Stephan Dekker ist Leiter des Bürgermeisterbüros und für die Städtepartnerschaften zuständig

Nahe bei Jericho in den palästinensischen Gebieten liegt der biblische Berg der Versuchung. Aber nicht deshalb sind zwei Experten der Stadt dorthin gereist: Stephan Dekker, Leiter des Bürgermeister-Büros und zuständig für die Städtepartnerschaften von Bergisch Gladbach, und Martin Westermann, verantwortlich für Wirtschaftsförderung und Tourismus. Ziel war die Konferenz deutsch-palästinensischer Partnerstädte vom 10. bis 13. September.

Welchen Zweck hat diese Veranstaltung, welche Bedeutung hat sie für die Städtepartnerschaft mit Beit Jala? Wir sprachen darüber mit Stephan Dekker.

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Jericho gereist?
Stephan Dekker: Zum einen hatte und habe ich die Erwartung, dass sich die Familie der deutsch-palästinensischen Partnerstädte erweitert. Zum anderen halte ich die Unterstützung von Beit Jala in Verbindung mit Bethlehem und Beit Sahour für wichtig: Diese drei Städte liegen nah beieinander und bilden eine touristisch interessante Region.

Was ist daran so interessant?
Viele Reisende im Heiligen Land nehmen Quartier in Jerusalem und machen einen Tagesbesuch zur Geburtskirche nach Bethlehem. Dabei gibt es in der Umgebung weit mehr zu sehen: das Unesco-Weltkulturerbe Battir mit seiner Terrassenkultur, das Herodium und das Weingut Cremisan, um nur wenige Beispiele zu nennen. Daraus ließen sich attraktive touristische Angebote entwickeln. Es lohnt sich, dafür hier bei uns in Bergisch Gladbach Aufmerksamkeit zu schaffen und entsprechende Kooperationen dort in der Region zu unterstützen

Die Konferenz war eine Großveranstaltung – mehr als 120 Experten und Bürgermeister aus 28 deutschen und palästinensischen Kommunen waren zugegen. Kann sich Bergisch Gladbach da eigentlich Aufmerksamkeit verschaffen?
Das können wir sehr gut, weil wir zu den Städten der ersten Stunde gehören, die eine Partnerschaft mit einer palästinensischen Kommune geknüpft haben. Direkt nach Köln kam Bergisch Gladbach im Jahr 2011. Unsere Partner in Palästina wissen, dass wir ernsthaft dabei sind.

Jericho ist die tiefstgelegene Stadt der Welt – wie tief und erkenntnisfördernd waren die Diskussionen und Workshops dort?
Da war zunächst der offizielle Teil – ein dicht gepacktes Themenprogramm rund um die Frage, auf welche Weise Städtepartnerschaften zur lokalen Entwicklung beitragen können. Vertreter palästinensischer und deutscher Partnerkommunen lieferten zahlreiche Fachbeiträge, etwa zu Wirtschaft, Wasserversorgung und Stadtplanung. Ich selbst habe aus der Arbeitsgruppe über Strategien des Umweltschutzes für einen nachhaltigen lokalen Tourismus referiert. Dann sind da noch die sogenannten Pausengespräche.

Sie meinen den informellen Teil?
Ich meine, was in keinem Protokoll steht, aber unsere Städtepartnerschaft auf persönlicher Ebene konkret weiterbringt. Zum Beispiel der Abstecher von Herrn Westermann und mir nach Beit Jala zusammen mit Vertretern der dortigen Stadtverwaltung. Dabei ging es um die geplante Einweihung des Bergisch Gladbach-Platzes im Herbst 2018 und Möglichkeiten des Jugendaustauschs.

Kann die Partnerschaft mit Beit Jala überhaupt als Instrument für lokale Entwicklung dienen?
Wir machen natürlich keine Weltpolitik, können aber Interesse für die Region wecken und den Bürgern hier den Alltag dort näher bringen. Die Städtepartnerschaft gibt den geeigneten Rahmen, um menschliche Kontakte und Expertenwissen in die Region zu bringen. Dass wir überdies mit Ganey Tikva eine Partnerstadt in Israel haben, gibt dieser Beziehung eine besondere Note.

Woran machen Sie das fest?
Auf offizieller Ebene gestaltet sich die Beziehung aufgrund der politischen Situation im Nahen Osten zwar nicht einfach. Auf der informellen Ebene hingegen tut sich einiges. Ich denke an das gemeinsame Rollstuhl-Basketballteam aus Tel Aviv und Beit Jala beim Stadtfest in Bergisch Gladbach 2014 und an die Begegnung der Bürgermeister von Beit Jala und Ganey Tikva bei uns anlässlich der Einweihung des Platzes der Partnerstädte im vergangenen Jahr. So etwas wäre in Palästina oder Israel undenkbar.

Beit Jala-Treff: Diskussion mit Steffen Hagemann

Welche konkreten Projekte laufen derzeit im Rahmen der Städtepartnerschaft Bergisch Gladbachs mit Beit Jala?
Erst kürzlich konnten wir gemeinsam mit weiteren deutschen Partnerstädten palästinensischer Kommunen – Köln, Xanten und Jena – ein kleines Büro zur Förderung des Tourismus in Bethlehem einrichten. Die Mittel dazu kommen vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Dieses Projekt treiben wir derzeit inhaltlich voran und wollen es durch Beantragung zusätzlicher Mittel für die nächsten Jahre sichern.

Sie waren bei allen drei kommunalen Partnerschaftskonferenzen seit 2014 dabei: Sehen Sie eine positive Entwicklung?
Wir sind heute viel weiter. Alleine schon, weil einige Partnerschaften hinzugekommen sind. Momentan sind es zehn, darunter Bonn-Ramallah, Mannheim-Hebron und Speyer-Jericho. Zusätzliche Kooperationen werden derzeit angebahnt, zum Beispiel zwischen Moers und Beitunia.

Für 2019 ist das nächste Zusammentreffen angesetzt: Was wünschen Sie sich bis dahin für die Städtepartnerschaft Bergisch Gladbach-Beit Jala?
Viele Begegnungen von Bürgern, Schulen und Vereinen, dazu die Weiterentwicklung unseres Tourismus-Projektes in Bethlehem. Außerdem setze ich darauf, dass sich Institutionen wie der Deutsche Städtetag für den Ausbau kommunaler Kooperationen über Grenzen hinweg stark machen.

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