Der nördliche Teil von Nu7. Rechts davon soll der Streifen mit dem „Kölner Fenster” frei bleiben.

Mit 1500 Meter Flatterband haben Bürger die Fläche auf den Wiesen an Peterskaule in Nussbaum abgesteckt, die laut Flächennutzungsplan Wohngebiete werden sollen. Eine Aktion, die viele Fragen aufwirft.

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Am Sonntag haben die Bürger von Nussbaum und Paffrath die Flächen Nu7a und b gemäß dem aktuellen Steckbrief dieser Flächen mit einem Trassierband kenntlich gemacht. Ab 10 Uhr wurden mit insgesamt fast 1.500 Meter rot-weißem „Flatterband“ und über 80 Eisenstangen die Umrisse auf der als „Peterskaule“ bekannten und für das Klima der Stadt sowie die Erholung der Anwohner so wichtigen Fläche abgesperrt.

Denn wie schon das Künstler-Paar Christo und Jeanne-Claude in den 80er und 90er Jahren es mit dem Reichstag und u.a. der Pont Neuf in Paris bewiesen haben: Manchmal muss man etwas für den Blick versperren, um anschließend die Schönheit wieder sehen zu können.

In diesem Fall jedoch sahen viele der unzähligen Passanten zum ersten Mal die Ausmaße der städtischen Planung und waren schlicht entsetzt! „Ich hab gedacht, das wäre viel, viel kleiner!“ zeigte sich eine ältere Dame schockiert. „Was die da als Alibi stehen lassen, ist doch wohl ein schlechter Witz!“ erboste sich ihr Mann.

Und so ging es über 2 ½ Stunden angeregter Diskussion immer weiter. Der Tenor war von Unverständnis über Verärgerung bis hin zur Frustration recht breit gefächert.

Ein Herr mittleren Alters brachte wichtige Punkte vor: „Wie wollen die denn überhaupt die Fläche erschließen? Und wo soll dann der ganze Verkehr her laufen?“

Auch hier kann man leider nur über die Absichten der Stadtplanung mutmaßen, denn wie man (laut Steckbrief im Flächennutzungsplan zu dieser Fläche) diese von Westen (durch den Nussbaumer Bungert?) oder von Norden durch die dort befindlichen Siedlungen erschließen will, ohne Grundstücksenteignungen im großen Stile durchzuführen, erschließt sich derzeit keinem Bürger.

Die diesbezüglichen Behauptungen der Stadtverwaltung kann man daher derzeit nur als Zeichen offensichtlicher Unkenntnis der tatsächlichen Begebenheiten vor Ort werten. Zumal ein dort dann zu erwartendes Verkehrsaufkommen von keiner dieser Bereiche getragen werden kann: die Straße Nussbaumer Bungert ist knapp 5 Meter breit und bereits als 30er Zone ausgelegt, durch diverse Versprünge und die dort geparkten Autos bereits „verstopft“ und könnte weitere ca. 500 – 600 PKW x 2,6 Bewegungen pro Tag nicht mal ansatzweise verkraften.

Es muss also davon ausgegangen werden, dass man hier seitens der Stadtverwaltung die Fläche „aufwerten“ wollte, um bei der Bezirksregierung die Änderungen des Regionalplans durchzubekommen. Einer Überprüfung können die Behauptungen der Stadt jedenfalls aus Sicht der ortskundigen Bürger nicht standhalten.

Neben dem Verkehr sprach aber auch eine ältere Dame einen wichtigen und zentralen Punkt an: „Wo sollen wir alten Menschen denn bitte noch spazieren gehen hier? Wir können nicht im Wald über Wurzeln klettern oder große Steigungen nehmen. Ich kann auch nicht mich ins Auto setzen um dann zu einer geeigneten Stelle zu fahren. Darf ich mich also nicht mehr erholen in Zukunft?“

Der zweite Teil des potenziellen Wohngebietes, Nu 7 Süd, beginnt direkt am Weg und reicht bis zum Pannenberg.

Tja – daran haben wohl die Stadträte und die Stadtverwaltung nicht wirklich gedacht, zumal zynisch auf solche Einwände geantwortet wird: „Es gibt kein Recht auf wohnortnahe Erholung.“ Meine Damen und Herren des Stadtrates und der Verwaltung– auch Sie werden älter…

Die Bürger von Nussbaum, Paffrath und Hebborn mögen sich daher bitte wehren und Ihre Bedenken nicht nur untereinander sondern auch schriftlich an die Stadt als Eingabe zum Flächennutzungsplan formuliert äußern. Nur so wachen vielleicht ein paar Politiker mehr auf und verstehen, dass sie als Vertreter der Bürger bitte auch den Willen der Bürger vertreten sollen! Und die wollen keine Großflächige Bebauung auf Nu7a und b!

Weitere Informationen sowie Mustervorlagen zum Downloaden finden Sie auf der Website des Bündnisses der Bürgerinitiative („Rettet unsere Stadt”) und auf Facebook

Weitere Beiträge zum Thema:

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2 Kommentare

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  1. Nach dem Willen von Verwaltung und großen Zügen der Politik und der Melodie von “RUT UN WIESS, wie lieb ich Dich, . . . ” von den Black Föss ein Text, den die Verwaltungsspitze singen könnte:

    “Ach NU7, wie lieb ich Dich,
    du bist und bleibst ein tolles Stück für mich,
    Gebiet NU7 ist der Wahn,
    was gehen mich die Bürger an,
    Ach NU7, wirst ausgequetscht so wie ich’s kann.”

    Eins tolle Idee der Bürgerinitiative, die nachahmenswert ist. Mehr Aufmerksamkeit wird man mit normalen Mittel nicht bekommen. Wie stark die Abneigung gegen den FNP-E. in weiten Teilen der Bevölkerung ist, zeigen die zahlreichen Hinweise der Bevölkerung und Fragen der Bevölkerung bis hin zu Problemen, die Senioren beim Durchkommen des FNP haben. Die völlige Ignoranz gegenüber noch größeren Verkehrsproblemen ist schon Programm in der Stadtverwaltung. Dagegen müsste man gerichtlich vorgehen können.

  2. Was die verkehrstechnische Erschließung der zukünftigen Bauflächen angeht ist die Blauäugigkeit der Stadt erschreckend. Erst mal den Bebauungsplan machen, dann gucken wir mal wie wir das anschließen? Was wäre denn wenn man dann herausfindet dass es so nicht geht? Ich glaube nicht dass die Stadt dann noch einen Rückzieher machen würde.
    Dann wurde auch mal dieses Argument genannt, dass ja bis zum beginn der Bebauung eh der Individualverkehr durch autonomes Fahren und Car-Sharing stark abnehmen würde. Das ist “Planung” nach dem Motto: hoffe nicht auf Wunder, verlasse dich auf sie!
    Ich denke egal von welcher Seite aus Nu7 erschlossen wird, der Verkehr landet auf jeden Fall auf der Reuterstraße/Nußbaumer Straße, welche schon heute hoffnungslos überlastet ist, was überhaupt für das gesamte Straßennetz in Bergisch Gladbach gilt. Da sollte die Stadt erst mal ansetzen bevor alles planlos zugebaut wird.