Eine gute Blumenwiese sieht sehr schön aus, bietet Bienen und anderen Insekten eine gute Nahrungs- und Pollenquelle und macht wenig Arbeit. Aber zuvor gilt es, einige wichtige Dinge zu beachten.

Ein Referat von Gärtnermeister Adolf Zirden, Bienenzuchtverein Bergisch Gladbach

Warum lege ich eine Blumenwiese an? Da gibt es 3 Hauptkriterien:

  1. Eine Blumenwiese benötigt relativ wenig Pflege.
  2. Ist eine Blumenwiese gut angelegt, sieht sie durch die Blütenvielfalt sehr schön aus.
  3. Für unsere Bienen, darüber hinaus für viele andere Insekten, ist es eine gute Nahrungs- und Pollenquelle.

Die Blumenwiese hat aber auch Nachteile. Der Hauptnachteil ist, man darf die Fläche nicht betreten. Vor allem für diejenigen, die einen Hund besitzen ist eine Blumenwiese völlig ungeeignet. Ebenfalls steht die Fläche zum Spielen mit Kindern nicht mehr zur Verfügung.

Ich empfehle deshalb, wer eine größere Fläche zu Verfügung hat, diese zu teilen. In eine Rasenfläche, die ständig gemäht werden kann und in eine Blumenwiese.

Welche Boden ist für eine Blumenwiese geeignet?

Dabei spielt die Lage und Bodenbeschaffenheit eine ganz wichtige Rolle. Ideale Voraussetzungen für eine Blumenwiese ist ein magerer Boden in sonniger Lage. Während eine Rasenfläche ständig gedüngt und regelmäßíg gemäht werden sollte, so entfällt dieses bei einer Blumenwiese vollkommen. Grund: Würde man die Blumenwiese düngen, würden die Gräser, die Kräuter und Blumen bald überragen und verdrängen.

Ideale Böden sind Sandböden bis lehmige Sandböden. Da im Bergischen Land durchweg schwere Böden, also lehmige Böden vorkommen, wäre es sinnvoll diese Böden mit Sand zu vermischen. Dies ist eine aufwendige und auch keine billige Aktion. Bei einer kleineren Fläche, ich denke dabei an 50-60 qm, aber lohnend.

Wie gehe ich vor?

Handelt es sich um eine kleinere Fläche bis 100 qm, sollte man diese umgraben und glatt einebnen.
Handelt es sich um eine bereits vorhandene Rasenfläche, so ist es möglich auf dieser eine Blumenwiese anzulegen. Dort kann man folgendermaßen vorgehen: Man fräst oder vertikutiert eine ausgesuchte Fläche mehrmals ohne sie jedoch zu düngen. Die verbleibende Rasenfläche kann weiterhin gedüngt und gemäht werden.

Warum ist das so? Wildblumen und Wildkräuter werden in der freien Natur auch nicht gedüngt. Sie kommen mit dem aus, was sie im Boden vorfinden. Das gleiche gilt für das Gras. Würden Sie ihren Rasen nie düngen, sähe dieser nach ein paar Jahren erbärmlich aus. Der Rasen besteht dann nur noch aus Moos und einigen anspruchslosen Gräsern, wie z.B. Schwingel (im Bergischen Hoorgras = Haargras genannt).

Die beste Aussaatzeit ist April – Mai. In diesen Monaten ist es nicht nicht ganz so heiß und es ist mit genügend Niederschlägen zu rechnen. Aussaatmenge 5-7 Gramm pro qm. Habe ich eine Fläche von z.B. 100 qm, reichen 500 – 700 Gramm pro qm aus.

Bei der Aussaat jedoch gibt es ein Problem! Wie kann ich eine kleine Tüte Samen auf 100 qm gleichmäßig verteilen?

Der Gärtner wendet da einen kleinen Trick an. Er schüttet die winzige Menge Samenkörner in einen halben Eimer trockenen Sand, vermischt Sand und Samen gut und verstreut dieses Samen-Sandgemisch gleichmäßig auf die Fläche. Eine gute Verteilung ist damit einigermaßen gewährleistet.

