Die Gründung der Klimafreunde Rhein-Berg im Frühjahr 2019 trifft einen Nerv in der Bevölkerung. Der Zulauf ist groß, das Interesse der Politik ebenso und in kurzer Zeit wird einiges aufgebaut. Man merkt, der Klimaschutz in  Bergisch Gladbach nimmt Fahrt auf. Dann kommt Corona. Und die Welt steht still. Mit ihr auch der Klimaschutz? Ein Essay.

Die Corona-Krise ist seit Monaten das Ereignis, das die Menschheit weltweit beschäftigt. Aber auch die Klima-Krise ist nach wie vor existent – und ein Dauerthema. Doch mal ehrlich: Wer hat gerade noch Lust auf ständige Krisen? 

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Natürlich verschwindet aber keine Krise, wenn man sie einfach ignoriert. Ganz im Gegenteil. Tatsächlich kann die Corona-Krise sogar eine Chance für den Klimaschutz sein. Und so denken nicht nur die Klimafreunde Rhein-Berg.

Der menschgemachte Klimawandel und die Corona-Pandemie besitzen einige Ähnlichkeiten: Beide betreffen die gesamte Menschheit. Beide nehmen zunächst langsam Fahrt auf. Und je später man eingreift, desto schwieriger wird es, die Folgen auf uns und unsere Lebensqualität klein zu halten. 

Fundamentale Unterschiede

In vielen Aspekten unterscheiden sie sich jedoch fundamental. Der Klimawandel vollzieht sich bereits seit Jahrzehnten. Vor allem für uns Mitteleuropäer war er bisher wenig greifbar. Einschneidende Ereignisse wie extreme Dürren, vernichtende Stürme, Meerwasseranstieg oder abschmelzende Polkappen finden bisher irgendwo anders statt, weit weg. 

Und: „Gegen den Klimawandel gibt es keinen Impfstoff und kein Medikament“, wie Stefan Häusler, Mitgründer der Klimafreunde, treffend formuliert. Die Folgen werden die Menschheit bis in die nächsten Generationen begleiten.

Das Coronavirus SARS-CoV-2 hingegen schaffte es innerhalb weniger Monate, die ganze Welt lahmzulegen. Auch wenn die zukünftigen Folgen der Pandemie schwer absehbar sind, sind die direkten Folgen bereits jetzt immens. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der nicht massiv in seinem Alltagsleben betroffen ist. 

Anders als beim Klimawandel gibt es aber auch die Hoffnung auf Medikamente und einen Impfstoff, was der Pandemieschon in den nächsten Monaten und Jahren Einhalt gebieten könnte.

Fragil und stark zugleich

In den letzten Monaten wurde offensichtlich, wie fragil unsere Alltags-Normalität eigentlich ist. Wie von einem Tag auf den anderen Dinge geschehen können, die bisher für unmöglich gehalten wurden. 

Zu sehen war dabei auch, wozu unsere Gesellschaft plötzlich in der Lage ist: Wie Menschen mit unterschiedlichsten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gesinnungen an einem Strang ziehen können, wenn es darauf ankommt. Und wie jeder Einzelne etwas beitragen kann. 

Mit diesem neuen Blick können wir auch auf den Klimaschutz schauen. Wir haben jetzt die Chance, im Sinne des Klimaschutzes zu handeln, bevor wir durch konkrete Auswirkungen des Klimawandels auf unser Leben dazu gezwungen werden. 

Wenn die Politik an einem Strang zieht und auf machtpolitisches Taktieren verzichtet.

Wenn die Wirtschaft genau hinsieht, wie sie die Energiewende und den Klimaschutz fördern kann. 

Und wenn jeder einzelne von uns überdenkt, wie er persönlich zum Klimaschutz beitragen kann. 

Danksagung: Mein Dank gilt den Klimafreunden Rhein-Berg und im Speziellen der AG Medien für Ihre Unterstützung. 

