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Barbara De Icco Valentino, Fachanwältin für Verkehrsrecht

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Versicherer verweisen oft auf billigere Reparaturmöglichkeiten, wenn Verkehrsunfallbeteiligte ein Gutachten des Fahrzeugschadens vorlegen. In solchen Fällen lohnt die Prüfung durch einen Anwalt.

Von Barbara De Icco Valentino

Wenn Ihr Fahrzeug bei einem fremdverschuldeten Verkehrsunfall beschädigt wurde, haben Sie im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, um nicht die Reparaturzahlungen tragen zu müssen:

  • Sie können entweder den Schaden Ihres Fahrzeugs auf Kosten der Kfz-Haftpflichtversicherung des Unfallgegners reparieren lassen.
  • Oder Sie lassen sich von ihr einen kalkulierten Reparaturkostenbetrag (ohne Umsatzsteuer) auszahlen. Weil Sie in diesem Fall keine Rechnung einer tatsächlich durchgeführten Reparatur, sondern lediglich die Kalkulation des unfallbedingt entstanden Schadens vorlegen, sprechen wir Juristen von der „fiktiven Abrechnung“ des Fahrzeugschadens.

Geschädigte, die sich für die zweite Variante entscheiden und deren Schaden über der Bagatellgrenze von derzeit ca. 750 Euro liegt, ziehen in der Regel einen Sachverständigen zurate, um durch ein Gutachten die Höhe der anfallenden Reparaturen bemessen zu lassen.

Kürzungen des Gutachtens sind die Regel

Jeder, der schon einmal auf diese Weise einen Unfallschaden gegenüber dem gegnerischen Versicherer reguliert hat, wird wissen, dass dieser in den meisten Fällen allerhand Kürzungen am Gutachten vornimmt.

Unsere Erfahrung ist: Ein Großteil der Kürzungen ist nicht berechtigt!

Die Versicherer verweisen in ihren Abrechnungsschreiben standardmäßig auf eine günstigere freie Werkstatt. Das ist grundsätzlich zulässig, wenn die Reparaturkosten im Gutachten mit den Stundenverrechnungssätzen einer markengebundenen Fachwerkstatt kalkuliert worden sind (bspw. BMW, Mercedes etc.), obwohl Ihr Fahrzeug zum Zeitpunkt des Verkehrsunfalls älter als drei Jahre gewesen ist und über kein gepflegtes Markenfahrzeugscheckheft verfügt.

„Markenscheckheftgepflegt“ bedeutet, dass alle Reparaturen und Wartungen in einer markengebundenen Fachwerkstatt vorgenommen worden sind.

Angenommen Sie sagen Ihrem Sachverständigen, dass Sie Ihr Fahrzeug immer in einer bestimmten freien Stammwerkstatt reparieren lassen. Dann kalkuliert er die Reparaturkosten Ihres Unfallschadens mit den Stundenverrechnungssätzen dieser Werkstatt.

Der gegnerische Versicherer, dem Sie das Gutachten vorlegen, kann Sie aber auf eine andere Werkstatt verweisen, deren Stundenverrechnungssätze niedriger als die Ihrer Stammwerkstatt sind. Auf diese Weise kürzt er im Rahmen der fiktiven Abrechnung die Nettoreparaturkosten.

BGH-Urteil schwächt Position der Geschädigten

Lange war sich die Rechtsprechung uneinig, ob ein solcher Verweis des Versicherers zulässig ist, wenn die Kostenkalkulation der fiktiven Abrechnung bereits auf mittleren Stundenverrechnungssätzen einer freien Werkstatt  beruht.

Der Bundesgerichtshof hat hierzu kürzlich folgendes Urteil gesprochen (25.09.2018, VI ZR 65/18):

Der Verweis des Versicherers auf eine noch günstigere Werkstatt ist selbst dann zulässig, wenn die Reparaturkalkulation in dem vom Geschädigten vorgelegten Sachverständigengutachten bereits auf mittleren, ortsüblichen Stundenverrechnungssätzen einer freien Werkstatt beruht. Der Geschädigte muss sich also in solchen Fällen auf eine günstigere, ihm mühelos zugängliche und gleichwertige Reparaturmöglichkeit verweisen lassen.

Meines Erachtens hat der BGH hier leider zu Lasten der Geschädigten Klarheit geschaffen: Denn unsere Erfahrung in den von uns geführten Klageverfahren war, dass die Amtsgerichte bis dato zu Gunsten des Geschädigten entschieden haben. Die Urteile lauteten, dass in solchen Fällen ein Verweis des Versicherers auf eine noch billigere Werkstatt unzulässig gewesen sei.

Die jüngste Entscheidung des BGH ist bedauerlich für die Position der Geschädigten. Dadurch wird dem Versicherer ein Regierecht zugeteilt und den Geschädigten ein Stück ihrer Souveränität genommen.

Lassen Sie sich verkehrsrechtlich beraten!

Seit diesem Urteil ist es im Falle eines unverschuldeten Unfallschadens wichtiger als je zuvor, die Abrechnungsschreiben der Versicherer kritisch auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen. Hierzu bedarf es professioneller, anwaltlicher Unterstützung.

Da das deutsche Schadensersatzrecht nicht einfach ist, dürfen Sie sich für die Schadensregulierung infolge eines unverschuldeten Verkehrsunfalls auf Kosten des gegnerischen Versicherers eines Anwalts bedienen. Dies gilt sowohl für Fahrzeug- als auch Personenschäden.

Machen Sie von Ihrem Recht Gebrauch! Verzichten Sie künftig nicht auf Schadensersatzansprüche zugunsten des Versicherers, die Ihnen vom Gesetz her zustehen.

Meine Empfehlung: Lassen Sie es erst gar nicht zu den Kürzungen kommen und ziehen Sie unmittelbar nach dem Unfall einen Anwalt zurate.

Ihre Barbara De Icco Valentino

Barbara De Icco Valentino ist Fachanwältin für Verkehrsrecht in der Kanzlei Leonhard & Imig. Sie ist Ihre Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um das Verkehrsrecht (u.a. für Schadenregulierung, Autokauf, Ordnungswidrigkeiten und Strafsachen) und Medizinrecht. Des Weiteren ist sie Vorstandsmitglied im Automobilclub Deutschland e.V. (Ortsclub Köln linksrheinisch).

Leonhard & Imig Rechtsanwälte steht seit 50 Jahren für Rechtskompetenz in Bensberg.

Die renommierte Traditionskanzlei bietet seriöse und vertrauensvolle Rechtsberatung in allen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts, Familien- und Erbrechts, Miet- und Wohnungseigentumsrechts, Bau- und Architektenrechts, Verkehrsrechts, Straf- und Ordnungswidrigkeitenrechts sowie Medizinrechts. Sie wurde 1969 in Bensberg gegründet und hat heute ihren Sitz in zentraler Lage zwischen Schlossstraße und Bahnhof.

Die Anwälte bei Leonhard & Imig leben klassische Werte wie Aufrichtigkeit und Bodenständigkeit. Bürger und Unternehmen aus dem Bergischen sowie dem rechtsrheinischen Köln profitieren von ihrer langjährigen Erfahrung und der breit gefächerten Fachanwaltsexpertise.

Weitere Informationen zum Team und den Arbeitsschwerpunkten finden Sie auf der Website.

Leonhard & Imig Rechtsanwälte
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