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Drogen, Polizei, Respekt: Was ist in Heidkamp los?

Der Bericht über Berufsschüler, die Polizisten bei einer Drogenkontrolle in Heidkamp angriffen, trifft bei den Jugendlichen auf bitteren Widerspruch, Vor Ort zeigt sich, dass die Probleme tiefer liegen und lange ignoriert wurden. Doch ein Schuldirektor spricht Klartext. 

Am Dienstag hatte die Polizei berichtet, Beamte einer Einsatzhundertschaft seien bei einer Drogenkontrolle im Umfeld der beiden Berufsschulen in Heidkamp angegriffen worden. Am Ende seien drei Schüler und vier Beamte leicht verletzt gewesen, eine Polizistin erlitt eine schwere Bisswunde.

Eine Meldung, die das Bürgerportal nach Rückfrage bei Richard Barz, dem Sprecher der Polizei RheinBerg, in dieser Form übernahm

Diese Darstellung stößt bei Berufsschülern, die selbst betroffen waren oder den Vorfall gesehen hatten, auf bitteren Widerspruch. Zunächst kursierten Videos privat auf WhatsApp und Snapchat, später machten einzelne Schüler die Kritik auf Facebook und in der Kommentarspalte des Bürgerportals öffentlich. Eine Schülerin dokumentierte die Vorwürfe in einer E-Mail, andere meldeten sich über den Facebook-Messenger.

Demnach sei die Aggression von den Polizisten ausgegangen, die auf verbale Anwürfe mit körperlicher Gewalt geantwortet hätten, die sich auch gegen Wehrlose richtete. 

Die Vorwürfe im Detail

Ein Berufsschüler, der nach eigenen Angaben zu den Betroffenen zählt, schildert den Vorgang aus seiner subjektiven Sicht der Dinge so:  Die Polizisten hätten die Verdächtigen auf üble Art und Weise beschimpft, zudem hätten sie Schüler im Umfeld wahllos attackiert, gefesselt und auch danach noch ins Gesicht geschlagen. Es gebe Videos, die das bewiesen. 

Der Bericht des Betroffenen im Detail

Tatsächlich liegt dem Bürgerportal ein sehr kurzes Video vor, das zeigt, wie sich ein Polizist aus dem Tumult vor der Haustür löst. Dort beobachten eine Beamtin und ein Zivilist die Szene entspannt. Der Polizist läuft auf einen kleinen Jugendlichen zu, drückt ihn an die Hauswand und schlägt zu. Der Junge geht zu Boden, das Video endet. 

Was davor, was danach geschah, ist unklar, die Stimmen sind unverständlich. Weitere Bildaufnahmen haben wir nicht.

Polizei RheinBerg: „Gewalt gegen Wehrlose wird nicht toleriert”

Die Polizei RheinBerg wurde von diesen Berichten auf dem falschen Fuß erwischt. Denn sie selbst war gar nicht vor Ort. Sie hatte 15 Beamte einer Kölner Einsatzhundertschaft um Hilfe gebeten, die bei Drogendelikten oder auch bei Verkehrsangelegenheiten immer mal wieder gerufen wird. Die handelt zwar im Auftrag der Kreispolizei, aber unter einem eigenen Gruppenleiter und autark, erläutert Polizeisprecher Barz. 

Eine Sache, so Barz, sei völlig klar: „Gewalt gegen gefesselte oder aus anderen Gründen wehrlose Personen ist nicht zu tolerieren.” Daher werde die Kreispolizei diesen Vorwürfen nachgehen. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Vorwürfe offiziell erhoben werden. Nicht auf Facebook, sondern bei der Polizei. Bis zum Freitag aber, so Barz, sei bei der Kreispolizei keinerlei Beschwerde oder gar Anzeige eingegangen; man habe erst durch die Anfrage des Bürgerportals von der Debatte erfahren. 

Am Freitag kontrollierte die Kreispolizei Radfahrer – und zeigte Präsenz

Vernehmungen sollen Klarheit bringen

Spätestens bei den Vernehmungen der Beschuldigten kann das ein Thema werden. Denn die Einsatzbeamten haben fünf Anzeigen erstattet: zwei wegen der „Übergabe von Betäubungsmitteln”, drei wegen Widerstands und Körperverletzung.

