Sieben Radfahrer von Pro Velo haben sich auf den Weg gemacht, die „Balkantrasse“ zu erkunden. Doch: Zu dem Panoramaradweg zu finden, war gar nicht so leicht.

Vor etwas mehr als vier Jahren, am 29. Mai 2014, wurde der Panoramaradweg auf der ehemaligen Bahnstrecke Opladen – Burscheid – Wermelskirchen – Lennep eröffnet. Da der Zug im Volksmund „Balkanexpress“ genannt wurde, ist der Radweg seitdem unter dem Namen „Balkantrasse“ bekannt.

Er erfreut sich großer Beliebtheit bei Einheimischen und Touristen, da er nur geringe Steigungen aufweist und landschaftlich sehr reizvoll ist. So lassen sich auch längere Strecken mühelos und schnell mit dem Rad zurücklegen.

Doch von Bergisch Gladbach oder Odenthal kommend ist es nicht leicht, den Weg zur Trasse zu finden – besonders, wenn man dabei nicht an Hauptstraßen entlangfahren möchte, sondern durchs Grüne. Um den regionalen Fahrradtourismus zu stärken und den Bergisch Gladbachern die Balkantrasse schmackhaft zu machen, ist eine bessere Anbindung und Ausschilderung dringend geboten!

So lud Pro Velo Bergisch Gladbach kürzlich zur gemeinsamen Fahrt über Odenthal nach Burscheid, um mögliche Strecken auszuprobieren.

Durch das zeitgleich stattfindende Radrennen ‘Rund um Köln’ waren nicht wenige Radfahrende anderweitig verpflichtet, aber dennoch fanden sich sieben Frühaufsteher*innen um halb zehn auf dem Marktplatz ein. Immerhin: Das Wetter war bedeckt und trocken, nicht zu heiß – eigentlich ideal für eine ausgedehnte Radtour.

Der Weg (östliche Route auf der Karte) führte zunächst über die Reuterstraße am Begräbniswald vorbei zum Nußbaumer Weg. Anschließend ging es durch das wunderschöne Schwarzbroicher Tal zur Altenberger-Dom-Straße, um dann von Odenthal den steilen Hahnenberger Weg nach Glöbusch zu erklimmen. Weiter führte die Tour über die Bergstraße nach Blecher und schließlich durch die Löhsiedlung nach Burscheid.

Unterwegs zum Nußbaumer Weg: Sieht so ein guter Radweg aus?

Schon ziemlich bald zeigte sich, dass es unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, was eine gute Fahrradstrecke ausmacht: Soll es durchgehend über asphaltierte Wege gehen, um schneller fahren zu können, oder ist die Schönheit der Umgebung wichtiger? Besser kurze, heftige Steigungen, selbst wenn zeitweise geschoben werden muss, oder doch eher langgezogene, aber dafür etwas flachere Anstiege? Es gibt viele Möglichkeiten, nach Odenthal zu radeln, und am Ende ist es wohl einfach eine Frage des Geschmacks.

Während viele Abschnitte gut zu befahren sind, gibt es mancherorts noch starken Ausbaubedarf, der unterwegs dokumentiert wurde. Der Weg vom Begräbniswald über den Buschhorner Weg zum Nußbaumer Weg etwa könnte eine ideale Verbindung von Gladbach-Stadtmitte nach Schildgen und Odenthal sein – heute ist er teilweise noch ein bloßer Trampelpfad und höchstens mit dem Mountainbike befahrbar.

Der Hahnenberger Weg ist zwar asphaltiert, aber extrem steil und schmal. Bisher ist er nur für Fußgänger vorgesehen, eine fahrradtaugliche Alternative gibt es für die Bewohner des Hahnenbergs nicht.

An der Bergstraße und in Blecher gibt es nur einen relativ schmalen Fuß- und Radweg auf einer Straßenseite, was an Einfahrten und Einmündungen zu gefährlichen Begegnungen führt. Und an der stark befahrenen L188 (Lungstraße/ Sträßchen/ Kaltenherberg) gibt es streckenweise gar keinen Radweg.

In Burscheid angekommen standen die Teilnehmenden vor der Wahl, sich vor Ort bei Livemusik zu erholen oder weiterzufahren nach Wermelskirchen, wo die politische Prominenz des Kreises zum Bergischen Trassentreffen 2018 versammelt war. Außerdem wurden Fahrräder aus dem Fundbüro zugunsten des örtlichen Jugendzentrums versteigert, und es gab eine Fotoaktion mit Landrat Stephan Santelmann, um Autofahrende daran zu erinnern, ausreichend Seitenabstand (1,50 Meter!) zu halten beim Überholen von Fahrrädern. Ein wichtiges Thema, das wir von Pro Velo nur unterstreichen können!

Jetzt sind die Gemeinden entlang der Strecke gefragt: Wenn Bergisch Gladbach, Odenthal und Burscheid sich zusammentun, können sie eine attraktive Route zur ‘Balkantrasse’ ausbauen. Damit wäre nicht nur dem Fahrradtourismus in der Region sehr geholfen, sondern auch allen Pendlern und Alltagsradlern, die zwischen den Orten unterwegs sind.

Pro Velo wird die Dokumentation der Schwachstellen an die Stadt- und Kreisverwaltungen schicken und hofft, dass das Projekt „Balkan-Zubringer“ in Angriff genommen wird. Dank der rasanten Ausbreitung von Pedelecs und e-Bikes sind selbst kräftige Anstiege heute kein Hinderungsgrund. Die oft gehörte Ausrede „Bei uns im Bergischen ist es so steil, da gibt es keinen Bedarf an Radwegen!“ zieht nicht mehr.

ProVelo BGL

ist eine Interessengemeinschaft, die sich für Verbesserungen im Bereich Radverkehr einsetzt.

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