Grüne, FDP und SPD vollziehen in der Haltung zum neuen Stadthaus am S-Bahnhof eine Kehrtwende. Statt eines „spektakulären architektonischen Ausrufezeichens” wollen die drei Fraktionen einen schlichten Zweckbau auf dem Zanders-Gelände prüfen. Die Stadtbücherei soll ganz entkoppelt werden. Hintergrund sind die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise.

Das Ampel-Bündnis hatte sich mit Blick auf die Kommunalwahl im September formiert; den Wahlkampf hatte Bürgermeisterkandidat Frank Stein mit Beginn der Corona-Krise aber ebenso wie der CDU-Bewerber Christian Buchen eingestellt. Die Rats- und Ausschusssitzungen wurden ausgesetzt, aber hinter den Kulissen arbeiten die Fraktionen an Plänen für die Zeit nach/mit Corona.

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Die CDU hatte gerade angekündigt, alle Aufgaben und Ausgaben der Stadt auf den Prüfstand zu stellen. Das Stadthaus erwähnte sie dabei nicht; sie verfolgt die steigenden Kostenprojektionen ohnehin kritisch.

An diesem Punkt setzen Grüne, FDP und SPD jetzt konkret an. Sie verweisen auf die letzte Kostenschätzung von 64 Millionen Euro, womit das ganze Projekt bald auch mehr als 80 Millionen kosten könnte. Und das in einer Zeit, in der Corona zu heftigen wirtschaftlichen Verwerfungen führen könne.

Auf Verzichtbares verzichten

„Wir wollen, dass die Arbeit am Stadthaus-Neubau am S-Bahnhof durch ein vorerst 6-monatiges Moratorium unterbrochen wird”, fassen die Fraktionsvorsitzenden Klaus Waldschmidt (SPD) , Edeltraud Schundau und Dirk Steinbüchel (Grüne) sowie Jörg Krell (FDP) die Haltung zusammen.

Da allen Kommunen „gerade die Einnahmen durch die Corona-Krise wegbrechen, halten wir diesen Planungsstopp derzeit für unumgänglich“, lautet die Begründung. Einen entsprechenden Antrag haben die drei Fraktionen für die nächstmögliche Ratssitzung eingereicht

Ohnehin sei der Neubau des Stadthauses an der S-Bahn auch „in Zeiten boomender Konjunktur und stabiler öffentlicher Finanzen” nur mit Vorbehalt zu vertreten gewesen. Durch die Corona-Krise hätten sich die Rahmenbedingungen jedoch gravierend verändert. In den kommenden Jahren müssten alle öffentlichen Investitionen auf das Notwendigste reduziert werden.

Die alten Stadthäuser am Markt sind Sanierungsfälle

Kein „architektonisches Ausrufezeichen”, ….

Ein Ersatz der völlig maroden alten Stadthäuser am Konrad-Adenauer-Platz sei jedoch nach wie vor nicht verzichtbar, so das Bündnis. Eine Sanierung des Bestands sei „praktisch nicht umsetzbar”, ein Neubau notwendig.

Nicht notwendig sei dagegen „das Setzen eines spektakulären architektonischen Ausrufezeichens am S-Bahnhof”. Das passe weder in die zukünftigen finanziellen Möglichkeiten der Stadt, noch könne den Bürgern vermittelt werden, dass „in der Zeit der größten wirtschaftlichen Krise der Nachkriegszeit ein solches Projekt realisiert wird”.

Hier wollte die Stadt eigentlich ein repräsentatives Stadthaus bauen

… sondern ein „funktionaler Zweckbau”

„Deshalb wollen wir, dass durch eine externe Machbarkeitsstudie untersucht wird, zu welchen Konditionen ein funktionaler Neubau auf dem Zanders-Gelände errichtet werden kann“, erklären die Fraktionsvorsitzenden.

Konkrete wollen die drei Fraktionen eine externe Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Die solle klären, zu welchen Konditionen ein funktionaler Neubau auf dem Zanders-Gelände errichtet werden kann.

Auch bei einem Weiterbestand der Papierfabrik ist auf dem Zandersgelände viel Platz. Ein Klick auf das Foto eröffnet einen interaktiven Rundflug.

