Beim Werkstattgespräch führt Thomas Merkenich durch seine Ausstellung „GL in 52 Bildern“. Der Fotograf erklärt, wie er zu seinen Motiven kommt und wie viel Zeit er investiert, um sie im richtigen Moment abzulichten – und möglichst wenig nachbearbeiten zu müssen.

Am Anfang seiner Fotos stehe immer eine Recherche, erzählt Merkenich. Bei den Denkmallisten des Bergischen Geschichtsvereins, Google Maps oder Google Bildersuche etwa. Um überhaupt auf Motive zu kommen, aber auch, um bereits im Vorfeld Bildideen zu entwickeln.

Die Zeltkirche Kippekausen war ein Tipp von Bürgerportal-Mitarbeiterin Helga Niekammer. Auf den meisten Fotos sieht man sie mit dem Weiher im Vordergrund. „Das Bild habe ich auch gemacht“, sagt der Fotograf, „aber ich wollte Klassiker vermeiden. Dann habe ich die Kirche mit dem Weiher im Rücken fotografiert.“

Ein Besucher lobt die „tolle Lichtstimmung“, die die Fotos durchweg zeigen. Thomas Merkenich schmunzelt und sagt: „Zwischen zwölf und drei hat der Fotograf frei.“ Weil er selten morgens Zeit hat zu fotografieren, entstehen die meisten seiner Bilder am Abend – viele in der blauen Stunde. „Dann steht die Sonne tief, das Licht ist weich, und wenn die Lampen angehen, wirkt alles noch einmal ganz anders.“

Um das beste Licht zu finden, fährt Merkenich oft mehr als einmal zu seinem Motiv. Solange, bis er den richtigen Moment erwischt. „Für das Bild in der Fußgängerzone habe ich sechs oder sieben Abende herumgelungert“, erzählt der Fotograf. Beim Café Kroppenberg hätten die Inhaber sogar fast die Polizei gerufen, weil Merkenich mehrere Tage hintereinander um das Gebäude schlich.

Den großen Aufwand macht er sich übrigens auch, um hinterher möglichst wenig bearbeiten zu müssen: „Ich bin sehr Photoshop-faul“, gesteht Thomas Merkenich. „Deswegen versuche ich zum Beispiel auch schon durch die Perspektive Dinge zu retuschieren.“

Für das Forumpark-Foto etwa stellte Merkenich sein Stativ ins Wasser, um die Straße aus dem Bild zu bekommen:

Dabei muss Merkenich ganz besonders „sauber“, also gerade fotografieren – er benutzt nämlich ein sehr ungewöhnliches Objektiv mit einer Brennweite von 12 Millimetern. Das ist sehr weitwinklig und erlaubt dem Fotografen, viel mit ins Bild aufzunehmen. Doch sobald er die Kamera leicht kippt, nach oben oder nach unten, stürzen die Linien ein.

Die meisten Motiven kann Merkenich problemlos gerade fotografieren. Einmal musste Merkenich aber doch die Kamera kippen: bei der Kirche Sankt Johann Baptist in Refrath. „Sonst wäre der Kirchturm nicht mit drauf gewesen.“ In diesem Fall musste er die Linien in der Fotobearbeitungs-Software korrigieren.

Grundsätzlich findet Merkenich aber, man darf es seinen Bildern ansehen, dass sie mit einer speziellen Brennweite fotografiert sind. Sie ist sicher Teil der besonderen Atmosphäre, die seinen Fotos innewohnt. Zusammen mit der Lichtstimmung und den einfach schönen Motiven.

„Ihre Bilder sind für mich pure Erholung“, sagt ein Gast am Ende der Gesprächsrunde im Freiraum des Bürgerportals, „ich kann mich richtig in sie hineinfließen lassen.“

Ein anderer Besucher ergänzt: „Es ist einfach, in Bergisch Gladbach die hässlichen Ecken zu sehen. Sie beweisen, dass es auch anders geht.“ Thomas Merkenich nickt schmunzelnd. „Es ist im Alltag immer leichter, das Hässliche zu sehen. Aber ich möchte die Stadt schön zeigen.“

Die Idee zu der Serie kam aus einem Projekt, das Merkenich in Norddeutschland fotografiert hatte: „365 Tage Bremerhaven“. Er war 2014 dorthin gezogen und überrascht, wie kritisch die Menschen ihre Stadt sahen. „Als Neubürger habe ich die Stadt mit anderen Augen gesehen. Ich wollte den Leuten zeigen, wie schön Bremerhaven ist.“

2017 zog Merkenich zurück in die Heimat, hatte also wieder einen frischen Blick auf Bergisch Gladbach. Und wieder fiel ihm auf, dass viele andere Menschen die Stadt deutlich negativer sahen als er. Dem wollte er etwas entgegensetzen: „Vielleicht sind die Bilder Träumerei, aber ich mag es, die Dinge positiv darzustellen. Es wird schon genug kritisiert.“

Dank an die Sponsoren

Ausstellung und Kalender sind nur durch die Förderung der VR Bank Bergisch Gladbach – Leverkusen möglich geworden, herzlichen Dank für die Unterstützung.

Die Ausstellung wird gefördert durch einen Heimatscheck des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Ausstellung und Finissage

Die Ausstellung „GL in 52 Bildern“ ist noch am Samstag von 16 bis 20 Uhr und am Sonntag ab 16 Uhr zu sehen, im „Freiraum“, Hauptstraße 241. Am Sonntag, 17 Uhr, findet die Finissage statt, bei der Thomas Merkenich für Fragen zur Verfügung steht.

Kontakt: Thomas Merkenich Fotografie

Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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