Zum 100. Geburtstag von Gottfried Böhm sprechen vier Böhm-ExpertInnen in der Herz Jesu Kirche in Schildgen über seine großen Gladbacher Bauten, seine nicht realisierten Städtebauprojekte und vieles mehr. Es moderiert Bürgerportal-Reporterin Laura Geyer.

Mit dem Bensberger Rathaus und dem Bergischen Löwen hat Gottfried Böhm zwei Gebäude geschaffen, die die Skyline von Bergisch Gladbach ganz entscheidend prägen. Außerdem hat der weltbekannte Architekt das Kinder- und Jugenddorf Bethanien gebaut und die Herz Jesu Kirche in Schildgen.

Die katholische Pfarrkirche war sein erstes Bauwerk in Bergisch Gladbach. Es war 1957, Gottfried Böhm hatte gerade erst das Büro des Vaters übernommen. Dominikus Böhm, der große Kirchenbauer, war kurz zuvor gestorben.

1959 erfolgte der erste Spatenstich, eineinhalb Jahre später war die Herz Jesu Kirche fertig: Ein außergewöhnliches Gotteshaus, zur Straße hin durch eine Mauer abgegrenzt, über die sich sechs unterschiedlich hohe, kegelförmige Türme erheben. Mehrere Höfe führen in den schlichten Innenraum, in dessen Mittelpunkt die Altarinsel mit ihrem darüber schwebenden Baldachin steht.

Die Herz Jesu Kirche bei ihrer Einweihung 1960

Die Herz Jesu Kirche: Schildgens „katholische Moschee“, oder ein Nachbau des jüdischen Tempels von Jerusalem? So oder so: Hier treffen sich Okzident und Orient. Und hier trifft sich Schildgen. Denn mit der Kirche hat Gottfried Böhm auch ein Zentrum geschaffen für eine aus einzelnen Höfen und Siedlungen chaotisch zusammengewachsene Ortschaft.

Ein geeintes Bergisch Gladbach

In den folgenden Jahren baute Böhm das Kinder- und Jugenddorf Bethanien, das Rathaus Bensberg und das Bürgerhaus Bergischer Löwe. Als Bensberg 1975 Teil von Bergisch Gladbach wurde, entwickelte Gottfried Böhm einen Planungsvorschlag, der die beiden Zentren städtebaulich miteinander verbinden sollte. Das Projekt wurde nie realisiert, bis heute sind die beiden Stadtteile eher getrennt als geeint.

Am 23. Januar 2020 ist Gottfried Böhm 100 Jahre alt geworden. Dort, wo sein Wirken in Bergisch Gladbach begann, treffen nun vier Menschen zusammen, die sich persönlich oder beruflich intensiv mit Böhms Werk befasst haben: Paul Böhm, Katherin Bollenbeck, Karl Stabenow und Stefan Knecht.

Besondere Einblicke verspricht Gottfried Böhms Sohn Paul, selbst ein bekannter Architekt, der über viele Jahre mit seinem Vater zusammengearbeitet hat. Er diskutiert mit VertreterInnen von Kirchenverwaltung (Katherin Bollenbeck) und Kommunalverwaltung (Karl Stabenow) sowie mit Stefan Knecht, Autor des Buches „Gottfried Böhm in Bergisch Gladbach“.

Dabei geht es um Gottfried Böhm und sein Werk, um die Identität Bergisch Gladbachs, um Architektur, Kirche und Städtebau.

Die vier GesprächspartnerInnen:

Paul Böhm

Der jüngste Sohn Gottfried Böhms ist selbst Architekt. Er arbeitete zunächst in dem vom Vater geleiteten „Büro Böhm“ mit, seit 2001 ist er selbstständig. Mit seinem Vater Gottfried hat er unter anderem zusammen das Hans-Otto-Theater in Potsdam gebaut – und das „Peek & Cloppenburg“-Kaufhaus in Bergisch Gladbach. Weit über die Region hinaus ist er vor allem bekannt durch die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld.

Katherin Bollenbeck

Die Architektin kennt sich gut aus mit den Kirchengebäuden im Erzbistum Köln: Sie leitet die Abteilung Bau im Generalvikariat. Dabei hat sie nicht nur viel mit der Vergangenheit, sondern auch mit der Zukunft der Kirche zu tun – die man nicht zuletzt architektonisch und stadtplanerisch denken muss.

Karl Stabenow

Als Leiter der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Bergisch Gladbach beschäftigt sich der Architekt mit der Struktur und Entwicklung der Stadt. Denkmäler tragen schließlich zu einer unverwechselbaren Stadtidentität bei. Dazu gehören auch alle vier großen Böhm-Bauten in Bergisch Gladbach.

Stefan Knecht

Der Bergisch Gladbacher hat 2018 sein Architekturstudium mit dem Werk „Gottfried Böhm in Bergisch Gladbach“ abgeschlossen. Darin beschäftigt sich er mit der immensen Bedeutung von Böhms Werk in seiner Heimatstadt: Er zeigt auf, wie seine Bauten sowie nicht realisierten Projekte als Klammer gegen die Spaltung der Stadt dienen (könnten).

Das Gespräch moderiert Journalistin Laura Geyer, die Gottfried Böhm vor wenigen Monaten persönlich kennenlernen und interviewen durfte. Der daraus entstandene Artikel ist im Bürgerportal erschienen sowie im historischen Schildgen-Buch „Die Königin der Kolonialwaren“.

Infos

Wann: Freitag, 6. März 2020, 19.30 Uhr
Wo: Pfarrsaal Herz Jesu in Schildgen, Altenberger-Dom-Straße 140, 51467 Bergisch Gladbach
Wieviel: Eintritt frei – gerne Spenden.  
Anmeldung erwünscht: Tel. 02202 2609296, E-Mail info@himmel-un-aeaed.de
Das Projekt ist Teil der Veranstaltungsreihe Gottfried Böhm – Architekt & Bildhauer – 6 Begegnungen in Schildgen. Es wird durchgeführt vom ökumenischen Begegnungscafé Himmel un Ääd e.V. in Kooperation mit der Herz Jesu Gemeinde Schildgen und dem Katholischem Bildungswerk.

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Himmel un Ääd ist das ökumenische Begegnungscafé in Schildgen. Sie finden uns auf der Alteberger-Dom-Str. 125

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