Klaus Hansen hat festgehalten, was in unseren Gärten (noch) zuhause ist.
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Nachhaltigkeit könnte das große Thema dieses Jahres werden. Sogar in Bergisch Gladbach. Wie wäre es mit einem Klimabeirat für die Stadt? Oder mit neuen Ideen für die Schnabelsmühle und den Driescher Kreisel? Kleine Schritte für die Stadt könnten für die Lebensqualität und die Artenvielfalt viel bewirken.

Was wäre, wenn in unserer Stadt ein Klimabeirat nach dem Muster des Gestaltungsbeirates gegründet werden würde? Jedes Projekt könnte künftig vor der Verwirklichung auf seine Wirkung für unser Klima untersucht werden.

So könnte das neue Stadthaus zukunftweisend mit einer Blumenwiese auf dem langen Dach gestaltet werden. Und mit einer begrünten Fassade wie das Venloer Rathaus. Durch mehr Grün und Blumen würde das neue Stadthaus nicht hässlicher werden.

Schulkinder könnten Ausflüge zum Rathaus machen und für ihren Biologieunterricht der Verwaltung aufs Dach steigen. Eine schöne Aussicht.

StadtGrün wird StadtBunt

Ich träume von einer bunten Bienenweide quer durch Gladbach. Vom Rosengarten und dem Bach des Buchmühlenparks über den Forumpark – Teile des Parks sind leider mit Betonsteinen schon hingerichtet worden – bis zum Turbokreisel Schnabelsmühle. Und im Westen vom Kunstmuseum Villa Zanders über das Zanders-Gelände bis zum Driescher Kreisel. Weiter am Bahngelände entlang bis zur S-Bahn-Haltestelle Duckterath.

Schnabelsmühle: Was wäre, wenn der geplante Aluminiumring in der Mitte des Turbokreisels nicht ausgeführt werden würde? Und stattdessen eine bunte Wiese die Autofahrer*innen begrüßen würde? Was wäre, wenn sich auf allen Flächen und Böschungen rundherum mit Pollen- und Nektarblüten die wenigen hier noch lebenden Insekten tummeln könnten?

Übrigens: Das Angebot des Gladbacher Künstlers Eugen Ignatius, auf dem Driescher Kreisel eine Skulptur aufzustellen, wurde zurückgewiesen. Mit der Begründung, die Autofahrer*innen würden abgelenkt werden.

So weit, so schlecht. Nun wird der Bau eines großen Ringes mit über 160 Wörtern, Halbsätzen und lichtvollen Aussagen wie „Jläbbisch an de Strung bliev iewisch jong“ geplant – nachts sogar beleuchtet. In drei Schriftgrößen. Wer soll das Lesen? Und auch noch während des Fahrens durch den Kreisel? Die Zeit hat man doch erst, wenn man nach einem Auffahrunfall auf die Polizei wartet oder im Stau steht.

Lesen – ein zu komplexer Vorgang

Lesen lenkt erheblich mehr ab als das Betrachten einer Skulptur. Vielleicht könnte man von diesem Ring noch Abstand nehmen. Bevor beim Entziffern der Texte abgelenkte Autofahrer*innen Unfälle verursachen. Der Ring könnte ja – sollte er nicht mehr zu stoppen sein – vor dem neuen Stadthaus zum Lesen mit Muße einladen.

Berühmter Kreisel mit Zukunft

Was wäre, wenn der Driescher Kreisel durch Anschütten zu einem Hügel mit einem üppigen Blumenmeer (statt des dürren Wüstengrases auf Split) umgestaltet werden würde? Die Gleise haben ihre Schuldigkeit getan und der Stadt mit dem berühmtesten Kreisel der nördlichen Hemisphäre zu beachtlichem Aufsehen in YouTube verholfen. Die Gleise könnten liegen bleiben, die Böschungen rundherum aber gestaltet werden.

Es wäre ein kleiner Schritt für die Stadt, aber ein großer Gewinn an Lebensqualität und vorteilhaft für die Artenvielfalt. Die Stadt spart viel Geld, Geld, das sie sowieso nicht hat. Voller Hoffnung träume ich davon, dass unsere Politiker und Spitzen der Verwaltung bei diesen Aussichten ein Einsehen haben und weder beratungs- noch erkenntnisresistent sind.

Zur Nachhaltigkeit zählt auch eine ausdifferenzierte, vielfältige Mobilität. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Hinweis der Redaktion: Um Nachhaltigkeit geht es auch am Dienstag, 15 Uhr, bei der Eröffnungsveranstaltung für die Kampagne „Weltbaustelle NRW” im Kulturhaus Zanders.

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Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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3 Kommentare

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  1. Sie haben vollkommen recht. Die Fassade des neuen Stadthauses sollte begrünt werden.
    Zum Nutzen einer Fassadenbegrünung gibt es ein sehr gutes Gutachten der Technischen Hochschule Darmstadt.
    Ich habe deswegen bereits einen Antrag beim Ausschuss für Beschwerden und Anregungen gestellt, die Fassade zumindest Richtung Südwesten (Gleisbett) zu begrünen.
    Ich bin bei diesem Thema für jede Unterstützung dankbar.

  2. Ich träume diesen einfachen Traum schon lange. Ich wundere mich nur wie das in anderen Städten längst selbstverständliche Wirklichkeit sein kann, bei uns immer mehr grauer Beton verarbeitet wird. Und dann die ganzen Verkehrsinseln und Beete an den Straßen und Kreiseln mit Gras und Hafer zuwachsen und ziemlich schäbig aussehen und keinem bei der Stadt ein Interesse daran zu haben scheint, etwas schönes mit Blumen zu gestalten. Dann kämen die Insekten von selber. Gäste von Außerhalb sagten wie schön es hier ist. Aber so bleibt es wohl beim Schäbbisch Gläbbisch.

  3. Schöne Ideen, schöner Traum.
    Aber ich glaube, die Träume der Stadtplaner sind andere. Wenn sie denn überhaupt noch träumen können.