Im Neuborner Busch werden einige alte Buchen gefällt. Sie gefährden Verkehr und Spaziergänger.

Das Timing könnte kaum schlechter sein. Am Donnerstag hatten Bürger in Lückerath heftig gegen ein Abholzen des Neuborner Buschs protestiert. Am Freitag kündigt die Stadt an, im Neuborner Busch Bäume zu fällen. Ein Zusammenhang bestehe nicht. 

Die Stadtverwaltung hat am Freitag angekündigt, das der städtische Immobilienbetrieb auf einem seiner Grundstücke an der Bensberger Straße in Lückerath sechs rund 100 Jahre alte Buchen entfernen bzw. stark zurückschneiden muss. Zudem werden Kiefern im Bereich der Strommasten gefällt.

Ausdrücklich weißt die Stadt in einer Pressemitteilung darauf hin, dass es hier um ein Gelände geht, „das nach derzeitiger Planung in den Entwurf des Flächennutzungsplans für eine Gewerbenutzung aufgenommen werden soll”. Tatsächlich handelt es sich hier aber nur um einen angrenenden Bereich des Areals, auf dem die Firma Krüger ein neues Verwaltungsgebäude bauen will.

Die jetzt betroffenen Bäume stehen zwischen Lückerather Weg (Fahrradweg) und Berzelliusstraße. Die Planungen für das Gewerbe enden am Lückerather Weg,

Zwischen Zinkhütte und Bensberger Straße plant Krüger ein Verwaltungsgebäude

Über einen Bürgerantrag von Firmenchef Mark Krüger war die Fläche nachträglich in den Entwurf für den FNP aufgenommen worden. Zunächst sollte die Fläche bis zur Bensberger Straße reichen; sie wurde aber nur in einer inzwischen deutlich verkleinerten Form im Entwurf verzeichnet.

Dennoch hatten sich am Donnerstagabend viele Bürger bei einer Versammlung der Bürgerinitiative Neuborner Busch heftig gegen den Plan gewandt. Ein Sprecher der Bürgerinitiative zeigt ein Bild, das einen zerstörten Wald zeigt, der 2001 für den Bau des Krüger-Hochregallagers abgeholzt worden war. So etwas dürfe sich nicht wiederholen. 

Die jetzt anstehenden Baumfällarbeiten stehen jedoch nicht im Zusammenhang mit möglichen Bauplänen. „Es geht um die Verkehrssicherheit der Menschen, die die Straßen nutzen. Hier steht die Stadt in der Pflicht“, betont der zuständige Co-Dezernent Bernd Martmann.

Die Bäume sind vom Brandkrustenpilz befallen

Der zuständige Förster Wolfgang Blass bestätigt, dass die rund 25 Meter hohen Bäume aus Verkehrssicherheitsgründen dringend entfernt werden müssen. Sie stünden direkt im Straßenbereich der viel befahrenen Verbindung zwischen Heidkamp und Lückerath.

Massiver Brandkrustenbefall habe die Stämme so stark befallen, dass das Holz morsch geworden sei. „Der Baum wirkt zwar augenscheinlich gesund“, erläutert der städtische Experte Hermann Salomon, „er ist aber in seiner Stand- und Bruchsicherheit stark beeinträchtigt.“ Folge könne sein, dass die Baumriesen ohne Fremdeinwirkungen umkippen oder die Stämme aufreißen. Den Zustand der Bäume dokumentiert die Stadtverwaltung mit einer Anzahl von Fotos.

Wer dennoch Zweifel hat, ob die offizielle Begründung der Stadtverwaltung korrekt ist, kann sich das auch direkt versichern lassen. Die Stadt gibt ausdrücklich Kontaktadressen bekannt:

Presseabteilung der Stadtverwaltung: 
02202 14 2419, pressebuero@stadt-gl.de
 Förster Wolfgang Blass: 
02202 1882499, wolfgang.blass@wald-und-holz-nrw.de

Diese Buchen befinden sich rund zehn bis 15 Meter von der Straße entfernt. Zwei alte Buchen an der Straße können dagegen stehen bleiben. Die ausgewählten Bäume weisen eine orangefarbene Markierung auf. Die Fäll- bzw. Schnittarbeiten haben teilweise bereits begonnen, die großen Holzarbeiten finden ab dem 18. Dezember 2017 statt. 

