Tanja Heesen-Nauroth und Mira Pagens mit dem Modell für die Don-Giovanni-Aufführung in Bergisch Gladbach
Tanja Heesen-Nauroth und Mira Pagens mit dem Modell für die Don-Giovanni-Aufführung in Bergisch Gladbach
Tanja Heesen-Nauroth und Mira Pagens mit dem Modell für die Don-Giovanni-Aufführung in Bergisch Gladbach

Tanja Heesen-Nauroth und Mira Domas-Plagens hauchen dem Bühnen-Modell für die Don-Giovanni-Aufführung Leben ein. Foto: Ivan Toscanelli

Bei einer Oper stehen verkleidete Sänger auf der Bühne rum und schmettern unverständliche Texte? Das kommt vor – aber nicht bei Bergisch Gladbachs erster Oper: „Unser Don Giovanni ist keine Stehoper, sondern ein Schauspiel für alle Sinne”, verspricht Tanja Heesen-Nauroth. 

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Eine gute Oper bringt alle Gewerke in höchster Form zusammen, erläutert die Musikerin: Orchester, Schauspiel, Bühnenbild und Inszenierung. Für die drei letzten Gewerke sind Heesen-Nauroth und das künstlerische Multitalent Mira Domas-Plagens verantwortlich. Bei einem Gespräch erlauben sie erste Einblicke in ihre Inszenierung.

Gemeinsam haben die beiden in vielen Nachtstunden ein Konzept ausgeheckt, das einige Überraschungen verspricht und „Don Giovanni” im März in einer sehr eigenen Fassung auf die Bühne des Bergischen Löwens bringen wird.

Mira Domas-Plagens mit dem Bühnenmodell

Alle Details werden noch nicht verraten. Aber soviel ist klar: Im Zentrum steht der Spaß an der Musik und am Schauspiel. Die beiden haben das Textbuch und die Partitur genau studiert und auf dieser Basis eine ganz eigene Oper entwickelt, Szene für Szene, mit bewusst gesetzten Akzenten.

„Wir haben das Stück auf den Kern reduziert und eine gut verständliche, nicht zu moderne Fassung entwickelt”, sagt die Kirchenmusikerin Heesen-Nauroth. Eine Oper ganz im Sinne von Mozart, der die Zuschauer unterhalten wollte.

Klar, das Don Giovanni, der Frauenheld, im Rampenlicht steht. Aber nicht unbedingt als Held. Heesen-Nauroth und Domas-Plagens sind froh, dass sich der Initiator des Projektes, Orchesterchef Roman Salyutov, für Mozarts Prager Fassung und gegen die Wiener Version entschieden hatte: Das nachträglich hinzugeschriebene, kitschige Happy End bleibt weg. Bergisch Gladbachs Don Giovanni endet mit einer dramatischen Höllenfahrt.

Der eigentliche Held dieser Inszenierung ist jedoch eine Frau: „Elvira ist in diesem Stück die einzige Rolle, die eine Entwicklung  macht”, sagt Heesen-Nauroth. Elvira sei Don Giovanni ebenbürtig und nehme den Kampf auf, um ihn zu retten und am Ende doch zu Fall zu bringen: „Eine durch und durch moderne, gebrochene Figur.”

Alle Infos zu den musikalischen Aspekten und Hintergründen des Don-Giovanni-Projektes finden Sie in diesem Beitrag. 

Bei ihrer Inszenierung können Domas-Plage und Heesen-Nauroth auf ein sehr junges, spielfreudiges Ensemble aufbauen. Alle Sänger haben Bühnenerfahrung, doch diese Rollen spielt jeder von ihnen zum ersten Mal. Seit den ersten, sehr intensiven Proben stehen die Dramaturginnen und die Sänger in engem Kontakt, jeder bringt Ideen und Vorschläge ein. 