Das Saatgut sollte leicht eingeharkt und anschließend angewalzt werden. Wer keine Walze hat, kann es gleichmäßig antreten. Zuerst erscheinen nach ein paar Tagen die Dauerunkräuter. Diese sollte man ausstechen. Je nach Witterung laufen nach 8 – 10 Tagen die ersten Gräser und Wildblumen auf.

Nach 10 Wochen mäht man zum ersten Mal die Fläche nicht zu niedrig, ca. 10cm. Erstens blühen die meisten Blumen ohnehin erst im nächsten Jahr, zweitens durch den Schnitt kräftigt man die Pflanzen.

Welche Saatmischungen sollt man nehmen?

Hier kann man keine Empfehlung geben, da zu viele Mischungen angeboten werden. Man sollte jedoch darauf achten, wie viel Gräser und Wildblumen in Prozenten in der Mischung enthalten sind. Vor allem sollte man darauf achten, das möglichst niedrig wachsende Grasarten in der Mischung vorkommen.

Hier einige Arten:

  • Poa = Wiesenrispe
  • Festuca = Schwingel
  • Agrostis = Straußgras.

Nicht in der Mischung sein sollten:

  • Avena = Strandhafer
  • Cynosorus = Kammgras
  • Dactilis= Knaul oder Knäuelgras.
  • Meistens finden wir Lolium = Deutsches Weidegras in den Mischungen. Lolium ist ein hochwachsendes Gras und könnte die Kräuter und Blumen überwuchern.
  • Auf keinen Fall sollte Weißklee ( Trifolium repens) in der Mischung sein.

Hier noch etwas zu der Analyse einer Mischung: Der Anteil der einzelnen Samenkörner wird nach Gewicht in Prozent angegeben. Zum Beispiel: 1 Gramm Lolium perenne hat etwa 500 – 600 Körner. 1 Gramm Agrostis stolonifera hat etwa 12000 Körner.

Was besagt das? Sind in der Analyse 1 % Lolium vorhanden, so sind dies 5-6 Körner auf 100 Gramm Samen. Habe ich 1 % Agrostis auf 100 Gramm Samen, so sind dies etwa 120 Körner. Das besagt, dass die Prozentzahl der einzelnen Samenkörner nichts über Kornzahl aussagt.

Wir wünschen Ihnen mit Ihrer Bienenweide viel Erfolg und viele Jahre Freude an Blumen und Insekten!

PDFDrucken

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Bei soviel Fach und Sachkompetenz wundert es, dass die Lena Bienenweide Blühten los geblieben ist. Dem Braten habe ich von Anfang an nicht getraut. Deswegen habe ich zeitgleich in meinem Garten an zwei Stellen an einem Abend bevor es regnete Bienen freundlichen Blumensamen aus dem Baumarkt ohne jede Vorarbeit auf den Boden geworfen. Und siehe da, es blüht so schön, wenn Laien säen. Ich lade die Sach- und Fachkompetenz gerne zur Besichtigung ein.

  2. Sehr geehrte Damen und Herren, Danke für die kurze Zusammenfassung über das Anlegen einer Blumenwiese. Ich habe (fast) alle Informationen gefunden die ich suchte. Eine Frage habe ich noch zu den Saatmischungen – wahrscheinlich sind Sie hier nicht tiefer darauf eingegangen, da es wahrscheinlich ein endloses Thema ist. Aber vielleicht haben Sie ja einen Tip, wo ich für Tiere (insbesondere Hund) ungiftige Saatmischungen finden kann. Ich habe hierzu bisher nichts finden können, ausser einzelnen Pflanzen die für den Hund ungiftig sind. Diese würde ich mir dann selber mischen. Einfacher wäre es jedoch eine ‘fertige’ bunte Mischung zu haben die für das Tier unschädlich ist und für die Bienen lecker :-)
    Danke im voraus und freundliche Grüße aus Aachen, B. Kalt