Dann könnten die Beschuldigten alles vorbringen, was sie entlastet könnte. Zum Beispiel, dass sie von den Polizisten provoziert worden seien und selbst nicht handgreiflich geworden seien. Dann wäre aber auch zu klären, woher die Verletzungen der Beamten (Prellungen, Platz- und Schürfwunden) stammen. 

Gleichzeitig bittet die Polizei die Zeugen, ihre Beobachtungen zu Protokoll zu geben, Videos vorzulegen oder Anzeige zu erstatten. Die Telefonnummer lautet: 02202 205-0.

Dass dies geschieht ist jedoch unwahrscheinlich; auch mit dem Bürgerportal wollen die Zeugen nur unter der Bedingung reden, dass keine Namen genannt werden. 

Sandkasten und Spielgeräten auf privaten Grund; doch in den Pausen ein Drogenumschlagplatz

Anwohner erzählen eine andere Geschichte

Hinzu kommt, dass die beobachtenden Berufsschüler offenbar eine eigene Sicht der Dinge haben. Anwohner und Mitarbeiter der anliegenden Geschäfte, aber auch der Direktor des kaufmännischen Berufskollegs, erzählen eine ganze andere Geschichte. 

Demnach hatte es auf dem kleinen Platz an der Ecke Oberheidkamper Straße / Bensberger Straße, direkt zwischen den beiden Berufsschulen, bereits in der ersten Pause eine unspektakuläre Drogenkontrolle gegeben. In der zweiten Pause gegen 11:20 Uhr seien die Beamten erneut aufgetaucht, um zwei junge Männer zu kontrollieren.

Sofort seien die Beamten aus der wachsenden Gruppe der Umstehenden massiv beschimpft worden. Einige Schüler seien direkt in die Auseinandersetzung gegangen, andere hätten sie lautstark angefeuert und mit Handys und Tablet gefilmt. Angesichts dieser Stimmung, so die Einschätzung der Unbeteiligten, hätten sich die Polizisten angemessen verhalten. 

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Schon seit langem, so die Anwohner, würden sie Drogengeschäfte unter Berufsschülern in großem Umfang beobachten, hätten dies ohne großen Effekt bei der Polizei und den Schulleitungen gemeldet. Der Ton der Jugendlichen sei immer aggressiver geworden, es sei auch zu Bedrohungen von Mitarbeitern umliegender Geschäfte gekommen. 

Schuldirektor redet Klartext

Für Erwin Dax, Direktor des kaufmännischen Berufskollegs direkt nebenan an der Oberheidkamper Straße, ist die Lage völlig klar. Er hat den Konflikt am Dienstag gegen Ende selbst erlebt, hat mit den Einsatzkräften und mit einigen seiner Schülern intensiv diskutiert. 

Sein Fazit: Was dort geschah, der Drogenhandel, sei ein Verbrechen, das ein Eingreifen der Polizei erfordert habe. Er habe Verständnis für die Nöte der Anwohner und Anlieger, daher begrüße er das Vorgehen gegen die Drogengeschäfte, sagt Dax. 

Hinweis der Redaktion: Die Schulleitung der zweiten Berufsschule (Berufskolleg Ernährung und Hauswirtschaft – Gestaltung – Sozial- und Gesundheitswesen – Technik) war am Freitag nicht zu erreichen. 

Mehr noch: Für die Schüler habe es keinerlei Grund gegeben, sich in die Polizeiaktion einzumischen. Die Beteiligten hätten ein hohes Maß an Respektlosigkeit gezeigt und dazu beigetragen, dass die Situation derartig aufgeputscht worden sei.

Wenn es auf Seiten der Polizei zu Übergriffen gekommen sei, könne man sich beschweren und Anzeige erstatten. Es gebe aber keinen Anlass, selbst hinein zu grätschen.

In einem Brief an die Schüler schreibt Dax: „Die Zivilfahnder haben sich als Polizisten zu erkennen gegeben und die Jugendlichen aufgefordert, sich vom Einsatzort fernzuhalten. Dazu sind sie berechtigt. Das ist dann auch keine höfliche Bitte, sondern eine Anweisung der Polizei, der unbedingt Folge zu leisten ist. Andernfalls behindert man die Polizei, was wiederum eine Straftat darstellt.“

Eine der beiden Berufsschulen in Heidkamp: Das kaufmännische Berufskolleg

Berufskolleg will nicht zur Tagesordnung übergehen

Daher werde das Kollegium der Berufsschule jetzt nicht zur Tagesordnung zurück kehren, sondern mit den Schülern  reden. Immerhin sei am Dienstag auch der Schulfrieden attackiert worden. Daher werde er innerhalb der Schule das Thema Drogenprävention noch stärker in den Vordergrund stellen, aber auch die Frage behandeln, wie man sich in solchen Situationen zu verhalten habe, sagt Dax.

