Das Einzelhandels-Portal „Kaufnah” stößt bei Konsumenten und Händlern auf reges Interesse. Es sei zwar  klar, dass Kaufnah eingeschworene Amazon-Fans nicht überzeugen könne, sagte Oliver Fink, Inhaber der GartenBaumschule Becker in Refrath am Stammtisch des Bürgerportals: „Aber es gibt ein Potenzial von Kunden, die regional einkaufen wollen – die können wir über Kaufnah gewinnen.”

Eine Einschätzung, die ein Kunde per Online-Kommentar bestätigt: „Auf Dauer werden nicht viele aus Nostalgie oder Lokalpatriotismus am Ort kaufen – aber auch wir Kunden müssen uns schon mal die Frage stellen, ob wir bei jedem Kauf den letzten Cent herauspressen. Oder ob wir ein wenig für den Service zahlen, damit wir lebendige Innensstädte und lokale Beratung haben.”

Allerdings müsse der Handel das auch liefern: „Ich habe mehrfach erlebt, dass Verkäufer wenig kompetent waren oder nicht gar so freundlich. Ich kaufe gerne lokal, aber der Service muss stimmen.”

In diesem Spannungsfeld kam es am Stammtisch des Bürgerportals rasch zu einer engagierten Debatte. Die Einzelhändler hatten viele Fragen zum Verfahren, einige Konsumenten wollten vor allem über die Probleme der Einkaufswelt in Bergisch Gladbach reden. 

Zur Sache: So funktioniert Kaufnah
Das Prinzip ist einfach: Wer auf der Suche nach einer bestimmten Sonnenbrille, einer besonderen Saftpresse oder einem preiswerten Fernseher ist, der gibt das Produkt in die Suchmaske ein. Auf dem Computer, meistens aber wohl auf dem Handy oder Tablet. Als Text oder auch als Foto.

In der Zentrale von Kaufnah recherchieren Mitarbeiter die passenden Einzelhändler, anoymisieren die Daten und stellen den Kontakt her.

Der Anbieter liefert ein Angebot, vielleicht auch Alternativen und bietet seine Beratung an.

Damit löst Kaufnah die Probleme auf beiden Seiten.

Die Käufer werden ihr schlechtes Gewissen los, weil sie schon wieder bei Amazon, Zalando & Co. bestellt haben, sparen sich die lange Sucherei und werden auch noch persönlich beraten. Sie fragen völlig anonym an, es gibt kein Gefühl einer Kaufverpflichtung. Sie bekommen genaue Infos, bevor sie in den Laden gehen. Und sie entscheiden nach der Kompetenz der persönlichen Antwort des Fachhändlers.

Der Verkäufer kann zeigen was er kann: beim Produkt, beim Preis und vor allem bei der Beratung. Und das per Mail, ohne Aufwand, ohne Online-Shop.

Zunächst stellte Dietrich Dehmer, Gründer und Betreiber von Kaufnah, sein Projekt vor. Der Optiker aus Bad Orb erläuterte Hintergrund und Funktionsweise und betonte, was Kaufnah (nicht) ist: keine reine Suchmaschine, kein Preisvergleichtool, kein Marktplatz, kein Online Shop, der noch mehr Kunden aus der Innenstadt abzieht. Sondern ein lokales Ausschreibungsportal, das Interessenten mit dem Einzelhandel vor Ort in Kontakt bringt.

Grundsätzlich begrüßten die Händler das Angebot, zum Teil vehement. Es gab viele Rückfragen, Hinweise auf strukturelle Probleme und Anregungen zur Verbesserung sowie Erweiterung.

Als größtes Problem wurde die Reaktionszeit indentifiziert: zwar schickt Kaufnah die Anfragen (zwischen 9 und 19 Uhr) innerhalb von 30 Minuten weiter. Der Prozess ist nur zum Teil automatisiert, jeder Vorgang wird von einem Mitarbeiter bearbeitet.

Dietrich Dehmer hat Kaufnah gegründet; sein Team prüft jede Anfrage

Anfragen kommen aber eben auch abends. Zudem erfordern sie im Einzelfall Recherchen. Daher haben einige Kunden erst nach einigen Tagen oder gar keine Antworten bekommen; das sollte so nicht sein und wird geklärt. Bislang sind mehr als 100 Anfragen beantwortet worden.

Zudem sind einige Händler nicht gerüstet, Anfragen rasch zu bearbeiten. Zum Teil müssen sie interne Arbeitsabläufe und Kommunikationswege anpassen. Kaufnah arbeitet an einer Händlerapp und denkt über weitere Kommunikationsweg nach; Händlerseminare sind möglich.

Aktuell sind knapp 30 Händler aus GL bei Kaufnah aktiv, zum Teil mit sehr ausgefeilten Profilen und Angeboten. Die „kritische Masse“ ist aber noch nicht erreicht, daher können viele Anfragen noch nicht angemessen beantwortet werden. Dennoch werten Dehmer die Zahlen der ersten zehn Tage als großen Erfolg; dafür hatte die „Onlinecity Wuppertail” viele Monate gebraucht. 

Das Interesse der Kunden ist groß: mehr als 100 Anfragen bislang, wovon allerdings nicht alle zum Ziel führten.

Als Problem identifiziert wurde, dass die Produkt-Kathegorien zu weit gefasst sind; daher gehen einige Anfragen an einen zu weiten Händlerkreis. Das wurde von anwesenden Händlern aber nicht als Problem gesehen; jede Anfrage sei eine gute Info über die Präferenzen der Kunden; was nicht passt wird gelöscht. Hier will Kaufnah bald eine feinere Kategorien-Auswahl anbieten.

Einzelne Teilnehmer interessierten sich für eine Darstellung ihres Unternehmens im Zusammenhang mit Kaufnah im Bürgerportal. Ein solches „Shopping-Portal GL“ mit einer Schaufensterfunktion ist möglich, im Moment konzentriert sich das Team jedoch auf die Basisfunktionen von Kaufnah.

Zur Sache: So können Händler mitmachen
Wenn Sie selbst Händler sind, können Sie sich direkt bei uns melden; info@in-gl.de. Dann kontrolliert das Team von Kaufnah, ob Ihre Daten (Adresse, Angebot, Kontaktmöglichkeiten) korrekt in der Datenbank erfasst sind.

Oder Sie klicken auf den Button links und tragen sich selbst ein. Kostenlos.

In der Testphase ist der Dienst kostenlos, ab der sechsten beantworteten Anfrage zahlt der Händler eine Gebühr von 70 Cent an Kaufnah. Aber nur, wenn er die Anfrage auch beantworten will.

Dafür ist es jetzt vor allem wichtig, den Kreis der teilnehmenden Händler zur erweitern und das Projekt bekannter zu machen. Das Tool ist vorerst nur auf der Website des Bürgerportals (siehe oben) eingebunden, kann aber auch für die Webauftritte der IGs zur Verfügung gestellt werden.

Anfang Juli soll an einem weiteren „Händler”-Stammtisch eine erste Zwischenbilanz gezogen werden.

Weitere Informationen über Kaufnah: 

Online suchen, lokal kaufen: „Kaufnah” startet in GL

Kaufnah löst bei Kunden und Händlern starke Resonanz aus

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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