Teil 2 der Serie „Unangenehm anders”

Morgens um sechs Uhr scheint die Welt noch in Ordnung. Aber dann: In der Innenstadt verlassen Menschen ihre Wohnungen …

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… und lassen ihre Hunde die spärlichen Grünanlagen düngen. Man hat ja ein Herz für Tiere, ein Herz für „den besten Freund des Menschen“. Wenn die Zeit knapp ist, muss das Pflaster neben dem Pflanzkübel herhalten.

Jetzt sehe ich das „Morgengrauen“ mit ganz anderen Augen. Auch die Aussage „auf den Weg machen“ bekommt hier eine neue Bedeutung, ebenso der befreiende Satz „alles hinter sich zu lassen“.

Die Haufen auf Straßen, Wegen, Spielplätzen, im Park und im Wald sind eigentlich nicht zu übersehen. Und sie müssen ja irgendwo herkommen. Aber der Hund, der Hund ist nicht das Schwein.

Gesehen in Köln

De Gaulle hat einmal über Frankreich gescherzt, dass man kein Land regieren könne, in dem es 246 Käsesorten gäbe. Und wie ist es bei uns?

Jeden Abend zur besten Tagesthemenzeit treten in Deutschland Millionen von Menschen vor die Tür, um ihren besten Freunden (es gibt über neun Millionen davon in Deutschland, also statistisch rund 10.000 in Bergisch Gladbach) beim Absetzen ihrer Wurst zuzuschauen. Was macht das mit den Menschen? Ich muss einmal meinen Psychiater fragen.

Am nächsten Morgen treten dann andere in die Haufen. So haben alle etwas davon.

An der Strunde

Einige Halter, die den Kot tatsächlich eintüten, sollen – so wurde mir bei der Recherche erzählt – die Tüten in Nachbars Garten oder im Wald in die Bäume schleudern. Eine neue Sportart? Kotbeutel-Weitwurf?

Köln, Theodor-Heuss-Ring

Bryce Canyon, Utah, USA

Hunden scheint es wurscht zu sein, wo sie ihre Wurst absetzen. Einigen Hundehalterinnen und Hundehaltern offensichtlich auch. Und der Verwaltung sowieso. Sonst würden in der Stadt Automaten für Kot-Tüten aufgestellt werden – so, wie es Gemeinden mit einem hohen Zivilisationsgrad machen.

An der Marne, Partnerstadt Joinville-le-Pont

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Hinweis der Redaktion:
  Die Ungepflegtheit unserer Stadt scheint manche Menschen zu verführen, ebenfalls nicht pfleglich mit ihrer Umgebung und anderen umzugehen. Wachsen Egoismus, Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit? Nehmen Verstöße gegen die Regeln, die eine Stadtgesellschaft zum Zusammenleben braucht, zu?

Wir wollen in loser Folge über einzelne Themen kritisch berichten und gute Beispiele anderer Gemeinden zeigen, an denen man sich orientieren könnte.

Dabei ist diese Serie offen für andere Autoren: Was fällt Ihnen in dieser Stadt als „anders” auf – angenehm oder unangenehm? Nutzen Sie das Kommentarfeld unten, schreiben Sie und per Mail, verfassen Sie eigene Beiträge.

Und damit es nicht dabei bleibt, wollen wir die Themen konstruktiv aufgreifen. Was wäre zu tun, um Bergisch Gladbach angenehm anders zu machen? Ein gutes Thema für einen Stammtisch, für anschließende Arbeitskreise, für …. Lassen Sie sich überraschen, überraschen Sie uns!

Weitere Beiträge der Serie:

Unangenehm anders

Unangenehm anders: Mülleimer


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Klaus Hansen

ist Fotograf, Designer und Kommunikationsberater.

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5 Kommentare

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  1. Dem Kommentar von Peter Schlösser ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die Kosten, die der Arbeitgeber “Stadt” insgesamt für einen Mitarbeiter aufzuwenden hätte, sind mit 20.000 Euro/p.a. allerdings noch viel zu niedrig angesetzt.
    Das, was in den anderen Beiträgen über die positiven Beispiele anderer Kommunen nicht zur Sprache kommt, aber auf den Fotos auch zu sehen ist…die Kästen mit den Beuteln sind meist leer, weil Vandalen unmittelbar für die Leerung “sorgen”.
    Deshalb, wie schon gesagt, 1 oder 2 Beutel, die nicht teuer sind, an der Hundeleine befestigen und im Bedarfsfall den gefüllten Beutel im nächsten Abfallbehälter oder zuhause in der Mülltonne entsorgen. Man hat dann auch selbst aktiv etwas für die Sauberkeit “seiner” Stadt getan!