Die Fäule und der Befall seien bereits so stark vorangeschritten, dass das Holz wirtschaftlich nicht mehr genutzt werden kann. Daher empfiehlt die Abteilung StadtGrün eine natur- und artenschutzfreundliche Lösung, um einen sogenannten „Habitat-Baumbereich“ zu schaffen. Dieser habe die Aufgabe, den Bestand aufzuwerten, und soll mit Höhlungen, Rindenabplatzungen, stehendem Totholz und dem im Bestand gelagerten Abschnitt Rückzugsmöglichkeiten für eine Vielzahl an Lebewesen, Mikro und Makroorgansimen bieten. Zusätzlich prägen die alten Stämme den nachwachsenden Bestand.
In dem Waldstück gibt es bereits solches Totholz.

Über die Baumarbeiten hinaus wird die Stadt auch einige Trampelpfade im Neuborner Busch mit Hindernissen sperren. „Von der Fahrbahn entfernt stehen Bäume, die ebenfalls nicht mehr standsicher sind, und daher eine Gefahr darstellen“ sagt StadtGrün-Experte Salomon.

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3 Kommentare

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  1. Wenn das Abholzen eines Waldes mit der Philosophie eines Unternehmens begründet wird, dann ist es um die Zukunft der Menschheit schlecht bestellt.

  2. Wird die Abholzung wirklich vorgenommen dann hat sich die Stadt tief ins Gedächtnis der Bürger eingegraben. Sie wird uns in Erinnerung bleiben als Vernichter der Lückerather Umwelt. Dass die CDU dafür ist verwundert nicht. Über die Zustimmung der SPD kann man sich schon wundern. Die nächste Wahl kommt und die rote Karte liegt bereit.

    Günther Humbach

  3. Um mal im Jargon des Artikels zu bleiben: wieso fällt man eigentlich nicht mal die morschen, nicht standsicheren und für die Menschen gefährlichen Deppen die da wahllos im Wald herumsägen lassen? Ich bin in Lückerath gross geworden, habe den Grossteil meiner Kindheit und frühen Jugend in diesem Wald verbracht. Ich kenne bzw. kannte jeden Baum! Vor ca. zwei Jahren war ich nochmal in diesem Wald der früher bei den Lückerathern ” in de Böke” , zu deutsch : in den Buchen genannt wurde. Ich war entsetzt! Der gesamte Buchen- und Eichenbestand ist verschwunden und zwar nur der. Da hat doch offenbar schon vor geraumer Zeit jemand das beste aus dem Wald rausgeholt, nämlich den Bestand von kapitalen Buchen und Eichen. Nun kann ich mich aber nicht erinnern, das auch nur ein Mensch dagegen protestiert hat. Wir erdreißten uns mit erhobenem Zeigefinger anderen Völkern vorzuwerfen ,das sie den Regenwald abholzen und uns den Sauerstoff nehmen…. Man sollte die Leute hier, welche das abholzen beschliessen, an die Bäume binden und sie dann fragen, ob man nun anfangen soll….mit dem sägen. Aber man sollte Sie dann schon vorher noch fragen wo man sägen soll: ganz unten, in der Mitte oder in bisschen höher…. Die Grube Kox hat man renaturiert o.k. wenn der Neuborner Busch erstmal bebaut ist dann ist das nicht mehr umkehrbar….Übrigens, das Stück Lückerather Weg, von der Bensberger- zur Berzeliusstrasse wurde einst für den Verkehr gesperrt, weil dort aberhunderte Frösche zum laichen die Strasse querten….!!! Zum Schluss noch eine Frage: warum baut der Krüger sein Gebäude eigentlich nicht gleich bei sich um die Ecke 150m weiter wo der ehemalige Lübbe Verlag steht???