„Das ist nicht nur für uns, sondern für alle Mitwirkenden eine echt große Sache”, sagt Heesen-Nauroth. „Jeder Sänger kämpft für dieses Projekt und gibt sein letztes Hemd dafür.”

Foto: Ivan Tosvanelli

Einige der Künstler, die Don Giovanni in den Bergischen Löwen bringen. Foto: Ivan Tosvanelli

Das junge Ensemble findet sich auch bei den Kostümen wieder. „Wir machen keine Plüschoper mit Puderperücken – sondern arbeiten mit einer zeitgenössischen, abgespeckten Fassung,” erläutert Heesen-Nauroth. Ausgesucht wurde, was zum Charakter der Figur (und Schauspieler) passt: Vom Brokatmantel bis zur Lederhose und Jeans ist alles dabei. Elvira trägt ein Kleid, aber darunter eine Hose. 

Das entspricht dem Budget, denn große Sprünge kann sich das Projekt nicht leisten. Dahinter steht kein eingespieltes Opernhaus, keine Produktionsfirma – sondern die Initiative von Heesen-Nauroth, Domas-Plagens, von Orchesterleiter Salyutov und Korrepetitor Norbert Brochhagen.

Tanja Heesen-Nauroth, Roman Salyutov und Norbert Brochhagen stellten das Projekt vor. 

Sparsam ist auch die Gestaltung der Bühne. Aber erneut machen Plagens (jetzt in der Rolle der Bühnenbildnerin) und Heesen-Nauroth aus der Not eine Tugend. Sie haben sich die ungewöhnlich tiefe Bühne des Bergischen Löwen genau angeschaut, sie in einem Modell im Verhältnis 1:30 nachgebaut und ein ebenso dramatisches wie effektvolles Konzept entwickelt.

 „Wir arbeiten mit Projektionen, Animationen, sehr viel mit Licht und Schatten”, erzählt Domas-Plagens. Das Ergebnis sei eine dunkle Oper, die vor allem in der Nacht spielt. Das Bühnenbild konzentriere sich auf wenige zentrale Objekte (Tisch, Bett und eine gewaltige Tür), um viel Freiraum für die schauspielerische Arbeit zu lassen. 

Das Modell der Bühne

Unterstützt werden die (aus ganz Deutschland anreisenden) Sänger/Schauspieler von einer großen Zahl Bergisch Gladbacher Tänzerinnen und Chor-Sängern. An diesem Punkt wünscht sich Heesen-Nauroth noch mehr Unterstützung, vor allem von männlichen Sängern mit tiefen Stimmen. Denn zum spektakulären Finale sollen Teufel die ganze Bühne einnehmen – „und für dieses Inferno brauchen wir viele, richtig viele Teufel”. 

Geprobt wird im „Engel am Dom”, dem Gemeindesaal der Gnadenkirche, und in der Aula des NCG. Dort stehen auch die nächsten Termine (nachmittags und abends) am 3. und 4. sowie am 7. Januar an. Interessenten können sich telefonisch (0178 7160788) oder per Mail melden. 

Bei Schlussakt, soviel verraten Plagens und Heesen-Nauroth noch, ist die gesamte, zwölf Meter breite Bühne mit einer Menge von gräßlichen Teufeln besetzt, die Don Giovanni in die Tiefe ziehen. Und das in tiefschwarzer Dunkelheit.

Das könnte Ihnen ein wenig zu viel Drama sein? Keine Sorge, sagt Heesen-Nauroth: „Wir bieten eine unterhaltsame Oper, die nicht aus der Zeit gefallen ist, sondern in der sich jeder Wiederfinden kann, die jeder versteht – und Spaß macht”. 

Der Vorverkauf über die Theaterkasse des Bergischen Löwen läuft bereits. Es gibt Tickets für Preise von 28,50 bis 45 Euro. Die Oper wird am 3. und 4. März im Bürgerhaus Bergischer Löwe aufgeführt.  

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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