungen eines Außenstehenden. Als Stadtrat würde ich aber wohl nicht in einer deutlich anderen Wissensposition sein (vom tatsächlichen Kaufpreis einmal abgesehen, wobei ich aber hier unterstelle, dass an den im Umlauf befindlichen Zahlen etwas dran ist).
    Von daher ist eine kritische Auseinandersetzung mit den von allen Beteiligten verfolgten Zielen geboten, um den gesamten Vorgang zum Wohle der Stadt abzuwickeln.