Hotel Frankenforst Anfang der 1930er-Jahre

Gewerbegebiet und Feuerwache, Frankenforst und Frankenwald – unser Autor hat sich die Geschichte dieser aktuell viel besprochenen Region angesehen und festgestellt: Einen Frankenwald gibt es hier nicht, und der Frankenforst war ursprünglich deutlich größer.

Der „Frankenforst“ sorgt seit einiger Zeit in Bergisch Gladbach für Gesprächsstoff: Zuerst im Zusammenhang mit dem Flächennutzungsplan und dem dort eingezeichnetem Gewerbegebiet; jetzt aufgrund der Pläne für eine neue Feuerwache. Bürgerinitiativen sprechen nun vom „Frankenwald“. Doch: Gibt es den überhaupt?

Frankenforst (nicht Frankenwald)

Wenn wir heute von „Frankenforst“ sprechen, meinen wir einen Wohnbezirk bestehend aus Neu-Frankenforst (Haltestelle Kippekausen) und dem Villenviertel Alt-Frankenforst. Ursprünglich umfasste der Name aber ein weit größeres Gebiet.

Zu Zeiten eines Engel von Kippekausen wurde um 1622 in einer undatierten Urkunde die Grenze des Frankenforstes gegenüber den Refrather „Dorfschaften“ schriftlich festgelegt:

Ausgehend von der Alten Kirche wurde der Frankenforst vom heutigen „Kieppemühlenweg“ bis zum „Hasselsweiher“ (heute Golfplatzgelände) gegen das „Brücker Gemarkenland“ begrenzt. Von dort führte die Grenze zum alten Lehngut Lückerath, das nördlich wiederum an den großen Allmendewald „Heidkamp“ grenzte. Über das „Heidplätzchen“ in Bensberg und die „Welscherheide“ führte die Grenze weiter bis zur „Brüderstraße“, die vom „Broichergut“ (Broicher Straße) im Osten bis zum heutigen „Rennweg“ im Westen die Grenze zum Königsforst bildete. In Richtung Refrath führte sie über das „Klosterhöfchen“ und das Doppelsteingut („Pippelstein“) auf die „Wingertsheide“, von dort über den „Saaler Mühlenweg“ bis an die Wiesen nördlich des Saaler Mühlenbaches heran, etwa am heutigen „Sandbüchel“ und weiter bis an die „Refrather Heide“ (heute Straßenbezeichnung).
(Gerd Müller: Die Besitzungen des adeligen Praemonstratenserinnen-Klosters Meer in Sulsen-Immekeppel von der Klostergründung 1166 bis 1600, phil. Diss. Köln, 1969, S. 24-28.)

Der größere Teil von Frankenforst lag also nördlich der heutigen „Frankenforster Straße“, die erst seit 1958 so heißt. Zwischen ihr und der Bahnlinie bis hin nach Kippekausen liegt der heutige Wohnplatz „Frankenforst“.

Der neue Jagdweg

In einer Quelle von 1268 steht zu lesen: „in memore dicto Vrankenuorst, quod est proprietas monasterii de Mare..“ Der Frankenforst war also im Besitz des Klosters Meer, dem ursprünglich auch der Refrather Höfeverband gehörte, für den unsere Alte Kirche „Eigenkirche“ (Pfarrkirche) war.

Die Grafen von Ahr und Meer sind eng mit unserer Siedlungsgeschichte verflochten. Das Kloster war nach einer Erbteilung 1166 auf dem Besitz der Grafen von Meer in Meerbusch unweit von Krefeld gegründet worden. Im 14./15. Jahrhundert übten die Grafen von Berg als Schirmvögte über den Frankenforst das Wildbannrecht und die Waldhoheit aus.

Seit dem 16. Jahrhundert ernannten sie auch die Waldgrafen als Verwalter. Dieses Amt übte der herzogliche Oberjäger aus, zu dessen Aufgaben u. a. die Aufsicht über den Waldbestand gehörte. Er hatte auch Maßnahmen zu treffen gegen Wilddieberei und Holzdiebstahl sowie die Landwirtschaft vor Wildschäden zu schützen.

Frankenforster Straße / Neuer Jagdweg

Mit dem Bau des neuen Schlosses unter Johann Wilhelm II (volkstümlich „Jan Wellem“) wurde auch ein Jagdweg angelegt, der vom Schloss geradewegs in den Königsforst führte und den Frankenforst durchschnitt (heute Frankenforster und  Kölner Straße).

Der „Neue Jagdweg“ war seit 1716 dem Landesherren und seinem Gefolge vorbehalten. Er mündete da in den Königsforst, wo später das Hotel Frankenforst (heute RoWa –Wagner) gebaut wurde, traf auf die von Brück kommende „Aggerstraße“ (Lustheide/Frankenforster Str.) und die von dort nach Untereschbach führende „Brüderstraße“.

