In der Halle mit dem Gohrsmühle-Schriftzug findet die Bürgerbeteiligung statt. Foto: Thomas Merkenich

Corona hatte die Pläne der Stadt durchkreuzt, doch jetzt startet ein sehr breites Beteiligungsverfahren. Dabei sollen möglichst viele Bürger:innen ihre Ideen einbringen, wie das Zanders-Areal in Zukunft genutzt werden könnte. Dazu gibt es viele Formate, im Internet und vor Ort in zwei alten Industriehallen.

Eigentlich wollte das Projektteam für das Zanders-Areal die Beteiligung schon im Frühjahr beginnen, doch dann machte Corona die Pläne zunichte. Am Montag fiel der Startschuss für eine neue, moderne Bürgerbeteiligung im Internet, in den kommenden Wochen finden analoge Gesprächsrunden in den beiden alten Hallen am Rande des Zanders-Geländes in der Innenstadt statt.

Seit Montag ist eine eigene Website geschaltet, zudem gibt es ein Instagram-Profil – wo unter dem Schlagwort #aufzanders das Projekt beschrieben und erklärt wird. Dort stellt sich das Projektteam unter Leitung von Udo Krause in einer Reihe von „Stories” vor. Ab sofort können dort alle Bürger:innen ihre Ideen und Anregungen auf der Website auf einer digitalen Ideenwand eingeben.

Ab Ende September sollen sich die Bürger:innen dann aber auch vor Ort informieren und zu Wort melden können. Dazu macht die Stadt zwei der historischen Lagerhallen zugänglich, für Workshops, Gesprächsrunden und eine Infoausstellung. Die Details und eine komplette Liste finden Sie unten.

In dieser Halle werden die Workshops stattfinden.

37 Hektar im Herzen der Stadt

Die Stadt hatte das 37 Hektar große Zanders-Areal im Herzen der Stadt vor rund zwei Jahren erworben, um das Unternehmen Zanders in wirtschaftlicher Not zu unterstützen. Nach wie vor produziert die Zanders Paper GmbH auf dem zentralen Teil des Geländes Papier, die Absicherung des Unternehmens hat für die Stadt eine hohe Priorität.

Da für die Papierproduktion nur noch ein Teil der Industrieanlagen benötigt wird, hat sich das Papier-Werk flächenmäßig auf ein kleineres Gebiet konzentriert und Randbereiche freigezogen. Auf diesen betrieblich nicht mehr benötigten Flächen können schon heute neue Nutzungen angesiedelt werden. Im Fachjargon spricht man von einer Teilkonversion des Industriestandorts.

Schwieriger ist der Umgang mit dem heutigen Firmengelände. Es steht nicht für eine andere Nutzung zur Verfügung. Daher betonen das Projektteam ebenso wie die Vertreter des Unternehmens, dass es um ein möglichst kooperatives Nebeneinander gehe.

Da der Planungsprozess aber auch die gesamte Fläche umfassen soll, beschäftigten sich die Planer perspektivisch auch mit einer Nachfolgenutzung für das gesamte Industrieareal (Vollkonversion). Dies ist schon deshalb erforderlich, damit die Entwicklung von Teilflächen später nicht mit den Plänen für eine komplette Umnutzung des Zanders-Areals in Konflikt gerät, argumentiert die Stadtverwaltung.

Vertreter des Unternehmens (Marketingleiter Tobias Müller, links, und Markus Kaptain, Werksleiter der Zanders Paper, rechts) arbeiten mit dem Projektteam (Marie Zorn,, Sophie Korst und Udo Krause) eng zusammen.

Die großen Zukunftsfragen

Was soll auf Zanders zukünftig entstehen, damit die Stadtmitte von Bergisch Gladbach noch lebenswerter wird? Wie wollen wir in Zukunft in der Innenstadt wohnen, arbeiten, lernen und gemeinsam leben? Wie können die Denkmäler und Bestandsbauten auf dem Areal neu genutzt werden?

Dies sind die wichtigsten Fragen, über die die Stadtgesellschaft jetzt gemeinsam nachdenken soll. Das Ziel sind sogenannte „Leitideen“ für den weiteren Planungsprozess.

