Der „Immanuel-Kant-Verein e.V.” hat den großen Saal im Kreishaus gebucht, für einen „wissenschaftlichen Vortrag zum Thema Migration”. Dahinter steht die AfD.

Eingeladen hat Sebastian Weirauch. Er war für die AfD bei der Landtagswahl angetreten und ist stellvertretender Sprecher im Rheinisch-Bergischen Kreis.

In einer Einladung für den Vortrag im Kreishaus schreibt er:

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„Migration ist ein drängendes und schwieriges Thema. Es teilt nicht nur die deutsche Gesellschaft in diejenigen, die ein multikulturelles Zusammenleben anstreben und jene, die ihre kulturelle Eigenständigkeit und Selbstbestimmung bewahren möchten. Die Debatte hat sich seit den 1990er Jahren stetig verschärft, und eine Entspannung ist nicht abzusehen. Dabei wird die Auseinandersetzung meist auf einer emotionalen Ebene geführt. Das ist zwar verständlich, verhindert es aber, die Situation und die Probleme sachlich zu analysieren und auf dieser Grundlage Lösungvorschläge zu entwickeln.”

Zu einer sachlichen Lösung solle ein Vortrag von Professor Dr. Hans Neuhoff beitragen, der sich mit der Migrationstheorie des britischen Ökonomen Paul Collier befassen werde. Collier ist Experte für die Wirtschaft der Entwicklungsländer, wurde in Deutschland aber vor allem durch seine Merkel-Kritik bekannt.

Neuhoff ist Dozent für systematische Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Tanz Köln und wohnt in Bonn. Beim Neujahrsempfang der AfD Bonn war er als Neumitglied vorgestellt worden, der sich mit der sozialen Ausgrenzung von AfD-Mitgliedern befasse. „Es ist Zeit, Gesicht zu zeigen für die AfD“, wird er auf der Website der AfD Bonn zitiert.

Weder in der Einladung per Mail noch auf dem Plakat wird auf die AfD direkt hingewiesen, dort ist der Immanuel Kant-Verein als Veranstalter genannt; der sich auf ihrer Facebook-Seite als „parteinahe Stiftung des AfD-Landesverbands NRW” bezeichnet.

Nach Angaben der Kreisverwaltung hatte Weirauch bei der Buchung des Saals im Kreishaus jedoch angegeben, dass es sich um eine AfD-Veranstaltung handele. Die Verwaltung habe das Gesuch geprüft, aber keinen Anlass gesehen, sie zu versagen. Das Recht stehe allen Parteien, Vereinen und Initiativen zu; zudem sei die AfD mit einem Mitglied im Kreistag vertreten.

Der Vortrag findet am Donnerstag um 19:30 Uhr im Kreishaus am Rübezahlwald statt. Im Anschluss an den Vortrag seien die Besucher eingeladen, „sich an einer offenen Diskussion zu beteiligen”, heißt es in der Einladung.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Solche Diskussionen sind längst überfällig. Die Meinung der Bevölkerung muss wieder eine Rolle spielen.

  2. Ein Verwirrspiel. Der Immanuel Kant e.V. bezeichnet sich auch als Immanuel Kant Stiftung e.V., die Webadresse laufet: kant-stiftung.de

    Die eigentlich Kant-Stiftung findet man unter kantstiftung.de

    Um weitere Verwirrungen zu vermeiden haben wir den Begriff „Stiftung“ weitgehend aus dem Text getilgt.