Seine Fortsetzung in den Königsforst ist der heutige „Rather Weg“. Er war bis in den Zweiten Weltkrieg eine Allee.

Autobahn – und weiter?

Bis zum Bau der A4 war das angrenzende Gebiet ein geschlossenes Waldgebiet,  durchschnitten vom „Rather Weg“, der den „Rennweg“ kreuzte. Teilweise wurde es seit 1935 als Munitionslager für den Feldflugplatz in Merheim (heute Krankenhaus) verwendet. Davon zeugen noch Bunkerreste und immer wieder Munitionsfunde.

Der Autobahnbau ließ nur den schmalen Streifen stehen, um den es in Sachen Gewerbegebiet und nun Feuerwache seit geraumer Zeit geht. Der Rennweg wurde unterbrochen und erhielt auch keine Unterführung.

In einer Zeit, in der jeder Baum als Sauerstofflieferant wichtig ist und gerade der Königsforst durch den Borkenkäfer stark dezimiert wird, ist der Widerstand gegen das Fällen – gerade von Laubbäumen – verständlich. Feuerwachen sind andererseits buchstäblich Lebensrettungs-Einrichtungen. Allerdings muss die Frage erlaubt sein, ob nicht der Standort der Feuerwehr an der Steinbreche nahe genug ist.

Hinweis der Redaktion: An der Steinbreche in Refrath unterhält die Feuerwehr eine Rettungswache (für die Rettungssanitäter) und das Feuerwehrhaus des Löschzugs Refrath der freiwilligen Feuerwehr in der Steinbreche. Echte Feuerwachen für die hauptamtliche Feuerwehr gibt es nur in der Innenstadt (Hauptwache, Pfaffrather Straße) und in Bensberg (Feuerwache Süd, Wipperführter Straße). Mehr Infos dazu finden Sie hier. In einer ersten Version dieses Beitrags war die Standort in der Steinbreche als Feuerwache bezeichnet worden; das war falsch. 

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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4 Kommentare

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  1. Liebe Redaktion, es geschehen noch immer Wunder: Seit ich mit meiner Frau im schönen Refrath wohne, haben wir nur unseren Frankenwald zwischen Kulmbach, Kronach und Hof (im nördlichsten Zipfel Bayerns) etwas vermisst. Nun gibt es auch hierzulande einen ‚Frankenwald‘ – und alles ist wieder in Butter. Falls einer Ihrer Leserinnen oder Leser den echten Frankenwald (unsere Heimat) besuchen möchte, können wir ihnen gerne ein paar Wandertipps geben. Unser Frankenwald ist allerdings ein bißchen größer als der hiesige – nach meiner groben Schätzung etwa tausendmal! Aber wer gut zu Fuß ist, schafft das mit links in etwa drei bis vier Tagen… Beste Grüße, Kurt Blüchel.

  2. Herzlichen Dank, lieber Herr Müller für die in der Sache Wald sehr schön beschreibende und aufklärende Darstellung, ein „Reststück“ Königsforst an dieser Seite der Straße also.

    Wenn nun für die Bebauung dieses Waldes mit der Feuerwehr das Gemeinwohl bemüht wird, dann wäre zunächst einmal zu klären, was im Sinne des Gemeinwohls heute das höherwertige Gut ist, bei den sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen und beschlossenen Anstrengungen auf allen Ebenen (Bund, Land Kommune).
    Da hat sich wohl einiges gewaltig geändert, jedenfalls weiter so ist keine Option und dieses Vorhaben nun schon über mehr als 12 Jahre spiegelt allein über die Laufzeit schon weiter so.

    Des Weiteren ist die Frage erlaubt, warum in dem gerade verabschiedeten FNP diese Fläche als Waldfläche ausgewiesen ist? Wusste die Linke nicht, was die Rechte tut? Oder wähnte man sich sicher, dass man das mit der Feuerwehr als Partner schon durchbringt?

    Eine Frage aber und die ist ganz besonders schmerzhaft für mich, wenn denn das Gemeinwohl und die Frage danach einen so hohen Stellenwert haben, warum dauert es dann über 12 Jahre, bis eine (nicht) mögliche Standortoption gefunden ist?

    Tatendrang sieht anders aus.

  3. Wenn dieses Land Millionen von Migranten aufnimmt, müssen für diese auch Wohnraum und Arbeisplätze geschaffen werden. Dazu muss man bestehende Wohngebiete verdichten und neue ausweisen. Da wir nicht alle im öffentlichen Dienst beschäftigen können, braucht es neue Gewerbegebiete. Sinnvoller Weise baut man diese in der Nähe von Autobahnauffahrten; so wie im „Frankenwald“!!!