  2. Lieber Herr Groth,

    Ihre Win-Win-Situation, Hundesteuer abschaffen und die Verursacher mit kräftigem Bußgeld belegen, in Gottes Ohr. Haben Sie das mal rechnungstechnisch grob überflogen? Wieviele Ordnungshüter/innen müßten sich wohl auf die Lauer legen, um Halter nebst Hundchen auf frischer Tat zu ertappen und dann mit einem Bußgeld zu belegen. Nehmen wir einfach mal niedrig gerechnet 10 städtische Mitarbeiter für das gesamte Stadtgebiet. Bei geschätzten Personalkosten von 20.000 Euro pro Person wären das auf das Jahr hochgerechnet 200.000 Euro an Kosten. Um die erst einmal reinzuholen, müssten bei einem schon hohen Bußgeld von 100 Euro pro Fall bereits 2.000 Hundepärchen erwischt werden. Und erst mit dem 2001. Fall ging es in die schwarzen Zahlen. Bis zum Steuerbudget von jährlich 1 Mio Euro wäre es allerdings noch ein weiter Weg. Und dann würde ich gerne die Situation beobachten, wenn sich Ordnungshüter und Hundehalter, vielleicht unter flankierender Mitwirkung zufälliger Passanten, wegen der Hinterlassenschaft herumstreiten.

    Mein Appell an die lieben Hundehalter, bewaffnet Euch bei jedem Gassigehen mit einem kleinen Plastikbeutel, hebt das auf, was fallen gelassen wird und ganz wichtig, entsorgt das Häufchen in der eigenen Mülltonne. Das geht auch ohne öffentlichen Tütenspender.

    Und gönnen wir der Stadt ihre Hundesteuer, denn Stadt sind wir alle. Und was den Anspruch auf konkrete Gegenleistung betrifft, den gibt’s bei der Steuer nicht, wohl aber bei der Gebühr, wie zum Beispiel der Müllgebühr, was uns aber nicht das Recht gibt, unseren Müll außerhalb der Tonne zu entsorgen.

    Peter Schlösser

  3. Nee, der Hund ist nicht das Schwein! Und Kotbeutel sind weder teuer noch ist es eine Belastung, diese in der Jacke- oder Hosentsche bei sich zu haben, damit man jederzeit zupacken kann. Andererseits würde das Problem auch durch ein paar Kotbeutel-Spender im Stadtbereich gelöst. In vielen anderen Städten gibt es das. Ich frage mich schon lange, was die Stadt mit der Hundesteuer macht. Das wäre z.B. eine sinnvolle Verwendung.

  4. Was mir nicht so recht an der Berichterstattung gefällt, ist der Umstand, dass tendenziell hier jeder Hundhalter in Sippenhaft genommen wird. Ich selber bin auch Hundehalter und beseitige selbstverständlich die Hinterlassenschaften meines Hundes. Meine Beobachtungen geben mir das gute Gefühl, dass die überwiegende Mehrheit der Hundehalter sich ebenso verhält – im Bewusstsein, dass nur durch Eigenverantwortung des Hundebesitzers unsere Stadt und der Kreis (ich komme aus dem ländlichen Bereich des Kreises) lebenswert und sauber bleiben.
    Da die Stadtverwaltung aber keine Gegenleistung für die ohnehin fragwürdigerweise erhobene Hundesteuer erbringen mag, mein Vorschlag:

    Hundesteuer abschaffen und statt dessen Hundekot zurücklassende, verantwortungslose Tierhalter mit empfindlichen Strafen belegen.

    Da hätten wir eine „Win-Win-Situation“. Die kommunalen Einnahmen blieben auf ähnlichem Niveau und die Gemeinschaftskosten für nicht beseitigte Hinterlassenschaften tragen die jenigen, die meinen, sie hätten ihre Verantwortung durch Begleichen des Hundesteuerbescheides erfüllt.
    Dieses Modell sollte die Stadtverwaltung mal durchrechnen…

  5. Danke für diesen Artikel! Er spricht mir voll aus der Seele, bin ich doch gerade diese Woche in einen Hundehaufen XXL getreten als ich die Hinterlassenschaft meines Hundes eintüten wollte. Ich schäme mich tatsächlich für meine Hundebesitzerkollegen und ärgere mich, weil sie für den „schlechten Ruf“ der Vierbeiner bzw. deren Halter sorgen.
    Bei 10000 Hunden in Bergisch Gladbach kommen immerhin 1000000 Euros Hundesteuer zusammen, die die Stadt einfach ohne jegliche Gegenleistung einsackt. Oder ist die Steuermarke aus Gold? Wenn mein Hund 15 Jahre alt wird, bezahle ich immerhin 1500 € an die Stadt, dafür kann ich doch wohl irgendeine Gegenleistung erwarten!
    Warum wäre der Aufwand so riesig, zum Beispiel an der Saaler Mühle oder am Lückerather Anger eine Kotbeutel- Mülleimer-Station zu installieren und zu unterhalten?
    In allen Städten und Plätzen, wo es diese Einrichtung gibt, ist es viel sauberer!
    Dennoch möchte auch ich an dieser Stelle an alle Hundebesitzer appellieren, beseitigt doch bitte den Dreck, so teuer sind Kotbeutel doch nun wirklich nicht!