Pfingsten auf dem Spielplatz am Quirlsberg: Ein leeres 5-Liter-Fass, Glasflaschen, Scherben, Pizzakartons. Aber keine Kinder. Hier würde ich auch nicht spielen wollen. Und es sagt auch etwas über die Bewältigung der Corona-Krise aus.

Wir sind leider immer noch eine Wegwerfgesellschaft. Was wir nach Hause schleppen, landet anschließend in Teilen wieder in der Mülltonne. Umverpackungen, Gadgets, Lebensmittel, Werbegeschenke, Einmalflaschen. Das ist nicht schön, aber hier weniger das Thema. Immerhin landet der Abfall IN der Mülltonne.

Im öffentlichen Raum ist man da weniger sorgsam: Tatort Spielplatz am Quirlsberg am Pfingstwochenende. Dort stehen gleich zwei Abfallbehälter. Der Müll liegt indes drum herum verstreut. Mit potentiell drastischen Konsequenzen.

Kinder, die im Gras krabbeln, schneiden sich an den Scherben. Naschen einen Rest aus dem Pizzakarton. Entdecken Müll als Spielzeug. Bierdose statt Matschhose.

Kinder bekommen vorgelebt, dass es OK ist, seinen Müll NEBEN statt IN die Tonne zu legen. Auch wenn die Eltern es nochmal einordnen.

Das sagt eine Menge über die Verursacher aus: Wer gefährdet mutwillig Kinder? Wer legt achtlos Müll neben einen Abfallbehälter? Wer überlässt die Entsorgung anderen? Wer definiert Spaß als Freiheit ohne Grenzen?

Ich bin ratlos. Da wirft die Wegwerfgesellschaft ein Stück weit auch ihre eigenen Werte weg. Wer nicht weiß, dass die eigene Freiheit nur bis zur Freiheit des anderen reicht, der hat ein Problem.

Und der wird sich vielleicht auch mit den Regelungen in der Corona-Krise schwer tun. Denn hier kommt es ganz entscheidend auf Rücksichtnahme an. Ohne dass gleich jemand mit dem erhobenen Zeigefinder daneben steht. Man kann es auch Verantwortung nennen.

Das ist übrigens nicht unbedingt an den Haaren herbeigezogen. Die Müllarchäologie, auch Garbologie genannt, untersucht den Abfall von Gesellschaften. Sie erfährt so mehr über deren Lebensweise und zieht soziale und kulturelle Rückschlüsse daraus. Die Fundorte gehören mit dazu.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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3 Kommentare

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  1. Die Verantwortungslosigkeit der Müllverursacher wird getoppt durch die Praxis von den Mitarbeitern von StadtGrün, die – wenn sie das Grün mähen – den Müll nicht einsammeln, sondern mit ihren Maschinen schreddern. Die kleinen Teilen bleiben liegen. Bis sie verrotten. Bei manchen Plastikteilen und Kippen dauert das viele, viele Generationen.

  2. Ich würde mir von Herrn Crump in der gleichen klaren Sprache ( danke ) wie im Artikel über den Spielplatz auch einen Artikel zum Thema “Eine Kuhweide ist keine Hundeauslaufbahn,
    da hier hochwertige Lebensmittel hergestellt werden”, wünschen. So kann man Hundehalter zwar darauf hinweisen , bekommt aber zur Antwort, dass der Hund dies aber so liebe. Dies ist mehrfach geschehen am Igeler Hof in der Nachbarschaft zur Villa Zanders.