Nachrichten, Hintergründe, Termine und Service aus Bergisch Gladbach

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

2 Kommentare zu “Wo die CDU und SPD brutal verlieren”

  1. Auch von meiner Seite Danke für die schnelle und intensive Berichterstattung und Ihren unermüdlichen Einsatz, liebes In-GL-Team!

    Die Zahlen interpretiert sicherlich jeder anders. In einigen Punkten gehe ich da mit den hier geschilderten Überlegungen konform, in einigen wenigen möchte ich eine andere Interpretation anregen:

    -FNP: Ich glaube, dass die FNP-Diskussion symbolisch für das “Aufwachen” der Bürger ist bezüglich der Klima-Thematik. Der Umgang mit den Sorgen der Bürger seitens CDU und SPD war schon bemerkenswert ignorant in diesem Verfahren. So wurden 2.300 Eingaben bei der 2. Runde des FNP schlicht weg ignoriert und zerredet, anstatt die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Es wurden den BI’s verweigert in den Ausschüssen ihre Bedenken und Analysen vorzutragen und somit musste sich der Rat der Stadt Bergisch Gladbach auf die – nennen wir es mal “zielgerichteten Interpretationen” eines für den FNP beauftragten Büros Post Welters verlassen, ohne die lokale Schwarm-Intelligenz zu nutzen.

    Der Stadtrat und speziell die Damen und Herren der CDU und SPD haben zum Glück noch mal eine Chance aufgrund eines Verfahrensfehlers (!!!), über die Neubeantragung des FNP abzustimmen. Sie täten gut daran, den schon 2014 dokumentierten Bürgerwillen (Freiraumkonzept und integriertes Stadtentwicklungskonzept wurden mit Bürgerbeteiligung erstellt und zeigen in eine völlig andere Richtung, als was mit dem FNP erreicht werden soll…) ernst zu nehmen und das Verfahren so lange auszusetzen, bis die Stadtverwaltung ihre Aufgabe endlich ernst nimmt und die Eingaben der Bürger nicht zerredet sondern mit einfließen lässt. Sonst sehe ich für die Kommunalwahlen hier noch heftigere Ergebnisse kommen…

    Nussbaum: Nussbaum und Paffrath sind traditionell schwarz. Hier gibt es hohe persönliche Verwebungen zwischen den lokalen Vertretern der Politik (1. stellvertretender Bürgermeister, Ortsvorstand usw.), der Wirtschaft, Vereinen und den Bürgern. Möglicherweise haben auch die Bürger missinterpretiert, dass die CDU beide Teile der Wiese auf Prio 3 gesetzt haben: das heißt NICHT, dass die Wiese nicht bebaut wird, es sollen nur andere Flächen zuerst geprüft werden. Sind diese nicht zu bebauen oder nur unter hohen Schwierigkeiten, rücken die Prio3-Flächen sofort nach… Das heißt, dass eine Zerstörung dieser Frischluftentstehungszone schon in wenigen Jahren möglich ist, nach wie vor!!

    Heidkamp und die AfD: ich will jetzt keinen sozialen Brennpunkt heraufdiskutieren, aber es gibt hier relativ viele ehemalige Sozialbauten, relativ günstigen Wohnraum und damit auch eher die Wahrscheinlichkeit, dass Anwohner nicht unbedingt zu den finanzkräftigsten der Stadt gehören. Möglicherweise hat das eine Rolle gespielt? Falls ja, dann sollte hier intensiv dran gearbeitet werden. Auf jeden Fall ist es ungewöhnlich, wenn ein Stadtteil so rausragt aus den Ergebnissen der anderen Stadtteile, weswegen man sicherlich dort mal reinschauen sollte. Möglicherweise waren es auch “nur” unzufriedene CDU-Wähler, die halt sich der AfD näher fühlten als den Grünen und auch hier der CDU einen “Denkzettel” verpassen wollten – wer weiß. Das müsste man im Gespräch herausfinden. Doch wie findet man diese Wähler?