Jennifer Vollmer

engagiert sich seid Sommer 2019 bei den Klimafreunden Rhein-Berg. Als Naturwissenschaftlerin und Wahl-Bergisch Gladbacherin liegt ihr das Thema Klimaschutz - global und lokal - besonders am Herzen.

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6 Kommentare

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  1. Hallo Herr Preuß,

    der Anteil von Ökostrom an der Bruttostromerzeugung in Deutschland liegt jetzt schon bei ca. 40% und lässt sich durchaus erweitern. Schauen sie sich doch einfach mal um wie viele Dächer noch nicht genutzt werden. Und die Nutzung von Windenergie ist ja nicht nur auf dem Land möglich.
    Die Staaten, in denen der stärkste Ausbau von Atomkraft geplant ist, sind China, Russland und Indien. Ich denke nicht, dass wir diese Staaten als Vorbild ansehen sollten.
    Ein Core Catcher soll nur das Grundwasser schützen, aber schützt überhaupt nicht vor dem viel gefährlicheren Fall Out der Luft. Weiterhin gibt es Bedenken, dass das Auffangen der radioaktiven Elemente bei weiterem unkontrollierten Zerfall ab einer bestimmten Dichte zu einer Kettenreaktion mit Explosion führen kann. In diesen Becken gibt es keine Neutronenfänger.
    Übrigens war der Hindenburgunfall 1937, Fukushima aber erst 2011.

  2. Hallo Herr Nuding,

    Sie merken, wie falsch Ihr Argument bzgl. der CO2 Emissionen der Kernenergie ist, wenn Sie sich für einen kurzen Moment lang vorstellen, man würde zur Urangewinnung, Brennelementherstellung, Transport (übrigens vollkommen vernachlässigbar) etc. 100% Solarstrom verwenden… Tatsächlich wäre das eine sehr sinnvolle Verwendung des Solarstroms, denn man erhält das 80-105 fache der eingesetzten Energiemenge. Das Narrativ, das sie mit Schlagwörtern “hoch-subventioniert”, “unbezahlbar” und “staatlich gefördert” versuchen aufzuziehen, passt auch sehr gut zu den Erneuerbaren: Was nicht funktioniert, ist auch nicht bezahlbar: 5% Landesfläche für 100% Photovoltaik bzw. 20% Landesfläche bei 100% Windenergie zur Deckung der Gesamtenergiemenge … falls das wider Erwarten doch realisierbar ist, scheitert es immer noch an Stromspeichern im zweistelligen Terawattstundenbereich.
    Nennen Sie uns doch mal einen vernünftigen Grund, warum andere Staaten anscheinend Geld verbrennen wollen. Es ist so: Wenn man die gesamten Systemkosten betrachtet, dann ist ein Mix aus Kernenergie und erneuerbarer Energie billiger als 100% EE, weil das Speicherproblem deutlich reduziert wird, Stichwort Dunkelflaute.
    Warum sollte die Renaissance der Kernenergie am Thema Versicherung scheitern? Die Versicherung bei neuen AKWs nennt sich Core-Catcher oder zu deutsch Kernfänger. Ein Auffangbecken für eine etwaige Kernschmelze. Es ist technisch viel passiert in den letzten 30 Jahren. Sie würden auch nicht von der Explosion der Hindenburg auf einen A380 schließen und daraus ableiten, dass das Fliegen eine gefährliche Art der Fortbewegung ist. Tatsächlich ist das Fliegen trotz gelegentlicher Unfälle die sicherste Art zu reisen. Ähnlich ist die Kernenergie mit die sicherste Art der Stromerzeugung die – auf die produzierte Energiemenge bezogen – in etwa so tödlich ist wie Wind- und Solarenergie.

  3. R.D.Precht spricht im Zuge der unfreiwilligen, alles durchrüttelnden „Coronaden” vom plötzlich weit aufgestoßenen „Fenster der Möglichkeiten”

    – Im Blick auf die auch ohne Corona angestandenen wie anstehenden (Grund)Renovierungsbedarfe in Sachen Wirtschaft, Arbeit, Bildung, Energie, Mobilität, Stadtgestaltung / Raumnutzung etc.

