Im Großen und Ganzen begrüßen Handelsverband und Handwerkerschaft die Lockerungen beim Corona-Schutz. In einem Punkt hätte sich Geschäftsführer Marcus Otto aber mehr gewünscht. Zudem bereitet er die Kunden auf steigende Preise vor.

Der Geschäftsführer des Handelsverbands NRW – Rheinland und Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bergisches Land, Marcus Otto, beschreibt den Bund-Länder-Beschluss generell als wohl überlegt. „Die Politik vollzieht eine Gratwanderung zwischen Gesundheitsschutz und wirtschaftlichen Erfordernissen. Dieser Kompromiss zeigt die Stärke unseres Landes: Ein verantwortungsvoller und verantwortungsbewusster Umgang!“ 

Im Folgenden beantwortet Otto einige Fragen zum Thema.

Begrüßen Sie die mögliche Öffnung der Autohausverkaufsräume? 

Marcus Otto: Ja, sehr! Die Kfz-Branche ist kein Bereich, wo in der Ver-gangenheit Massen hineingelaufen sind. Außerdem sind hier sehr große Verkaufsflächen vorhanden. Die Möglichkeit, die nötigen Abstände ein-zuhalten, sind gegeben. Daher sehen wir die Wieder-Eröffnung als sehr gute Konsequenz. Autohäuser sind keine „Virenschleudern“. 

Wie sieht es bei den Friseuren aus? 

Marcus Otto: Einen festen Termin zu benennen, das ist eine positive Entscheidung. Jetzt haben die Friseure Zeit, sich auf die Maßnahmen einzurichten, die bis zum 4. Mai ergriffen werden können: u.a. Hygiene-maßnahmen, ggfs. Trennwände zwischen den einzelnen Stühlen, Ge-sichtsschutzmasken für Friseure und Kunden sowie Desinfektions-Handschutz.

Worüber sich die Betriebe sicherlich Gedanken machen müssen, ist die Preisgestaltung. Die Maßnahmen, die jetzt ergriffen werden, sind auch teurer als der sonst übliche Kostenrahmen. Das bedeutet unter anderem auch, dass der ein oder andere Friseur aus betriebswirtschaftlichen Gründen, die Kosten weitergeben muss und demnach die Preise eventuell moderat angehoben werden müssten. 

Kommen wir zum Einzelhandel. Alle Geschäfte mit bis zu 800 qm Verkaufsfläche dürfen ab Montag, 20. April, wieder öffnen. Eine gute Entscheidung?

Marcus Otto: Ganz ehrlich, ich hätte mir eine andere Art und Weise des Vergehens gewünscht. Bei einer Einheit mit mehreren tausend Quadratmetern beispielsweise hätte man mit Eingangskontrollen und mit Hygienemaßnahmen verantwortungsbewusst mit der Situation umgehen können. Zudem verteilen sich die Menschen auf einer großen Fläche manchmal auch noch besser als auf kleineren Flächen. Von daher halte ich die 800 qm für ein wenig „gewillkürt“. Ich hätte mir hier einen weitergehenden Schritt gewünscht. 

Wie viele Geschäfte fallen denn schätzungsweise unter die 800 qm-Grenze? 

Marcus Otto: Also der familiengeführte Einzelhandel wird sich in dieser Größenordnung meistens befinden. Es gibt sicherlich Grenzbereiche. Aber das betrifft schon einen sehr großen Teil. Aus diesem Grund kann man diesen Schritt natürlich befürworten, da nun wieder Geld erwirtschaftet werden kann. 

Ist es ebenso erfreulich, dass die Fahrradhändler ab Montag, 20. April, wieder den Verkauf beginnen dürfen? 

Marcus Otto: Das ist sehr gut. Gerade jetzt in der Zeit des Frühjahrs, wo die Vorbereitungen für den Sommer getroffen werden und viele Fahrradfahren möchten, finden wir auch diese Öffnung sehr wichtig. Elektromobilität hat ja auch einen sehr guten Charakter in Elektro-Fahrrädern gefunden und ich glaube, viele Menschen haben darauf gewartet, dass sie in diesem Segment wieder einkaufen können. 

Hintergrund: Die Ministerien entscheiden heute (Donnerstag, 16. April 2020) über den Entwurf von Bund und Ländern. Danach ist eine aktuelle Verordnung des Landes NRW zu erwarten. Dabei können noch Maßnahmen konkretisiert oder angepasst werden. 

Den Bund-Länder-Beschluss vom 15.4. können Sie hier im Wortlauf nachlesen.

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2 Kommentare

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  1. Das Löwen-Center ist bestimmt ein schlechtes Beispiel für die „normale“ Verteilung von Personen auf Verkaufsfläche und die 800qm kommen aus der Bauordnung, wo es ab dieser Quadratmeterzahl ein großflächiger Einzelhandel ist.
    Klar, über die Quadratmeterzahl kann man streiten. Die genaue Zahl hat wohl auch für viel Diskussionen gesorgt. Frau Merkel wollte weniger. So wie ich es verstanden habe, ist die Verkaufsfläche aber auch nicht das Problem, sondern der Weg dahin. Je größer das Geschäft, desto mehr Personen machen sich – so der Gedanke – auf den Weg dahin und begegnen sich auf Bürgersteig, ÖPNV oder direkt vor dem Geschäft in einer Einlaßschlange, die dann (1,5 Meter Abstandregel) sehr lang werden kann.
    Interessant wird noch wie diese Dinge jetzt in den Verordnngen der Bundesländer umgesetzt werden. Dort gibt es noch reichlich Spielraum. Ein Beispiel: Rheinberg-Galerie hat mehr als 800 qm Verkaufsfläche, aber die einzelnen Geschäfte haben in der Regel weniger als 800 qm Verkaufsfläche. Die Bundesländer müssen jetzt selber entscheiden wie sie den Bundesbeschluss umsetzen. Gilt das Einkaufscenter als Ganzes oder immer nur die einzelnen Geschäfte?

    However, die Politik musste in der letzten Zeit viele Entscheidungen treffen, bei denen viele von uns bestimmt froh sind, dass sie sie nicht treffen mussten. Ich bin es auf jeden Fall. Meckern und Besserwissen ohne konkrete Auswirkungen ist da deutlich einfacher.

  2. Die 800m² Regel ist kompletter Bullshit. Je größer die Verkaufsfläche umso weniger Personen je m². Oder wann hat man im Löwen City Center schon mal die Leute wie im Bienenstock aufeinander gesehen? Auch bei P&C gibt es ausreichend legroom. Einfach nur lächerlich, was sich vollkommen Abgehobene so ausdenken. Wenn man die in Pressekonferenzen so sieht, haben die auch immer die Haare schön, oder zumindest nicht grau, wie man das auch bei einem 5 wöchigen Lockdown bei einer 66jährigen erwarten würde. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.