Claudia Timpner, Hayan Amer und Ahmed Fawal. Foto: Philipp J. Bösel 

„Der Tod und das Mädchen” feiert am Wochenende Premiere im Theas Theater. Ein Dreipersonenstück über den Konflikt zwischen Schuld und Vergebung, Rache und Gerechtigkeit. 

Paulina richtet die Pistole auf Roberto Miranda und schreit ihn an: „Ich will wissen, warum ich mein Studium nicht beenden konnte. Ich bin sicher, sie können es mir erklären.” Er sitzt gefesselt auf einem schwarzen Ledersofa, sie auf der Lehne. Dann klemmt sie seinen Kopf zwischen ihren Beinen ein – provokativ und verzweifelt.

In der Theas-Inszenierung spielt Claudia Timpner Paulina, die gefoltert und vergewaltigt worden ist. In Roberto glaubt sie, den Täter zu erkennen – und will ihm jetzt selbst den Prozess machen.

Seit zehn Jahren arbeitet Timpner im Theas, als Schauspielerin und Theaterpädagogin. Sie ist  Kommunikationstrainerin und Coach und kann sich aussuchen, welche Rollen sie spielt. Warum ausgerechnet, Paulina, warum ein so ernstes Stück?

„Ich habe das Gefühl, dass wir in einem Comedy-Zeitalter leben. Aber Theater soll zum Diskurs anregen, Kunst hat eine andere Aufgabe als nur Spaß zu machen”, sagt die erfahrene Darstellerin.

Paulina  konnte nie über ihr Trauma sprechen. Auch nicht mit ihrem Mann Gerardo (gespielt von Hayan Amer), der als Rechtsanwalt an genau solchen Fällen wie ihren arbeitet. Eines Tages bekommen das Paar Besuch vom Arzt Roberto Miranda (Ahmed Fawal), an dessen Stimme Paulina ihren Peiniger zu erkennen glaubt. Endlich findet sie ihre Stimme wieder.

Foto: Philipp J. Bösel

Timpner kennt das Stück „Das Mädchen und der Tod”, geschrieben 1991 vom chilenische Autor und Menschenrechtsaktivist Ariel Dorfman, schon seit vielen Jahren. Von der Geschichte sei sie sofort überzeugt gewesen, weil hier die wichtigen Fragen nach Gerechtigkeit und Recht gestellt werden, die niemals an Aktualität verlören.

„Unsere Inszenierung stellt eine klare Frage: Was braucht es, damit wir nach Zeiten des Verbrechens wieder zusammenleben können?”, sagt die Schauspielerin. Der Autor Dorfman hatte damals auf die Missstände und Ungerechtigkeit in Chile aufmerksam machen wollen, die nach der Diktatur nur langsam aufgearbeitet wurden.

„Das Schlimme ist das Ausgeliefertsein – und das gibt es in unserem Leben auch”, sagt die Schauspielerin.Der Konflikt zwischen Recht und Gerechtigkeit begegne uns nicht nur in Chiles Geschichte, sondern eigentlich überall, sagt Claudia Timpner. Weil Vergewaltigung immer noch ein Tabuthema sei. Auch das sei ein Grund, warum sie sich dieser schwierigen Rolle angenähert hat.

Im Theas hat der syrische Regisseur Houssam Alden Kaka das Stück „Der Tod und das Mädchen” inszeniert. Es richtet sich vor allem an Erwachsene und Jugendliche, die Interesse an sozialkritischen und politischen Themen haben.

Premiere: Samstag, 22. September, 20 Uhr. 
Weitere Vorstellungen (ebenfalls um 20 Uhr):

  • Sonntag, 23. September 2018
  • Freitag, 28. September 2018

Eintritt: 17,- Euro / ermäßigter Preis 10,- Euro

THEAS Theaterschule & Theater e.V.
Jakobstraße 103, 51465 Bergisch Gladbach
Telefon: 02202 / 92 76 500
Kartentelefon: 02202 / 92 76 50 15
Telefax: 02202 / 92 76 50 19
E-Mail: kontakt@theas.de

Weitere Informationen gibt es hier.

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