Apotheken und Arztpraxen ließen die Gesundheitsvorsorge wieder auf ein erträgliches Niveau ansteigen. Schon im September 1945 konnten erste Grundschüler in der heutigen Wilhelm-Klein-Straße die Schulbank drücken. Teil 6 unserer Serie zu den Nachkriegsjahren.

Ärzte und Apotheke

1948 erhielt Refrath die erste Apotheke. Das Ehepaar Kahlenborn eröffnete sie auf der „Wingertsheide“ Nr. 9 in einem gemieteten Haus, das heute nicht mehr steht. Ihre eigene Dreikönigenapotheke in Köln auf dem „Hansaring“ war 1944 den Bomben zum Opfer gefallen. Die Beschaffung der Einrichtung und der Medikamente war schwierig, zumal Kahlenborns anfangs noch als Ausgebombte in Rheydt wohnten.

1953 bauten sie auf der Ecke „Wingerstheide-Wilhelm-Klein-Straße“ selbst. Dieses Gebäude ist heute Wohnhaus. Im selben Jahr verstarb Ludwig Kahlenborn. Lucie, seine Witwe, führte die Apotheke bis 1976 alleine weiter. Daneben hat sie sich im Stadtrat und im Heimatverein für Refrath eingesetzt. Im Neubaugebiet an der „Brandroster“ wurde eine Straße nach ihr benannt.

1939 hatte sich das Ärztehepaar Dr. Inge und Dr. Hans Jäger in Refrath niedergelassen. Sie waren die ersten Ärzte im Ort. Hans Jäger musste schon sehr bald an die Front. Vom Vater weiß ich, dass sie einander in Russland begegneten. Beide kamen gottlob nach der Gefangenschaft wieder heim. Frau Jäger hat während der Abwesenheit ihres Mannes die Praxis weitergeführt.

Der Beitrag ist Teil einer Serie zu Bergisch Gladbach nach dem Zweiten Weltkrieg. Darin geht es um Entnazifizierung und Kommunalthemen. Weitere Themen sind u.a. Auswirkungen des Marshall-Plans, Wohnungs- und Siedlungsbau, die Gründung von Apotheken, Arztpraxen und Schulen. Hier finden Sie alle Beiträge.

Noch im Krieg oder unmittelbar danach praktizierte im „Niedenhof“ Dr. Herbert Kumberg. Er wurde auf Wunsch des englischen Kommandanten Inkson beauftragt, alle Deutschen zu untersuchen, die im Dienste der Besatzungsmacht standen.

Evangelische Volksschule

Vor allem die Flucht und Vertreibung aus den früheren deutschen Ostgebieten ließ die Zahl der Evangelischen in Refrath rasch ansteigen. Das Refrather Gemeindeleben hatte schon 1947 in einem Wohnhaus in der Ackerstraße begonnen, das der Bergisch Gladbacher Gemeinde von der Familie Schmitz geschenkt worden war als Dank für die Pflege durch Schwester Elly Blanck.

Sie hatte mit ihrer Unterschriftensammlung maßgeblichen Anteil an der Eröffnung der ersten evangelischen Volksschule im Gebäude der katholischen Schule in der Schulstraße (jetzige Wilhelm-Klein-Straße). Der Unterricht hatte im September 1945 für die Klassen 1 bis 4 bzw. im November für die Klassen 5 bis 8 wieder begonnen.

Die Katholische Volksschule in der Schulstraße, heute Wilhelm-Klein-Straße, wurde auf maßgebliche Initiative von Schwester Elly Blancks zur ersten Evangelischen Volksschule Refraths. Foto: A. Kahlenborn

Brand des Pfarrheims

Rund 610 Schüler besuchten die katholische Volksschule „An der Wolfsmaar“, davon waren zunächst 60 evangelisch. Zwar war hinter der Schule ein Pavillon errichtet worden, aber es standen nur sechs Klassenräume zur Verfügung. Deshalb wurde „Schichtunterricht“ eingeführt, also vor- und nachmittags.

Pfarrer Knoche hatte von der englischen Militärbehörde eine große Baracke erworben. Sie sollte als Pfarr- und Jugendheim dienen. Zwei große Räume vermietete er aber an die Schulbehörde, die als Klassenräume genutzt werden konnten. Dort wurde noch 1948 eingeschult als ich (der Autor, Anmerkung der Redaktion) in die Schule kam.

Später wurde die Baracke wie geplant Pfarrheim. Durch einen Kurzschluss brannte sie im März 1955 ab. Damals war ich bereits bei den Pfadfindern und wohnte bereits auf dem Schmillenberg. Ich wurde, wie andere auch, nachts geweckt, um den Feuerschein an der Kirche zu sehen.

Dort angekommen, konnten wir nur noch zusehen, wie unser Heim vor unseren Augen komplett abbrannte. Besonders hart traf es die Chöre, die dort probten und ihre Noten und Unterlagen im Heim hatten.

Unterschriftenaktion für Volksschule Refrath

Die evangelische Gemeindeschwester Elli Blanck startete Anfang 1947 eine Unterschriftenaktion unter den evangelischen Eltern mit dem Ziel, eine evangelische Schule einzurichten. Am 6. Oktober 1947 erhielt Lehrer Bremer vom Regierungspräsidenten den Auftrag, eine Evangelische Volksschule in Refrath „ zu gründen.

Am 8. Oktober 1947 wechselten 123 evangelische Schüler in das Gebäude der „Neuen Schule“ in einen Klassenraum. So wurde diese Schule in Refrath genannt, weil sie 1898 als Dependance für die Schule „An der Wolfsmaar“ gebaut worden war.

Sie hatte zwei Klassenräume und im Dachgeschoss eine Lehrerwohnung. So haben wir sie nach dem 2. Weltkrieg noch gekannt, als die evangelischen Schüler dort unterrichtet wurden bis die evangelische Volksschule im Vürfels gebaut wurde.

Die Schule an der „Schulstraße“ wurde nach 1953 wieder katholische Volksschule, ab 1956 zu Wohnungen umgebaut wegen der Wohnungsnot. Später hatte die Feuerwehr dort ihren Standort. 1966 sind Schul- und Nebengebäude abgerissen worden. Einige Jahre danach wurde die Straße in „Wilhelm-Klein- Straße“ umbenannt.

Heute steht dort ein Wohnblock mit Geschäftsräumen in Parterre. Auch an dieser Schule gab es nun „Schichtwechsel“. Bis 1953 galten 50 Schüler als Messzahl für die Klassengröße, das heißt pro 50 Schüler eine Lehrerstelle!

Für meinen Jahrgang wurden zwei Klassen eingerichtet. Als wir nach vielen Jahren unser erstes gemeinsames Klassentreffen organsierten, hatten wir 106 Namen auf der Liste.

Hans Peter Müller

ist Lehrer im Ruhestand und war lange Jahre Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins Refrath. Als Heimatforscher und Autor arbeitet er die Geschichte des Ortsteils auf.

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1 Kommentar

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  1. Lieber Herr Hans Peter Müller
    DAAANKE für die/Ihre vielen hochinteressanten Berichte über unsere (neue) Heimat.