Mahnwache in der Fußgängerzone von Bergisch Gladbach. Hier war am Donnerstag ein 40-Jähriger bei einem Streit zu Tode gekommen.

Mahnwache in der Fußgängerzone. Hier war am Donnerstag ein Mann zu Tode gekommen.

Dieser Beitrag ist überholt, eine weitere Aktualisierung finden Sie hier: 

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Polizei korrigiert sich: kein 16-Jähriger, kein Totschlag

Aktualisierung 3.9., 22 Uhr: An der Mahnwache am Tatort in der der Fußgängerzone haben rund 150 Personen teilgenommen. Eine Frau hielt eine kurze Ansprache, viele hatten Kerzen und Blumen mitgebracht. Vertreter von Stadtverwaltung waren nicht auszumachen, die Lokalpolitik war durch Ratsmitglied Lucie Misini (Linke) vertreten. 

Aktualisierung 3.9., 10 Uhr: Die Kriminalpolizei Polizei ist weiter für die Ermittlungen zuständig, gibt über die ursprüngliche Pressemitteilung hinaus aber keine Auskünfte. Dafür sei allein die Staatsanwaltschaft Köln zuständig, die sich aber nicht vor Montag äußern werde. 

Der ursprüngliche Artikel vom 2.9.:

Am Donnerstagabend ist ein Mann in der Fußgängerzone direkt am Konrad-Adenauer-Platz angegriffen und tödlich verletzt worden. Nach Angaben der Polizei starb der schwer verletzte 40-Jährige im Krankenhaus. Mindestens ein Tatverdächtiger wurde festgenommen. Die Kölner Kripo, die den Fall übernahm, spricht von einem 16 Jährigen. 

Den Angaben der Polizei zufolge geriet der Mann gegen 20:30 Uhr auf der Hauptstraße, direkt am Konrad-Adenauer-Platz in Richtung RheinBerg Galerie in einen Streit mit mehreren Personen, zunächst verbal. Dann sei es zu „körperlichen Auseinandersetzungen” gekommen, wobei der Mann auf das Pflaster stürzte.

Rettungskräfte brachten den 40-Jährigen ins Krankenhaus, dort sei er seinen schweren Verletzungen erlegen. Ob sie Folgen von Schlägen und Tritten oder des Sturzes waren ist nicht bekannt. 

Die Polizei Köln richtete eine Mordkommission ein und ermittelt gemeinsam mit der Polizei RheinBerg. Noch in der Nacht auf Freitag nahmen die Beamten einen 16-jährigen Tatverdächtigen vorläufig fest. Nähere Angaben, etwa zur Herkunft des Verdächtigen, macht die Polizei nicht. 

Die Polizei und auch die Staatsanwaltschaft gaben am Samstagmorgen keine weiteren Informationen heraus. Die Ermittlungen dauerten an, Zeugen werden dringend gesucht. Kontakt:  0221 22 90 oder poststelle.koeln@polizei.nrw.de. 

Polizei warnt schon länger vor jugendlichen Gewalttätern

Nach Informationen von KSTA/BLZ wurde am Freitag im laufe des Tages ein weiterer Verdächtiger festgenommen, auch er sei 16 Jahre alt. Diesem Bericht zufolge hat der Streit bereits im Forumpark begonnen, bevor er in der Fußgängerzone eskalierte. Anwohner oder Beschäftigte und Gäste des Café-Restaurants direkt neben dem Tatort hätten von dem Vorfall nichts bemerkt. 

Bereits bei der Bekanntgabe der Kriminalitätsstatistik zu Jahresanfang hatte die Kreispolizei über einen deutlichen Anstieg der Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen gewarnt. 2016 war die Zahl der Straftaten im Bereich der Gewaltkriminalität im ganzen Kreis um 17 Prozent auf 207 gestiegen. Ebenso stark nahm die Zahl der Körperverletzungen zu, auf jetzt 641 Fälle. 

Dahinter, so berichtet Direktionsleiter Kriminalität Jörg Rosemann, stünden immer häufiger jugendliche Täter, die meistens alkoholisiert in Gruppen aufeinander treffen und keine anderen Formen der Auseinandersetzung kennen als Gewalt. Eine echte Szene oder lokale Brennpunkte kann die Polizei dahinter jedoch nicht erkenne. 

