Mit einem Instrumentalmix aus osteuropäischer Folklore, Rock- und klassischen Elementen hat das Trio farfarello ein mitreißendes Konzert auf der Waldbühne von Pütz-Roth gegeben, im Rahmen der neuen „Open Stage”-Reihe. Eine Performance der Gruppe Neun sorgt allerdings für Diskussion. Schauen Sie selbst.

„Gerade  in den  aktuell  eingeschränkten Zeiten sind wir froh, die Waldbühne Pütz-Roth und deren Infrastruktur für die Kunst zur Verfügung stellen zu können“, sagt David Roth anlässlich der ersten Open-Air Veranstaltung in 2020.

David Roth und Mani Neumann

Er betont weiter: „Für uns ist es nicht ungewöhnlich, an diesem Ort,  der ein Friedhof  ist,  Konzerte  und Veranstaltungen umzusetzen, so  den Ort der Trauer auch mit Glück zu füllen.“ Der Abend startete mit einer Performance der Gruppe Neun, bevor das Trio farfarello die Bühne in positive  Schwingung versetzte. 

Absolut passend dazu der Titel des Konzertes: „Dem Glück auf der Spur“. In diesem Rahmen präsentierte die Gruppe Neun am 25. Juli das Trio farfarello. Musiker, die seit 40 Jahren in der Musikszene ein Begriff sind. Mit einem vor Energie und Lebenslust sprühenden Auftritt feierten sie an diesem Abend ihr 40jähriges Bühnenjubiläum.

Ohne Unterbrechung faszinieren Mani Neumann (Geige, Piano und Blockflöte), Ulli Brand (Gitarre) und Bassist Urs Fuchs als dynamisches Trio die Bühnen Deutschlands. 20 Tonträger, über 5000 Konzerte und die Zusammenarbeit mit Musikern unterschiedlicher Nationalitäten haben farfarello zu einer Institution für multinationale, kulturübergreifende Musik gemacht. 

Mani Neumann: 2020 ist nicht nur das Jahr in dem Corona uns lähmt, es ist auch das Jahr unseres 40jährigen Bestehens. Vor allem aber ist es das Beethoven-Jahr. Und deshalb haben wir uns gedacht, wir müssen den Komponisten mit auf die Bühne bitten, was wir jetzt auch tun.“ 

Sanft gestaltete sich der musikalische Einstieg in Beethovens wohl bekannteste Komposition „Freude schöner Götterfunken“ um dann in einen Wasserfall von sprühenden Instrumenten einzutauchen. Da erreichte dann auch der Applaus der rund 300 Gäste sogar die Baumwipfel. 

Geiger Mani scheute nicht den Kontakt mit dem Publikum. Servierte sein pulsierendes Gitarrenspiel auch außerhalb der Bühne, verschwindet plötzlich um dann wieder rasant auf der Bühne zu agieren.

 Sprühend  auch die Interpretation „Säbeltanz“ des Komponisten Chatschaturjan. Der Geigenbogen rast über die Saiten und die Gitarristen entlocken ihren Instrumenten nicht weniger heiße Tonlagen. Drei  perfekte Musiker on Tour. Davon konnten sich die Zuhörerinnen und Zuhörer  – nicht nur bei deren Solointerpretationen –  überzeugen.

Die Virtuosität handgemachter Instrumentalmusik aus osteuropäischer Folklore, Rock- und klassischen Elementen entfesselte zu Beginn der 1980er Jahre die nachhaltige Karriere dieser außergewöhnlichen Band. Ihr neues Album der Band trägt den Titel ZeitZone.

Hier begeben sich die Musiker auf eine musikalische Reise durch die eigene Geschichte. Sie treffen klassische und folkloristische Einflüsse in 14 neuen instrumentalen Werken auf moderne Grooves. Mit der klassischen Triobesetzung (Urs Fuchs am Bass), ergänzt mit Perkussion (José Cortijo) und Schlagzeug (Ulf Stricker) und durch die Zusammenarbeit mit Streichquartett und großem Sinfonieorchester sind auf dem neuen Album vielschichtige Arrangements entstanden. 

Die Performance! 

Die Performance zum Thema „Krieg und Frieden“ wurde von der Gruppe Neun präsentiert. David Roth unterstützt die Aktivitäten der Gruppe Neun seit nunmehr 3 Jahren. Die Gruppe Neun e.V. ist ein Kunst- und Kulturverein im Bergischen Land mit Sitz in Overath. 

Die Vorführung beginnt…

Aus den Lautsprechern schallt die Stimme von Rio Reiser. Seine Komposition  „Der Krieg“ bildet den Einstieg in das Thema Krieg und Frieden, mit dem man sich hier auf eigenwillige und  verstörende Art auseinandersetzt, die bei Anwesenden Fragen, auch Unverständnis aufwirft.  

Ein weißer Vogel  in Freiheit und Frieden unterwegs gleitet zu Klängen von Otto Dix (Indigo) und auch  Diary of Dream (Daemon)  über die Bühne, breitet seine großen Schwingen aus.  Er büßt an diesem Abend  seine Freiheit ein, wird des Geldes wegen verkauft, kommt in Gefangenschaft, wird angebunden,  erlebt in Folge Fesselungen, schwebt trostlos gefangen mit roten Seilen gefesselt auf der Bühne.

Doch dann – die Wende.  Rote Stricke am Körper werden entknotet, die Flügel  kommen wieder in Bewegung. Der Befreier lächelt. Er hat sich zum Friedvollen orientiert. Das Wesen befreit, das er zuvor des Geldes willen an einen Daemon (Fesselungskünstler – Gast auch dem Verein für angewandte Seilkunst) ausgeliefert hatte.

Den weißen Vogel der Freiheit und des Friedens hat Isabelle Casel in Bewegung gesetzt. Sie sagt  in dem Zusammenhang: „Wir müssen ein System finden, dass  Menschen davor bewahrt,  sich selbst oder der Natur bzw. der Welt zu schaden.   Um Krieg zu überwinden müssen wir begreifen was er bedeutet.“

Das die Art der Performance „Krieg und Frieden“ das Publikum verunsicherte ist nachvollziehbar. Die Szenen des an Stricken hängenden weißen Wesens setzten Gedanken an  das Sado-Maso-Millieu frei. Die mit roten Seilen vom „Daemon“  zelebrierte Fesselung bringt man mit den Begriffen sexistisch und frauenfeindlich in Verbindung.

Die hier präsentierte Interpretation der Thematik „Krieg und Frieden“ war eine aufreibende „Vorspeise“, die ein perlend positives Konzert entspannte.

Weitere Infos: Website farfarello, Veranstaltungen Pütz-Roth

Helga Niekammer

ist freiberufliche Journalistin (Text und Bild), weitere Berichte und Fotos finden Sie auf bensberg-im-blick.de.

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