Allerdings seien die Einflussmöglichkeiten der Lehrer und Schulleitung gering: die meisten der etwas mehr als 1000 Schüler des kaufmännischen Kollegs seien volljährig, selbst jüngeren Schülern der Sekundarstufe II kann die Schule nicht verbieten, in den Pausen das Gelände zu verlassen.

Die Tatsache, dass viele der Berufsschüler einen Migrationshintergrund haben, spiele in diesem Zusammenhang keine besondere Rolle, betont Dax. Beim Konflikt am Dienstag seien Schüler mit und ohne ausländischer Herkunft beteiligt gewesen, Jungen und Mädchen.

Grundsätzlich sei die Lage in Heidkamp, wo mehr als 2500 Schüler die beiden Berufsschulen besuchen, sehr schwierig. Daher hält es Dax für sinnvoll, in der nächsten Zeit gemeinsam mit Polizei und Stadtverwaltung zu beraten, was zu tun sei. 

Was sind die Berufskollegs eigentlich, was machen sie was leisten sie? Darüber gibt dieser Beitrag  aus dem Archiv Auskunft:

Berufskollegs laden ein zum Tag der offenen Tür

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de. Twitter: @gwatzlawek

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10 Kommentare zu “Drogen, Polizei, Respekt: Was ist in Heidkamp los?”

  1. Frank

    Der Kommentar, der die Polizei in der Rolle von “Freund und Helfer” sieht, verkennt, dass die Polizei hier repressiv, also Straftaten ahndend aggiert hat.

    Und was den Totenkopf eines Zivilfahnders auf dessen T-Shirt angeht, kann man mit nichten unterstellen, dies sei in irgend einer Weise geeignet, Provokation hervorzurufen.

  2. Ingeborg Sieg

    Endlich tut sich mal was!
    Die Bushaltestellen an den Berufsschulen in Heidkamp ist eine Zumutung.
    Wie wird mit den Jugendlichen zu Hause verfahren? Meinen Kindern hätte ich aufgetragen
    ihren Schmutz, den sie verursacht haben auch wieder zu beseitigen.
    Die Schulleitung sollte die Jugendlichen anspornen, gruppenweise den von Ihnen hinterlassenen Müll wie Zigarettenkippen, Papiertüten, Pappteller usw. wenigstens 1x wöchentlich zu beseitigen. Vielleicht kommt dann das Argument „das habe ich nicht gemacht – der Dreck ist nicht von mir“
    Wenn sie aber dazu verpflichtet werden gemeinsam die Verantwortung zu übernehmen, wird es mit der Zeit sicherlich sauber bleiben. Ich würde sie mit Mülltüte und Müllzange auf den Weg schicken
    Zusätzliche Aschenbecher aufzustellen bringt nichts, die Kippen landen auf der Erde da wird sich nicht gebückt.
    Den Jugendlichen muss beigebracht werden, dass sie nicht erwarten können den von Ihnen hinterlassenen Dreck von Anderen beseitigen zu lassen
    Den Pulk an den Haltestellen habe ich bisher mit Humor durchqueren können, die Jugendlichen guckten mich an, ein kleines Lächeln von beiden Seiten und ich konnte, ohne auf die Straße zu wechseln weiterhin den Bürgersteig benutzen.

  3. Jörg Schmitter

    Weil die Schule nicht der Ort ist, um z. B. Fehlverhalten gegenüber Polizisten oder Polizistinnen außerhalb des Schulgeländes zu ahnden. Es gibt ja auch keinen Schulverweis z. B. für zu schnelles Fahren auf dem Schulweg. Dafür sind Ordnungsbehörden und Gerichte verantwortlich.

