Die Öffnung der Kitas geht weiter, wurde heute überraschend von der Landesregierung bekannt gegeben. In gut zwei Wochen sollen alle Kinder in die Tagesbetreuung zurück dürfen. Der Betreuungsumfang ist jedoch reduziert, es gibt nur feste Gruppen – und viele Regeln.

Eltern können aufatmen, zumindest ein wenig: Die schrittweise Öffnung der Kitas erreicht mit dem geplanten, eingeschränkten Regelbetrieb ihr vorläufiges Etappenziel. Ab 8. Juni stehen Betreuungsangebote für alle Kinder bereit. Nur in Ausnahmefällen sollen die Kitas eine reduzierte Stundenzahl anbieten dürfen.

Zuvor waren die Kitas am 14. Mai für Vorschulkinder mit Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe geöffnet worden. Am 28. Mai folgen in einem Zwischenschritt die restlichen Vorschulkinder.

Familienminister Stamp: „Die Belange der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir fest im Blick. Darum haben wir nicht nur einen ausreichenden zeitlichen Vorlauf zur Vorbereitung gewählt, sondern werden die Arbeit der Kitas vor Ort konkret unterstützen.“ Foto: Land NRW

Die Regelungen für den 8. Juni sehen folgendes vor:

  • Das Betretungsverbot für Kitas und Kindertagespflege wird aufgehoben
  • Die bisherige Notbetreuung wird aufgelöst
  • Alle Kinder dürfen wieder zu einem reduzierten Betreuungsumfang von 35, 25 und 15 Stunden pro Woche statt 45, 35, 25 in die Kita kommen
  • Kitas, die sich aufgrund räumlicher und personeller Kapazitäten in der Lage sehen, ein höheres Stundenangebot zu realisieren, können dies in Absprache mit den zuständigen Aufsichtsbehörden ermöglichen
  • Kitas, die aufgrund der Personalsituation außer Stande sind, dieses Angebot zu erbringen, können in Absprache mit dem örtlichen Jugendamt auch nach unten abweichen; dies sollte nur in Ausnahmefällen geschehen
  • Fälle des Kinderschutzes und besondere Härtefälle sind beim Betreuungsumfang zu berücksichtigen
  • Der eingeschränkte Regelbetrieb ab dem 8. Juni gilt auch für Kinder, deren Eltern in der bisherigen Notbetreuung im Einzelfall eine umfangreichere Betreuung in Anspruch nehmen konnten
  • Auch für die Kindertagespflege fällt das Betretungsverbot zum 8. Juni

Um die Kitas vor Ort zu unterstützen, liefert das Land zwei Millionen FFP-2 Masken und drei Millionen OP-Masken an die Jugendämter. Zudem gibt es einen finanziellen Zuschuss an die Träger zum Ausgleich der außergewöhnlichen zusätzlichen Belastungen, die durch die Arbeitsschutzmaßnahmen entstehen.

Ob die Arbeit der Erzieher mit Atemmasken praktikabel ist, und ob alle Kitas in Bergisch Gladbach die weiteren Schritte der Öffnung personell und organisatorisch umsetzen können, ist derzeit nicht bekannt. Weder die Stadt Bergisch Gladbach noch die Träger der Kitas wollten am Mittwoch Stellung nehmen, offenbar war sie von den neuen Regeln überrascht worden.

Bis dato schränken z.B. die Regelungen zu Risikopersonen die Arbeit vor Ort zumindest teilweise ein. Entsprechende Anfragen des Bürgerportals bei den Trägern laufen derzeit.

Das Dreirad an der Kita Quirl wartet auf Fahrer:innen

Beschränkungen

Die Öffnung der Kindertagesbetreuung im eingeschränkten Regelbetrieb erfolgt mit quantitativen wie qualitativen Beschränkungen. Standards des Kinderbildungsgesetzes können noch nicht wieder erreicht und der Fachkraftschlüssel noch nicht erfüllt werden.

Das nordrhein-westfälische Familienministerium hat Standards für den eingeschränkten Regelbetrieb definiert:

  • Es gibt nur feste Gruppen, keine offenen Konzepte
  • In jeder Gruppe wird mindestens eine Fachkraft eingesetzt
  • Die Gruppen sind weiterhin räumlich voneinander getrennt
  • Alle Kontakte müssen nachvollziehbar sein, die Hygienekonzepte eingehalten werden

Hintergrund der Öffnung

Für den Fall sinkender Infektionszahlen hat das nordrhein-westfälische Familienministerium nach eigenen Angaben frühzeitig konzeptionelle Vorschläge unter interdisziplinärer wissenschaftlicher Begleitung aus Kindheitspädagogik und Hygiene erarbeitet, wie Kita und Kindertagespflege in Zeiten von Corona einen Betrieb mit steigender Anzahl von Kindern ermöglichen können.

In den Räumen der Kita Quirl wird es ab dem 8. Juni wieder quirliger

Der eingeschränkte Regelbetrieb erfolgt im Rahmen des Infektionsschutzes. Zudem gibt das Land den Trägern nach eigenen Angaben Zeit, um die notwendige Umstellung sorgfältig vorbereiten zu können. Der eingeschränkte Regelbetrieb ab dem 8. Juni ist wie alle Schritte des Öffnungskonzepts eng mit den Kommunen und allen anderen Trägern abgestimmt, schreibt das Land.

Parallel zur Öffnung läuft ein wissenschaftliches Monitoring in einer Modellkommune. Dabei werden regelmäßig wöchentlich mehrere tausend Kinder und Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen getestet, das Infektionsgeschehen genau beobachtet und ausgewertet. Zudem werden die Schutzmaßnahmen überprüft.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Ich finde es wirklich gut, dass die Tagespflege für Kinder langsam wieder öffnet und uns Eltern die Chance gibt ihre Kinder wieder betreuen zu lassen. Wichtig ist es auch, dass die Öffnung der Kindertagesbetreuung im eingeschränkten Regelbetrieb erfolgt mit quantitativen Beschränkungen.

    Für die Kinder wird es gut sein wieder aus dem Haus zu kommen und mit anderen in Kontakt zu sein. Wir hoffen mal, dass sich die Infektionszahlen nicht weiter entwickeln und wir bald alle wieder zur Normalität kommen. Danke für diesen Artikel.