    Alles in Allem zeigt sich für mich folgendes Bild:

    CDU verliert wegen fortlaufender Ignoranz den Bürgern gegenüber, sowohl auf Bundes- als auch auf Landes- und Kommunalebene und weil wirtschaftliche Aspekte ausschließlich die Politik bestimmen, anstatt auch soziale und Umweltthemen konsequent durchzusetzen

    SPD verliert wegen Profillosigkeit auf allen Ebenen. Sie konnten sich in keiner GroKo wirklich durchsetzen und haben einige ihrer Ziele aus den Augen verloren. Es fehlt das “Alpha-Tier” in der Partei, das dieser wieder ein Gesicht gibt. Frau Nahles kann hier leider nicht überzeugen.

    GRÜNE gewinnen aufgrund Protestwahl der Bürger, aufgrund des Verhaltens und der Äußerungen der GroKo zu Hambacher Forst, Kohlekraftwerken, Dieselskandal, FNP, usw. usw. usw. und weil sie geschlossen am Bürgerwillen Klimaschutz arbeiten. Der Bürger hatte es wohl satt, dass dies von den anderen Parteien nicht ernst genug genommen wird.

    LINKE stagniert (leichte Verluste), da sie in Bergisch Gladbach keiner ernst nimmt. Das ist manchmal schade, da sie durchaus gute Vertreter haben, die nah am Bürger sind. Als “SED-nachfolge-Partei” steht es aber nicht gut genug um den Ruf… Das Engagement gerade auch für den Klimaschutz haben die Bürger offensichtlich nicht intensiv genug wahr genommen.

    FDP stagniert (OK – leichte Gewinne, aber nicht wirklich signifikant…), da es nicht genug Unternehmer gibt, die sie wählen könnten… Denn wer ausschließlich Politik für Unternehmer macht, hat halt nur eine kleine Zielgruppe… Auch hier siehe FNP-Diskussion: Mehr Industriegebiete, Umwelt egal, Klima-Schutz egal, Hauptsache mehr Flächen für Firmen! So nicht, Herr Krell…

    AfD stagniert (nur geringfügige Gewinne), da es eben keine Europa-Partei ist (Brexit/Dexit Diskussion). Zudem haben sie bis auf “Raus aus Europa und zurück zur DM” keine wirklichen Pläne. Keine soziale Strategie, keine Klima-Schutz-Ziele – nichts, was aktuell den Bürger wirklich bewegt. Das Asylbewerber Thema hat sich weitestgehend erledigt, die Container werden abgebaut und die wenigen Menschen die gekommen sind sind größtenteils unsichtbar in der Masse der Bergisch Gladbacher aufgegangen. Wenn man nur ein Thema hat, verliert man halt 100% wenn dieses weg fällt…

    Der Rest läuft unter “ferner liefen”…

    Ich bin gespannt, ob sich die lokale GroKo aus der Verantwortung für das Ergebnis weiterhin versucht rauszureden oder ob man endlich Verantwortung übernimmt und den Bürger wieder in das Zentrum der Politik stellt. Die Quittung gibt es sonst sicherlich 2020 bei den Kommunalwahlen. Die Zeit läuft, an ihren Taten werden wir sie messen…

  2. Vielen Dank für die Analyse, die ich weitestgehend unterschreiben würde. In “Lückerath” (für mich sind das immer noch nur drei Straßen und kein Stadtteil, aber das wäre ein Thema für die Kommunalwahl…) gibt es aber nicht nur die Diskussion um den Neuborner Busch (dort stärker in Stimmbezirk 21-1, denn dieser liegt in unmittelbarer Nähe). Nein, “Lückerath” liegt durchgehend an der geplanten innerstädtischen “Ortsumgehung” aka Bahndammtrasse. Und in dieser Diskussion sieht sich die SPD ja führend, da muss man sich über eine ablehnende Haltung der Bevölkerung nicht wundern.

    Nach meiner Einschätzung spielen aber kommunalpolitische Erwägungen nur eine untergeordnete Rolle, was ja bei einer Wahl zum Europäischen Parlament auch nicht ganz verkehrt ist. Wichtiger dürfte die von Greta Thunberg angestoßene Bewegung sein, was sich ja auch an den Stimmverhältnissen der jungen Wähler deutlich abbildet. Die Gewinne und Verluste in einzelnen Stimmbezirken hängen dann eben auch an der Zusammensetzung der jeweiligen Bevölkerung (Demografie). Ferner ist es auch kein Novum, dass die Parteien einer großen Koalition im Laufe der Zeit an Zustimmung verlieren.

    Nichtsdestotrotz freue ich mich schon auf die Kommunalwahl, es wird spannend!

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