Frank Stein auf Erkundungstour mit großem Tross. Fotos: Philip Bösel

Als „ein starkes Signal” für eine Verkehrswende werten die Klimafreunde Rhein-Berg und der ADFC die Tour des Bürgermeister-Kandidaten von Grünen, FDP und SPD. Gut 50 Radfahrer hatten sich trotz der Hitze in den Sattel geschwungen und gemeinsam mit Frank Stein viele Gefahrenpunkte entdeckt. Und viel Potenzial für neue Radtrassen.

Auf Initiative von Frank Stein, dem Bürgermeister-Kandidaten des Bergisch Gladbacher Ampelbündnisses SPD, Grüne und FDP, wurde am Samstag mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine gemeinsame Fahrradtour veranstaltet. Ziel der Tour war die „Erfahrung“ der unzureichenden, teils hochproblematischen Stellen für den Radverkehr.

Im Vorfeld hatte Frank Stein interessierte Gladbacher dazu aufgerufen, die prekären Stellen zu benennen und zu beschreiben. Nach Eingang der Bürger-Feedbacks hat der ADFC in Zusammenarbeit mit den Klimafreunden Rheinberg eine entsprechende Fahrradroute ausgearbeitet.

Hinweis der Redaktion: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen gemeinsamen Beitrag der Klimafreunde Rhein-Berg und des ADFC RheinBerg/Oberberg.

Am Morgen des 8. August um 10 Uhr am Konrad-Adenauer-Platz fanden sich dann überraschend viele Radler ein. Nach einer ersten Zählung waren um die 50 Personen dabei. Bei hochsommerlichen Temperaturen von weit über 30 Grad setzte sich der große Fahrradtross gut gelaunt und hochmotiviert in Bewegung.

Je nach Problemstelle wurden Stopps eingelegt, um über die jeweilige Situation zu diskutieren, aber auch um Lösungsvorschläge zu erörtern. Es wurde insgesamt sehr viel Kritik zu der schwachen Fahrrad-Infrastruktur geäußert, aber es gab auch viele konstruktive Vorschläge.

Bernhard Werheid, Vorsitzender des ADFC, weißt auf Gefahrenpunkte hin. Foto: Philip Bösel

Richtung Flora und zurück zur Innenstadt

Der erste Teil der Strecke führte über die Paffrather Straße Richtung Schildgen bis zur Flora und zurück. Dieser Abschnitt ist für die Radfahrenden sehr schwierig zu bewältigen. Die Führung ist uneinheitlich, teilweise gibt es keine Markierungen bzw. Schutzstreifen.

Dieselbe Strecke zurück Richtung Innenstadt ist für Radfahrer noch problematischer. Hier fehlt der Radweg komplett! Dies zwingt Radfahrer, auf der stark befahrenen Straße zu fahren, auf der sie sich meist nicht sicher fühlen.

Entlang des Stadions müssen sich Radfahrer und Fußgänger den schmalen Gehweg teilen, was oft zu Konflikten mit Fußgängern – oder wenn man auf der Straße fährt – mit fahrenden und parkenden Autofahrern führt.

Dieser Abschnitt wird auch von vielen Kindern (RTB/Turnerschaft/Musikschule) stark frequentiert, eine Querungshilfe der Paffrather Straße auf Höhe des Stadion-Eingangs wäre hilfreich und würde lange Umwege bis zum nächsten Zebrastreifen ersparen.

Weiter ging es entlang der Johann-Wilhelm-Lindlar Straße Richtung Innenstadt. Der im Mobilitätskonzept von 2016 dort vorgesehene Radweg wurde leider nie realisiert. Stattdessen  hat die Stadt einem Investor, der das Gelände der Kalköfen Cox bebauen will, Parkplätze am Fahrbahnrand versprochen. Eine Radführung könnte zwar in Form eines Schutzstreifens realisiert werden.

Allerdings besteht dann jedoch wieder Unfallpotential wegen sich öffnender Autotüren. Die Strecke wird auch von vielen Rad fahrenden Schülerinnen und Schülern des NCG genutzt.

Foto: Philip Bösel

Hotspot Innenstadt

Vorbei an der Radstation am Busbahnhof ging es Richtung Kops-Gelände. Das rechtsseitig brachliegende Bahngleis weckt Wünsche bei vielen Radfahrern. Wäre auf dieser Strecke ein Radweg, wäre dies eine für Radfahrer fantastische Verbindung zum Refrather Weg / Finanzamt.

Damit bestünde eine prima Anbindung an die Radpendler-Route, die ab dem Finanzamt geplant ist. Wer den Bahndamm weiter denkt, fährt geistig auf einem Radschnellweg durchs Grüne Richtung Bensberg.

Denkwürdiger Stopp mit längerer Verweildauer und viel Diskussion: Untere Hauptstraße. Gefordert wird von der Fahrrad-Community Tempo 30, Fahrrad-Überholverbot und ein Hinweis für Autofahrer, dass die Straße auch von Radfahrern genutzt werden MUSS.

Immer wieder kommt es zu unerfreulichen Konflikten mit Autofahrern, die teilweise immer noch nicht wissen, dass sie sich diesen Verkehrsraum nun mit Radfahrern teilen müssen.

Foto: Philip Bösel

Stadtauswärts Richtung Westen

Von der Unteren Hauptstraße ging es dann weiter Richtung Westen vorbei an der Polizei. Entlang dieser Strecke müssen sich Radfahrer und Fußgänger einen sehr schmalen Hochbord-Fuß-/Radweg teilen. Dies ist sehr gefährlich und birgt viel Konfliktpotential.

