Ein mutiger, aber wenig realistischer Entwurf.

Der Abbau des Emilienbrunnens in der Schlossstraße ist noch nicht ganz vom Tisch, aber am Ende wird der Brunnen wahrscheinlich in das neue Konzept eingepasst. Wie das aussehen könnte, dafür liefern Architekturstudenten einige Ideen.

Michael Werling, Autor des Denkmalpflegeplans der Stadt, Vorsitzender des Geschichtsvereins und bis vor kurzem Professor am Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der TH Köln gehört zu den vielen Bürgern, die sich für den Erhalt des Emilien-Brunnes am Anfang der Schlossstraße stark macht. Aber nicht unbedingt in der aktuellen, wenig gefälligen Form.

Daher hatter er Studierende der TH Köln eingeladen, sogenannte Stehgreif-Entwürfe für einen modernen Emilienbrunnen zu entwerfen. Die nahmen sich der spannenden stadtplanerischen Aufgabe an und lieferten 16 mehr oder weniger umsetzbare Ideen-Skizzen. „Sie zeigen, was ein gangbarer Weg sein könnte – und was mit Sicherheit nicht geht”, sagte Werling bei der Vorstellung der Ideen.

So sieht der Platz (ohne Brunnen) im Wettbewerbsentwurf des Club L 94 aus

Stadtplanungschef Wolfgang Honecker stellte vorab noch einmal die Ausgangslage dar. Im Entwurf des Club L 94 für die neue, einheitlich gestaltete Schlossstraße, kam der Brunnen nicht vor; stattdessen wurde die Ecke im Entwurf an der Auffahrt zum Schloss stark geöffnet, der Brunnen sollte an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

So sieht der Platz mit dem Brunnen aktuell aus. 

Dagegen regte sich kräftiger Protest, der auch in der Stadtverwaltung ankam. Sie organisierte eine Bürgerbefragung, die noch läuft. Eine Entscheidung solle im Spätsommer fallen, kündigte Honecker an. Und zwar in der Abwägung zwischen einer Würdigung der Namensgeberin Emilie Schmitz und der angestrebten Gestaltung der gesamten Straße. Immerhin befinde sich der Brunnen an einer herausragenden Stelle, zwischen Dom und Schloss, zwischen Nikolauskirche und Geschäftsstraße.

Die Entwürfe selbst fallen sehr unterschiedlich aus. Einige heben den Brunnen (zum Teil in reduzierter, moderner Form) stark hervor, einige rücken ihn nach vorne an die Straßenkante, andere nach hinten an den Hang – und wieder andere überbauen den Brunnen mit mutigen Entwürfen (siehe Fotos).

Einige StudentInnen haben eine Nutzung für die Außengastronomie berücksichtigt, manche gehen von nur einem Treppenaufgang, andere von weiterhin zwei Treppen aus.

Sowohl Werling als auch Honecker zeigten sich besonders von einem Entwurf angetan, der eine gute städtebauliche Einbindung des Brunnens präsentiere. Dabei wird der Brunnen in einem Platz mit hoher Aufenthaltsqualität integriert. Das Wasser fließt in Kaskaden in ein im Boden eingelassenes Becker, in dem die Besucher ihre Füße kühlen können. Dabei, so Werling, werde der Brunnen geschickt in Szene gesetzt und mit dem Außenraum verknüpft.

Dieser Entwurf wurde von Werling und Honecker positiv hervor gehoben

Honecker wertete die Entwürfe als kreative Ideen von außen, die nun in den Diskussionsprozess mit einfließen sollen. Nach der Auswertung der Bürgerbefragung werde die Stadt mit dem Geschichtsverein diskutieren und mit der Politik reden. Dabei werde es auch um die Kosten gehe.

Und dann werde das Architekturbüro Club L 94 rasch einen neuen Entwurf liefern, damit der Förderantrag für den nächsten Bauabschnitt der Schlossstraße schnell raus könne.

Er sehe die Umgestaltung als Chance, den bislang eher stiefmütterlich behandelten Brunnen und seine Umgebung deutlich aufzuwerten. Dabei stelle er sich der Frage, wie man dem Andenken von Emilie Schmitz am besten gerecht werden könnte. Und das müsse eben nicht der Brunnen in der heutigen, ohnehin erst 1985 entstandenen Form sein.

„Das hört sich gut an”, lautet das Fazit von Werling. Der Brunnen dürfe auf keinen Fall weg, aber natürlich könne er in die Gesamtplanung eingebunden werden.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Hauptsache er bekommt einen Platz wo man ihn sehen kann und nicht in einer Dreckecke verschwindet

  2. Schön, dass der Abriss des Brunnens nicht ganz beschlossene Sache ist. Für die zwar sehr naiven aber trotzdem die Sicht erweiternden Entwürfe muss man dankbar sein. Die Ignoranz des Planungsbüros gegenüber diesem Kleinod Bensberger Geschichte ist bezeichnend. Hauptsache Kohle, Lokalkolorit ist lästig. Die Verwaltung hat ja geholfen, den Brunnen zu negieren – ein weiterer Beweis für deren Bürgerferne – dabei aber die Hartnäckigkeit der Bensberger übersehen. Außerdem führt uns das Planungsbüro eine Zeichnung vor, die mit den Gegebenheiten nichts zu tun hat. Die Kadettenstraße ist nicht flach sondern steil. Nähme man den Brunnen weg, entstände ein Loch, über das man sich scheinbar keine Gedanken gemacht hat. Schlecht!!!