Für die Stadtverwaltung ist die „Projektgruppe Zanders Innenstadt“ zuständig. Sie ist als Stabsstelle bei Bürgermeister Lutz Urbach organisatorisch angesiedelt. Gemeinsam mit dem externen Fachbüro nonconform wurde die nun startende Beteiligung konzipiert.

Urbach selbst stellt die Chancen des Projektes in einem Video vor:

Ideenwerkstatt im Oktober

Im Kern steht die „Ideenwerkstatt auf Zanders“. Sie findet von Dienstag, den 6. Oktober, bis Donnerstag, den 8. Oktober 2020 vor Ort auf dem Zanders Areal und online statt.

Bürger:innen sind an den drei Tagen eingeladen, in einem offenen Ideenbüro vorbeizukommen, an Begehungen und an Workshops teilzunehmen. Dafür wird eigens ein neuer Zugang von der Innenstadt auf das ehemalige Werksgelände geschaffen.

Vorab setzt das Projektteam einige Impulse zu allgemeinen Themen der Stadtentwicklung:

  • Am Dienstag, den 22. September 2020 inspiriert der Futurologe Max Thinius beim ersten Ideenstammtischen vor Ort mit seinen Gedanken zu einer neuen urbanen Lebensqualität, die durch Digitalisierung in unserem Alltag entstehen kann. Die Frage „Wie werden wir in Zukunft leben, wohnen und arbeiten?“ steht bei einer gemeinsamen Diskussion im Mittelpunkt.
  • Beim zweiten Ideenstammtisch am Dienstag, den 29. September 2020, berichtet Arnold Voss über seine Ideen zum Thema neue Mobilität, beantwortet Fragen der Bürgerschaft und diskutiert darüber mit weiteren Expertinnen und Experten. 

Parallel dazu werden „Ideenbox” ab dem 21. September in der Stadt verteilt. Zudem wird in der Halle ein ständiger Begegnungsort eingerichtet, die frei zugänglich ist, in der sich die Bürger:innen informieren und ihre Ideen abgeben können. Digital ist das an der „Ideenwand” schon jetzt möglich.

Bei der Ideenwerkstatt vom 6. bis 8. Oktober gibt es vier Akteurs-Workshops mit jeweils 15 bis 20 Teilenhmer, die zwar öffentlich, aber nicht für jeden zugänglich sein werden. Die Themen sind offen, ergeben sich aber aus den Teilnehmerkreisen, die das Projektbüro gezielt einladen wird. Dabei geht es um die sogenannten „Stakeholder” – die ein besonderes Interesse oder eine besondere Kompetenz für die Neugestaltung des Areals haben. Diese voraussichtlich vier Workshops finden öffentlich statt, interessierte Bürger können sich zwar nicht aktiv beteiligen, dürfen aber zuschauen und zuhören.

Darüber hinaus gibt mindestens sechs „Spaziergangsworkshops“. Sie stehen allen Bürger*innen offen, sie müssen sich nur im Vorfeld (ab dem 21.9.) anmelden. Diese Workshops, die eine Begehung des Areals beinhalten, seien zentraler Baustein des Beteiligungskonzepts, betont das Projektteam.

An jedem der drei Tage gibt es abends weitere Diskussionsrunden mit bis zu 80 Teilnehmern geben. Am ersten Abend soll der Beteiligungsprozess noch einmal vorgestellt werden, am zweiten werden die Ideen der ersten Workshops präsentiert und diskutiert, am dritten sollen erste Ergebnisse zusammengefasst werden.

Damit ist der Beteiligungsprozess nicht beendet, Themen-bezogene Stammtische sollen möglichst einmal im Monat stattfinden, auch im Winter in der (beheizbaren) Halle.

Corona-Regeln

Aufgrund gesetzlicher COVID 19-Richtlinien und im Sinne der allgemeinen Sicherheit können die Veranstaltungen vor Ort nur mit maximal 90 Teilnehmer:innen angeboten werden. Eine Anmeldung ist über die Webseite möglich. Außerdem kann jede und jeder online auf www.aufzanders.de im Livestream von zu Hause aus mit dabei sein.

