Kosmetikerinnen, das sind doch diese überschminkten Frauen, deren Leben sich nur um das Aussehen dreht. Oder? Von Gabriela van der Veer perlen solche Klischees ab. Mit 20 Jahren führte sie einen Kindergarten. Ihr Name ehrt das Erbe der holländischen Großmutter. Ihre Lebensphilosophie ist dem Trend der Achtsamkeit weit voraus. Ein Porträt.

Gabriela van der Veer strahlt. Immer. Jeder Gast, der an die Glastür klopft, wird warm empfangen. Von ihr und von Samsara. Der Rhodesian Ridgeback geht der schmalen Frau bis zur Hüfte. Aber ein Wort genügt, die Hündin gehorcht sofort.

Seit sechs Jahren führt van der Veer das Kosmetikstudio neben dem Edeka-Markt an der Altenberger-Dom-Straße in Schildgen. Die Sonne fällt durch die Fensterfront in den großzügigen Vorraum. Ein Stein-Buddha wacht von der Vitrine aus über den Laden. Vor dem Tresen laden zwei Korbstühle zum Plauschen ein.

Hier erzählt die 65-Jährige, dass sie gar nicht Kosmetikerin werden wollte. Mit 16 machte sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und Jugendleiterin. Gerade einmal 20 Jahre alt, übernahm sie den neu gebauten Kindergarten im Schildgener Klutstein.

Nach einer weiteren Leitungsstelle und fast zehn Jahren im Beruf dachte sie: Es ist Zeit, auszusteigen.

„Wenn man mit Menschen arbeitet, dann bitte mit Enthusiasmus“, sagt van der Veer. Eins ihrer Lieblingsworte. In Holland, der Heimat ihrer Mutter, sei es viel gebräuchlicher als in Deutschland.

Enthusiasmus heißt für sie: mit Leib und Seele. Und das spürte sie im Kindergarten nicht mehr.

„Ich bin nicht mehr diese Frau Bretterbauer“

Sie ging zur Kosmetikerinnen-Fachschule – und war fasziniert von der Dermatologie. Der Traum von einem Medizin-Studium zerplatze aber schnell: „Mein damaliger Mann bekam wohl Angst, dass ich ihn beruflich überhole“, sagt van der Veer. Sie traute sich nicht, ihren Wunsch durchzusetzen, absolvierte stattdessen ein Fernstudium der Heilpraktik.

1984 eröffnete van der Veer ihr erstes Geschäft auf der Altenberger-Dom-Straße: „Kosmetikstudio G. Bretterbauer“, so hieß sie damals. Bis ihre Ehe in die Brüche ging.

„Dann wurde mir schnell klar: Ich bin nicht mehr diese Frau Bretterbauer.“ Und sie wusste auch schnell, dass sie den Mädchennamen ihrer Mutter annehmen wollte.

„Die Linie meiner Mutter und Großmutter findet sich bei mir wieder“, sagt van der Veer. „Diese kraftvollen Frauen!“ Die Großmutter führte eines der größten Fahrrad- und Motorradgeschäfte Amsterdams, bis sie 85 Jahre alt war.

Van der Veer ist zweisprachig aufgewachsen und fühlt sich auch zur Hälfte als Niederländerin. Vor allem in einem Aspekt: der Liberalität. Frei und offen zu sein, gehört zu ihrer Lebensphilosophie. Was heute als „Achtsamkeit“ bezeichnet wird und in Buchhandlungen ganze Regale füllt, hat van der Veer schon als junge Frau umgetrieben.

Auf der Suche nach Wissen über das Leben, bekam sie vor 35 Jahren von einem Buchhändler einen schmalen Band über den Buddhismus in die Hand gedrückt. Sie lernte, das Leben und die Menschen um sich herum wahrzunehmen und zufrieden zu sein.

Als Buddhistin möchte sie sich dennoch nicht bezeichnen. Sie sei ja in einem ganz anderen Umfeld aufgewachsen. Aber die Philosophie präge ihr Leben sehr, gebe ihr Kraft und Grundlage.

Sie formuliert das so: „Ich versuche immer, achtsam zu sein, mit mir und mit den Menschen, die gerade bei mir sind. Das heißt, mich ich auf sie einzulassen, sie wirklich wahrzunehmen.“

Auch im Beruf. Da gehe es weniger um Lippenstift und Nagellack als um Körperkontakt und Wärme. Gerade in der Zeit der Digitalisierung, meint van der Veer.

Damit ist sie wieder da, wo sie angefangen hat: bei der Arbeit am Menschen. Und das macht sie immer noch – mit Enthusiasmus.

Das könnte Sie auch interessieren:

Das „echte Popcorn” kommt aus Schildgen

„Mobile Nachbarn”: aus 1 wird 3, wird mehr …

Schildgen vs. Katterbach

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

Nehmen Sie an der Konversation teil

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Frischer Artikel über eine interessante Frau!
    Bitte mehr davon…
    Beste Grüße aus Rösrath
    Nicole Bernstein