Zwar habe man vor einiger Zeit eine Häufung von Fällen nach Veranstaltungen rund um den Konrad-Adenauer-Platz (Paas, Bergischer Löwe, Brauhaus am Bock) beobachtet und dort verstärkt Präsenz gezeigt; doch weder dort noch im Bereich des Bahnhofs könne man aus Polizeisicht von Brennpunkten sprechen. 

Zudem sei die Statistik bei den Körperverletzungen aufgebläht: Bei einer Schlägerei zwischen zwei fünfköpfigen Gruppen werde jeder Beteiligter in der Statistik als ein Fall gezählt, taucht also zehnmal in der Bilanz auf. Sind einige der Jugendlichen mit einem Schlagring bewaffnet erscheint der Fall auch noch in der Rubrik „Waffendelikte”. 

Die Stimmung, man können „in Bergisch Gladbach nicht mehr nachts auf die Straße gehen” sei daher nicht gerechtfertigt, betont Rosemann noch im März diesen Jahres. Dafür spreche auch, dass die Zahl der Raubüberfälle im vergangenen Jahr um 16,4 Prozent auf 51, die Zahl der Sexualdelikte sogar um 40 auf 29 Fälle zurück gegangen ist. 

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

7 replies on “Jugendlicher soll 40-jährigen Mann getötet haben”

  1. Oh, wow.
    Nur 29 anstatt 40 Sexualdelikte. Nicht, dass man man 0 Delikte als Ziel haben sollte, aber solange die Zahl sinkt, oder man zum Glück nur Dunkelziffern hat, ist ja alles in Ordnung. Da sollen sich die 29 Opfer mal nicht so anstellen.

  2. Die Polizei hat einen jugendlichen Tatverdächtigen festgenommen – die Nationalität oder Herkunft spielt hier erst einmal keine Rolle. Zur Zeit ist nicht einmal der Tathergang geklärt – ist es eine Körperverletzung, schwere Körperverletzung… mit Todesfolgen etc.

    Spekulationen zu diesem Zeitpunkt dienen doch nur dem Schüren von “Ressentiments” oder Vorurteilen. Die Straftat ist schlimm, unabhängig der Nationalität des Täters – wobei die verhaftete Person bis zu einer Verurteilung als verdächtig aber nicht schuldig zu gelten hat.
    Dieses Ignorieren rechtsstaatlicher Prinzipien ist Besorgnis erregend. Taten sind immer Taten von Individuen und nicht Taten von “Nationalitäten” oder “Konfessionen”.

    Ein Blick in o.g. Kriminalstatistik zeigt Aufklärungsquoten von 89% bei Körperverletzung und 100% bei Straftaten gegen das Leben. Warten wir die PK der Kölner Polizei ab.

  3. Es handelt sich um einen Familienvater und Ehemann. Er wird von allen als freundlich und hilfsbereit beschrieben. Ich bin nur noch wütend und entsetzt.
    Und nein, man kann abends kaum noch durch die Innenstadt gehen, jedenfalls nicht allein.
    Ich hoffe, die Täter werden gefaßt. Leider können Sie nur nach Jugendstrafrecht verfolgt werden. Mit ein bißchen “Glück” bekommen sie Bewährung. Danach werden sie wieder auf die Menschheit los gelassen. Es ist alles nur noch unfaßbar. Und dann solch absolut dümmliche Sprüche wie: ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben…

  4. @Schlimm – die festgenommene Person ist ein Tatverdächtiger, nicht ein überführter Täter. Falls sich der Tatverdacht erhärtet und ein Gericht die Person schuldig spricht, wird auch die Herkunft oder Nationalität bekannt werden. Was genau die Tat ist (Körperverletzung, schwere Körperverletzung etc) ist ebenfalls nicht geklärt.
    Die Frage nach einer Herkunft ist hier nachrangig da im Zweifel Vorurteile bestätigt werden bevor eine Tat bewiesen wurde. Wäre es ein “deutscher” (biodeutscher???) Tatverdächtiger würde dies die vermutliche Tat ja weder ungeschehen noch besser machen.

  5. “Jugendlicher”….dass die Polizei so eisern zur Herkunft des Täters schweigt hat sicher einen Grund.

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