Alle Termine im Überblick:

22.09. Ideenstammtisch mit Max Thinius zum Thema „Die Zukunft der Stadt“

29.09. Ideenstammtisch mit Arnold Voss zum Thema „Mobilitätskultur“

21.09.-05.10 Aufstellung von Ideenboxen an vielen Standorten im Stadtgebiet

6.10. bis 8.10. Dreitägige Ideenwerkstatt

Anmeldung ab 21. September 2020

Tag 1: Dienstag, den 6. Oktober 2020

13.00 bis 18.00 Uhr Ideenwerkstatt mit offenem Ideenbüro (keine Anmeldung erforderlich)

Parallel dazu Workshops mit geladenen Akteuren der Stadtgesellschaft im offenen Ideenbüro

13.30-15.00 Uhr Spaziergangsworkshop 1

16.00-17.30 Uhr Spaziergangsworkshop 2

19.00-20.30 Uhr Bürger*innenworkshop – Ideen gemeinsam weiterentwickeln mit Fakten und Status Quo zum Zanders-Areal, Einlass 18.00

Tag 2: Mittwoch, den 7. Oktober 2020

11.00-18.00 Uhr Ideenwerkstatt mit offenem Ideenbüro (keine Anmeldung erforderlich)

Parallel dazu Workshops mit geladenen Akteuren der Stadtgesellschaft im offenen Ideenbüro

11.00-13.00 Uhr Schulklassen zu Besuch auf Zanders

11.00-12.30 Uhr Spaziergangsworkshop 3

13.30-17.00 Uhr Kinderideenwerkstatt mit dem Spielmobil

13.30-15.00 Uhr Spaziergangsworkshop 4

15.30-17.00 Uhr Spaziergangsworkshop 5

19.00-20.30 Uhr Bürger*innenworkshop – Ideen auf dem Prüfstand mit Impulsvortrag von Robert Ambrée, Montagsstiftung, Einlass 18.00

Tag 3: Donnerstag, den 8. Oktober 2020

9.00-12.00 Uhr Ideenwerkstatt mit offenem Ideenbüro (keine Anmeldung erforderlich)

9.00-11.00 Schulklassen zu Besuch auf Zanders

9.00-10.30 Uhr Spaziergangsworkshop 6

19.00-20.00 Präsentation der gemeinsam erarbeiteten Leitideen

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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2 Kommentare

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  1. Bürgerbeteiligung – eine unendliche Geschichte

    Im Juni dieses Jahres hatte ich im Ausschuss für Anregungen und Beschwerden die aktuelle Bürgerbeteiligung zum Projekt Zanders-Innenstadt kritisiert und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung vorgeschlagen.
    Der Antrag wurde von allen Parteien einstimmig (bei Enthaltung Herr de Lamboy, CDU) abgelehnt.
    Die Bürgerbeteiligung sei ausreichend, da im Herbst Veranstaltungen geplant seien, im August ein Online-Beteiligungstool starten würde und eine ausreichende Information über https://www.bergischgladbach.de/projekt-zanders-innenstadt.aspx stattfinden würde.
    Jetzt ist Anfang September und ich habe mal geschaut, wie sich die Bürgerbeteiligung gestaltet.

    Information über https://www.bergischgladbach.de/projekt-zanders-innenstadt.aspx
    Auf der Seite finde ich auf der linken Seite die Rubrik Neuigkeiten Projekt Zanders-Innenstadt. Darunter finden sich 4 Einträge, die letzte ist die Ankündigung von aufzanders.de, davor waren 6 Monate Pause!!
    Auf der rechten Seite finden sich Links, die auf http://www.nonconform.at/de/aufzanders hinweisen und ausserdem: „Interaktive Karte der Denkmäler“, „Downloads“ (jüngster Eintrag November 2019!), „Die Firma Zanders: Eine Gladbacher Geschichte“ und „Das Projekt Zanders Innenstadt“ (hier wird in 30 Zeilen das Projekt kurz skizziert.)

    Online Beteiligungstool
    Seit einigen Tagen ist die Seite http://www.nonconform.at/de/aufzanders erreichbar.
    Es können Ideen auf einer Luftbildkarte eintragen. Aber was soll ich Sinnvolles eintragen, wenn ich nicht weiß, wo Altlasten liegen, wo Kaltluftschneisen entlangführen und welche Emissionen von Zanders zu beachten sind?

    Veranstaltungen
    Sind im September und Oktober geplant und laut Zeitplanung des Zwischenberichtes zum Integrierten Handlungskonzept Zanders Innenstadt anscheinend auf diesen Zeitraum beschränkt.