  4. Georg Watzlawek

    @Amara In dem Beitrag wird die Kritik der SchülerInnen sehr ausführlich geschildert. Wenn Sie weitere Informationen haben, können Sie uns die gerne schicken: info@in-gl.de

  5. Amara

    Es gibt mehr Beweise und die werde ich höchstpersönlich bei Interesse veröffentlichen ubd berichten.das einzige was geschildert wurde war die Sicht der Polizistin. Kaum haben Polizistin was berichtet entspricht es natürlich direkt der Wahrheit.. was ein Schwachsinn die Polizei war an diesem Tag alles andere als Freund und Helfer ich bin wortwörtlich schockiert über die Taten aber viel schockierender finde ich das solch Lügen verbreitet werden. Als Zeuge und Opfer werde ich mich bereit stellen die reine Sicht der Schüler zu erklären und zu berichten. Es kann nicht sein das Schüler die in Handschellen sind geschlagen werden. Solch ein Unprofessionalität ist mir zuvor nie um die Augen gekommen. Es kann nicht sein, das man als Polizist anscheind so überfordert ist und einfach drauf haut. Es hätte alles viel ruhiger laufen können aber das provokante und aggressive Verhalten der Polizei hat alles hoch gepusht und dafür gesorgt das die Lage maßlos eskaliert. Natürlich finde ich es selbstverständlich eine Kontrolle an zu ordnen aber der Dienstag war alles andere als eine normale Kontrolle es war als hätte die Polizei nur hungrig darauf gewartet um uns anzufertigen.

  6. Peter Klein

    Dann mischte sich eine 19-jährige Bergisch Gladbacherin ein. Sie schlug einer Beamtin mit der Faust ins
    Gesicht und biss ihr massiv in den Unterarm. Die Beamtin musste anschließend zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus.

    Warum gab u. gibt es keine Schulverweise ?

  7. Pedro Mueller

    Ich war vor 10 Jahren auf dieser Schule, und früher sah es dort noch anders aus.

    Die Polizei sollte und muss hart gegen Respektlosigkeit vorgehen.

    Die Kuscheljustiz muss enden. Ob bei Drogen, Islamismus oder Respektlosigkeit gegenüber der Staatsgewalt.

  8. Ehem. Schüler

    Polizisten sollten aufgrund ihrer Ausbildung einen kühlen Kopf, vor allem gegenüber Jungen Erwachsenen und Minderjährigen, behalten und Deeskalierend arbeiten.

    Drogen waren, sind und werden immer ein Teil im Schulalltag sein. Dabei ist es egal, auf welche Schule in Bergisch Gladbach der Blick geworfen wird (ab Sekundarstufe 1). Ich habe das auf vielen Schulen erlebt: Berufskolleg, Gymnasium, Realschule und Hauptschule. Die Schüler werden sich kontinuierlich verändern, vor allem auf dem Berufskolleg ist die Fluktuation der Schüler sehr groß.

  9. Schüler

    Wenn dort in ,,großen” Mengen drogen verkauft werden, dann soll die Polizei doch mal offen legen wie viel aus dieser Aktion hervor gegangen ist ?? Ist dieser Platz vielleicht nicht nur ein Ort, an dem ab und an mal gekifft wird?? Verstehen Sie mich nicht falsch, die Polizei hat das Recht eine Kontrolle durchzuführen und das muss sie auch, aber diese Beamten waren sehr aggressiv sie haben an diesem Tag ein Verhalten an den Tag gelegt was mich schockiert hat. Sie haben Machtspielchen gespielt, haben uns geschlagen und beleidigt! Wir Schüler sind auch nicht ganz ohne, aber die Jungs die geschlagen wurden waren 16 oder 17. Die Polizei hätte etwas mehr Reife an den Tag legen sollen, doch es wurde von Anfang an alles getan um es zum eskalieren zu bringen. Der Beamte zu sehen mit dem Totenkopf t Shirt auf sämtlichen Videos war so asozial ich wie kein Schüler auf meiner Schule das können sie mir glauben.

    Hinweis der Redaktion: Wir haben den genannten Namen des Polizisten anonymisiert, aber den gesamten Kommentar der Kreispolizei zur Verfügung gestellt. Ohne die Daten des Kommentators. Wenn der Vorfall geklärt werden soll, sollte sich der Kommentator als Zeuge bei der Kreispolizei melden.

  10. Pedro El Mundo

    Einfach öfter und härter durchgreifen
    Sonst geht es schief.

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