    Wird spannend, ob durch das offene Fenster auch der entsprechend weitende (und ein notwendig gemeinsamer) Geist weht, nur der Lärm diverser Besitzstandskrieger bzw. Shuttlefanatiker dringt, oder das Fenster sich in uneins vereintem Gegenwind einfach wieder schließt bzw. von einer noch heftigeren Böe wieder zugeknallt wird …

    In Manchem scheint das beschauliche GL ja wie eine Mikrospiegelung dessen, was (grundsätzlich) möglich, über schwierig (und warum), bis ganz schwierig (durch was) und schließlich unmöglich (weil ungewollt) ist …

    Wobei auch die kommenden K-Wahlen, Stand jetzt, noch Vieles möglich erscheinen lassen

    – Mal sehen, was aus diesem „offenen Fenster“ dann in beurteilender Schau des (bzw. der) Bisherigen, perspektivischer Setzung des Kommenden und dementsprechend freier Wahl gemacht wird …

  4. Hallo Herr Schreiner,

    Betrachtet man den gesamten Prozess von Uranabbau und -anreicherung über Transport, Brennelementeherstellung bis hin zum AKW-Abriss und der Behandlung der radioaktiven Abfälle, weist Atomstrom eine schlechtere CO2-Bilanz auf als Ökostrom aus Windenergie und sogar als Strom aus kleinen Gas-Blockheizkraftwerken.

    Atomkraft ist seit jeher hoch subventioniert. Müssten die Atom-Risiken versichert und die Folgekosten, etwa für den Atommüll, vollständig in den Strompreis eingerechnet werden, wäre Atomstrom unbezahlbar. Neubauprojekte für AKW gibt es nur dort, wo der Staat diese massiv unterstützt.

    Derzeit ist die Haftpflicht nach Angaben der “Deutschen Kernreaktor Versicherungsgemeinschaft” auf knapp 250 Millionen(!) Euro begrenzt. Weitere bis zu 2,25 Milliarden Euro stellen die vier AKW-Betreiber im Rahmen einer gegenseitigen Absicherung zur Verfügung. Für Schäden darüber hinaus müssten die einzelnen Firmen haften.

    Bei einem GAU in einem deutschen Atomkraftwerk würden die geschätzten Folgekosten mindestens bei 100 bis 500 Milliarden Euro liegen. Das übersteigt den Wert der Verursacherfirmen bei weitem. Es wäre wie so oft. Die Gewinne werden privatisiert, das Risiko von der Allgemeinheit getragen.

    Die “Versicherungsforen Leipzig”, ein Dienstleister für die Versicherungskonzerne, nennt sogar 6 Billionen Euro als möglicher Maximalschaden. Wenn diese Schadenssumme versichert werden müsste läge der Strompreis bei 4 Euro pro Kilowattstunde.

    Übrigens hat der Betreiber des AKW Fukoshima bereits Staatshilfen beantragt.

  5. “Wenn die Politik an einem Strang zieht und auf machtpolitisches Taktieren verzichtet.
    Wenn die Wirtschaft genau hinsieht, wie sie die Energiewende und den Klimaschutz fördern kann.”

    Wenn die Politik auf die Wissenschaft in DE aber insbesondere in anderen Ländern schauen würde, ließe man die bestehenden Kernkraftwerke laufen und würde sich auf die Forschung und den Bau weiterer Anlagen stürzen.
    Gemessen an der Grundlastfähigkeit, der Sicherheit und Sauberkeit eine der besten Energiequellen, um dem anthropogenen Anteil am Klimawandel entgegen zu wirken.

    Aber da ist ja das politische Machtkalkül. Man stelle sich nur den Aufschrei der Grünen vor, wenn das Thema auf den Tisch kommt.

    Die Grünen in Finnland sind übringes weiter und unterstützen Kernenergie. Also gerne mal über den Tellerrand hinwegsehen.