Ein eigener Standort für die Stadtbücherei

Der neue Standort der Stadtbücherei, die im geplanten Stadthaus viel Platz bekommen sollte, soll nach Vorstellung von Grünen, FDP und SPD entkoppelt und zu einem eigenen Projekt gemacht werden. Das könnte zum Teil des Integrierten Handlungskonzepts Stadtmitte gemacht werden – und so zusätzliche Fördermittel einbringen.

Erst wenn die Machbarkeitsstudie vorliege, könne über die weitere Vorgehensweise entschieden werden, bis dahin soll das Planungsmoratorium gelten.

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Redaktion

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3 Kommentare

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  1. Grün – Gelb – Rot tritt beim neuen Stadthaus auf die Bremse

    Wenn auch die Rahmenbedingungen nicht wirklich erfreulich sind, die offensichtlich den Anstoß für den Tritt auf die Bremse beim geplanten Neubau für ein Stadthaus gegeben haben, aus vielerlei Gründen ist es eine gute Entscheidung zu dieser Zeit.
    Ein Punkt ist dabei ganz besonders hervorzuheben. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, wo für Teile des Zanders Geländes Ziele für die Gestaltung und Verwendung dieser Gebäude und Flächen und konkrete Planungen angestellt werden. Was für eine Chance. Vielleicht ist bei diesem möglichen schlichten Zweckbau auf dem Zanders Gelände, der in Rede ist, sogar eine Kombination mit historischer Bausubstanz möglich. Engelskirchen lässt grüßen.
    Auch dieses städtische Eigentum mit historischer Bausubstanz muss erhalten und gepflegt werden. Was gäbe es authentischeres für Bergisch Gladbach, als ein Stadthaus bei/mit Zanders.

    Die Innenstadt, die Verkehrsführung, die Mobilität, die Brachflächen schreien geradezu nach neuen konzeptionellen Ideen mit Blick auf die ganze Stadt. Kostengünstiger könnte es wahrscheinlich sogar mit weniger externer Expertise gehen und dabei der Örtlichkeit besser angepasst.

    Wahrscheinlich erleichtert diese Entscheidung auch der CDU Fraktion die Arbeit bei der Neugewichtung aller städtischen Vorhaben.
    Ein dabei zu betrachtendes anderes Vorhaben wäre ganz bestimmt der Stand der Arbeiten zum InHK Bensberg. Sollten sich zum Beispiel Mehrkosten bei der Treppenanlage zeigen, Corona bedingte Mehrkosten jetzt versteht sich, dann gäbe es eine einfache Möglichkeit einen Kostenausgleich herbei zu führen. Den Emilienbrunnen einfach stehen lassen, so wie er steht. Die Auffahrt zum Schloss bliebe ohne Schaden erhalten und vielen Bürgerwünschen würde Genüge getan.

    Trotz Corona, in jedem Anfang wohnt ein Zauber inne….

  2. Ich weiß nicht, wer genau sich mit dem neuen Stadthaus ein Denkmal setzen wollte und es ist bemerkenswert, dass nun die Ampel mit dem Kämmerer als Bürgermeisterkandidat an der Spitze dieses Denkmal ablehnt. Es war bereits vor der Pandemie völlig überfrachtet, mit 64 Millionen zuletzt veranschlagt, aber wohl ohne Grenzen nach oben, wie das so üblich ist. Jetzt ist die Zeit, sich vonüberbordernden Objekten zu verabschieden. Dazu hätte auch die Wiese unterhalb des VPH gehört, die sich aber bereist mitten in der Umgestaltung befindet. Vielleicht fällt jemandem aus der Verwaltung auch der Bahndamm ein, der bereits Millionen verschlungen hat ohne sich zu verändern. 30 Jahre Gezerre sind genug. Das wäre ein lohnendes Objekt zu zeigen, dass man es, von der Undurchführbarkeit mal abgesehen, mit dem unerlässlichen Einsparen ernst nimmt.

  3. Die Anlage des Stadtgartens vor dem VPH sofort stoppen und den alten Zustand wieder herstellen.