    Fazit
    Es ist wie beim FNP: Formal wird eine Bürgerbeteiligung durchgeführt, mit der Zanderskarte sogar mit einem netten Tool. Aber das ist zu wenig.
    Es wäre doch ein leichtes, wenigstens den Zwischenbericht zum Integrierten Handlungskonzept Zanders Innenstadt leicht verfügbar einzustellen. Die wenigsten Bürger finden den Weg über das Ratsinformationssystem.
    Bürgerbeteiligung setzt eine umfassende und leicht zugängige Information der Bürger voraus. Dies findet beim Projekt Zanders-Innenstadt noch immer nicht statt.
    Und dass alle im Ausschuss vertretenen Parteien (CDU, SPD, Grüne…..) sich damit zufrieden geben ist ein Armutszeugnis.

  2. „Bergisch Gladbach-Zanderspark“ – Das könnte ein leitendes Master-Projekt in und für GL werden!

    Und NEIN, es geht nicht und schon gar nicht intentional „gegen Zanders“ (was sollte das auch bzw. wer sollte das wollen?), sondern um das zeit- wie umstandsgemäße Nutzen / Vorbereiten von bereits gegebenen und ggf. noch kmd. Möglichkeiten intelligenter Stadtentwicklung auf einem in weiten Teilen bereits brachliegenden Areal im Herzen GL´s.

    Es geht um das Entwickeln, Planen und letztlich Bauen eines neuen und zentralen Stadtteils unter Einschluss aller heute vorliegenden Erkenntnisse in Sachen Städte- / Haus- / Wohnungsbau, Demo-/ Soziographie, Energetik, Verkehr, Logistik, Ökologie, Digitalität etc.

    Und sicher: Es wird auch gehen um das standfeste, nervenrobuste Durchhalten gegen ein mutmaßliches Meer an echten und behaupteten Schwierigkeiten, bestehenden und gemachten Problemen, natürlichen und „persönlichen“ Widerständen; wie das bei Projekten solcher Dimension eben klassischerweise ist.

    Und ebenso sicher: Das intelligente Entwickeln dieses neuen Stadtraumes wird und muss Auswirkungen haben auf einen gesamtstädtischen Flächennutzungsplan als Ausdruck eines ganzheitlichen Stadtenwicklungsplans

    – im Hinblick z.B. auf Wirtschaft u. Gewerbe (bündelnde, zur „Natur“, „Kultur“ u. Struktur GL´s passende Ausrichtung, entsprechend synergetisches Profil, ausfaltende Clusterbildung); Verkehr u. Technologie (ÖPNV-Vernetzung / -verdichtung, „modal shift“, neue Transportformen / -konzepte: z.B. Seilbahn / Verkehrsbauwerke / -Relaisstationen); Demo- / Soziographie u. Digitalität („Generationenmix“, „bewohnte“ u. bewohnbare Innenstädte, integrierte Kulturstätten, neue Kombiformen Arbeit / Leben v.v.) etc. etc.
    Vielleicht ergeben sich für den neuen Stadtteil „Bergisch Gladbach-Zanderspark“ auch wegweisende Möglichkeiten sektoral autonomer Energieversorgung als Modell, wie es einige Gemeinden auch in D bereits praktizieren …

    What- and however: Es wird ein Megaprojekt wohl über die kommenden 10 – 20 Jahre, aber der nächste Rat, die nächste Administration und der nächste BM werden nicht nur den tätigen Anfang machen (müssen), sondern die Grundlagen dafür legen, dass dieses Projekt gelingt.
    Wozu auch eine alle Ressourcen mobilisierende, effektiv organisierte und die Stadtgesellschaft im Ganzen motivierende Bürgerbeteiligung gehört, wie sie nun hier den Anfang zu nehmen scheint …

    Nicht zuletzt im Blick darauf ist die Wahlentscheidung am 13.09.20 von Bedeutung. Denn es bedarf hier keiner Vergangenheitsbeschwörer, Bedenkenträger, Zauderer und Verzögerer,
    sondern derer, die mit Mut, Lust und Kraft, mit zündendem Geist und widerstandsfestem Feuer in die Zukunft (deren Teil selbstredend auch ein für sich überlebens- und entwicklungsfähiges Unternehmen Zanders ist / wäre) denken und handeln!