Nach der Unterführung an der Mülheimer Straße gibt es keine Linksabbiegemöglichkeit für Radfahrer, die Richtung Finanzamt fahren wollen. Diese müssen einen umständlichen Umweg in Kauf nehmen, nämlich Weiterfahrt bis zur BFT Tankstelle und dann erst Querung am Ampel-Überweg und wieder zurück zur Unterführung.

Bahndamm und Querspange

Nächster Stopp mit viel Diskussion: Finanzamt / Refrather Weg. Viele Radler werfen wieder einen sehnsüchtigen Blick auf die Brückenüberführung des Bahndamms. Da ist sie wieder: die als Radschnellweg ideal geeignete Traumstrecke, die Bensberg mit der Gladbacher Innenstadt verbinden könnte – im Grünen und…autofrei! An dieser Stelle wären beidseitig der Straße Auf- und Abfahrrampen erforderlich.

Ein weiterer markanter Punkt: Senefelder Straße/Kreuzung Scheidtbach. Der Streifen entlang des Bachs gehört der Stadt und war ursprünglich vorgesehen für eine Verbindungsstraße  zwischen Refrather Weg und Heidkamp/Rübezahlwald.

Die „Querspange“ als Straße ist lange vom Tisch, aber ein Radweg entlang dieser Strecke wäre eine wunderbare Ergänzung, um Refrath und Heidkamp radwegetechnisch zu verbinden. Auch die Schulen Nelson-Mandela-Gesamtschule und das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium wären somit perfekt angebunden.

Zurück zur Innenstadt – Ein Blick Richtung Spitze

Weiter ging die Fahrt über Heidkamp wieder Richtung Innenstadt. Ab dem Turbokreisel beginnt die von Bus und Radfahrern gemeinsam genutzte Umweltspur.  Als Radfahrer kommt man zunächst gut voran. Die Weiterführung endet jedoch abrupt ab der Bushaltestelle „Forum“. Von dort aus quält man sich radelnderweise ohne Führung durch den teils erheblichen Stadtverkehr.

Stopp am Kreisel Strundepark: Bernhard Wehrheid vom ADFC weist auf den fehlenden Radweg bis Spitze hin. Mit dem Ausbau dieses Abschnitts würde ein wichtiger Lückenschluss erfolgen, nämlich die Anbindung an die Radpendleroute (entlang an der L289 Schanze – Spitze –  Herkenrath) und die Strecke Spitze – Biesfeld.

Diese Radwege sind vom RBK längst durchgeplant. Sobald das Einverständnis aller Grundstücksbesitzer vorliegt, wird die Umsetzung bald erfolgen.

Dann wieder zurück bis zum Forumpark. Dort wurden die ziemlich verschwitzten Radfahrer von den Grünen empfangen und konnten sich bei Wasser und Snacks erholen. Angeregt durch die intensiv „erfahrene“ Radtour gab es noch viel zu diskutieren.

Ja, in Bergisch Gladbach muss noch sehr viel passieren in Sachen Verkehrswende! Die Erkundungs-Radtour war ein starkes Signal. Mit Frank Stein als neuen Bürgermeister packen wir das an!

Klimafreunde RheinBerg

Die Klima Freunde sind ein private Initiative von Bürgern, die in Bergisch Gladbach möglichst viele Leute für den Klimaschutz mobilisieren will. Kontakt: info@klimafreunde-rheinberg.de

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4 Kommentare

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  1. Nach wie vor wird ja und gehörig kontrovers über die Zukunft des „Verkehrens” zumal innerhalb der Städte diskutiert.

    Der einstige FDP-Hoffnungsträger Lindner etwa verwendete jüngst im hiesigen Löwen dazu u.a. die Formulierung „Kulturkampf gegen das Auto”.

    Das markiert beispielhaft den grundsätzlichen und durchaus beidseitigen „Ladungsgrad“ der Debatte.

    Aus dem DLF-Format „Streitkultur“ hier ein in dem Zusammenhang interessantes, weil letztlich auch symbolisch verdichtetes Disput-Duett (Zweirad vs. Vierrad):

    https://www.deutschlandfunk.de/anika-meenken-vs-michael-haberland-pro-und-contra-zur.2927.de.html?dram:article_id=482839

  2. Schön, dass das Thema Fahrrad(wege) angegangen werden soll. Aber schaut die Politik mal bitte auf den Gefahrenpunkt Schule, ausgelöst zumeist von Eltern, die ihre Kinder direkt vor der Schule aussteigen lassen. Ob AMG/JGR oder OHG Seite Frankenforst oder die Grundschulen. Da, wo Kinder vorbildlich mit dem Fahrrad zur Schule fahren, wird rückwärts gewendet und geparkt. Auch bei Regen kann man Kinder entsprechend ausstatten….. Hier drängen sich Einfahrtsverbote o.ä. auf, um die Schüler/innen zu schützen.

  3. Apropos „Joo, mir san mi´m Rodl doo!” …

    Im Deutschlandfunk-Format „Essay und Diskurs“ gab es just ein dreiteiliges, sehr atmosphärisch komponiertes Feature zum Gestern, Heute und Morgen zumal innerstädtischen (Rad)Verkehrs;

    für manch Ältere (like me) auch eine Sentimental Journey in das ganz persönliche und noch ganz sinnlich unschuldige (kindlich-jugendliche) „Verkehrserleben“ der 60´er, 70´er und 80´er Jahre …

    Wen´s interessiert: Lohnt sich in jeder Hinsicht, ´mal reinzuhören …
    https://www.deutschlandfunk.de/essay-und-diskurs.1183.de.html

  4. Das ist ein sehr informativer Bericht. Ich wusste ja nicht, wie viele Möglichkeiten es für Radfahrer in Gladbach geben könnte! Nun sollte aber auch zügig mit der Planung und Umsetzung begonnen werden und das bitte ohne Einschränkungen – unterstützt durch alle Fraktionen.