Sascha Gajewski, Christian Gollmer, Katharina Dröge und Stefan Häusler debattierten im Café „Genuss Ecke"

Eine klimaneutrale Stadt ist machbar – wenn Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung an einem Strang ziehen. Das ist das Ergebnis einer Diskussionsrunde der Grünen mit anderen Akteuren des Klimaschutzes. Beim Zusammenhalt und bei der Willenskraft gebe es allerdings in Bergisch Gladbach noch viel zu tun.

Die Diskussionsveranstaltung der GRÜNEN Bergisch Gladbach zum Thema „Klimaneutrale Stadt 2035, nachhaltiges Wirtschaften in GL – was muss da passieren?“ führte es deutlich vor Augen: das Verabschieden der Resolution zum „Climate Emergency“ durch den Rat der Stadt Bergisch Gladbach allein reicht schlicht nicht aus.

Die konsequente Verfolgung des Ziels, ein klimaneutrales Bergisch Gladbach bis 2035 zu erreichen, ist dringend notwendig. In einer klimaneutralen Stadt nachhaltig leben und wirtschaften zu können, ist für die gesamte Stadtgesellschaft erstrebenswert.

Und eine klimaneutrale Stadt ist machbar – wenn Zivilgesellschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung an einem Strang ziehen. Hier gibt es allerdings in Bergisch Gladbach noch viel zu tun.

Auf Einladung der GRÜNEN Bergisch Gladbach diskutierten im Café ,,Genuss Ecke” Bergisch Gladbach Katharina Dröge (MdB, stv. Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Sprecherin für Wirtschaftspolitik), Stefan Häusler (Mitgründer Klimafreunde Rhein-Berg) und Christian Gollmer (Forum für Nachhaltigkeit fürs Bergische) zum Thema „Klimaneutrale Stadt 2035, nachhaltiges Wirtschaften in GL – was muss da passieren?“.

Moderiert wurde der Austausch von Sascha Gajewski (Co-Sprecher des GRÜNEN OV Bergisch Gladbach).

„Ohne den unbedingten politischen Willen geht nichts”

Im Zentrum des Austauschs stand die Frage, welche Hebel in Bergisch Gladbach bewegt werden können, um die notwendigen Schritte in Richtung Klimaneutralität umzusetzen.

Dass den Entscheidungen der lokalen Politik und dem Handeln der Verwaltung hierbei ein wichtiger Stellenwert zukommt, war unbestritten. Der Dialog darüber, welche Rolle der Wirtschaft und den Verbraucher*innen in diesem Zusammenhang zuwachse, bildete den zweiten Schwerpunkt der Diskussion.

Stefan Häusler stellte schnell fest: „Wenn der unbedingte politische Wille nicht da ist, dann wird sich so schnell nichts verändern. Als Gesellschaft können wir nicht alles allein erreichen – wir brauchen die Politik und eine kompetente Verwaltung, um Maßnahmen schnell umsetzen zu können.“

Christian Gollmer weitete den Blick und stellte fest, dass zur Gestaltung tragfähiger Lösungen letztlich ein breit getragener Aushandlungsprozess notwendig sei. Ein Akteur allein – seien es „die Politik, die Gesellschaft, oder die Wirtschaft“ – könne hier nicht das Notwendige erreichen. 

Katharina Dröge pflichtete dem bei. Dass Politik, mit dem entsprechenden Willen, auch große, kreative Lösungen ermöglichen und konzentriert umsetzen kann, habe nicht zuletzt das lösungsorientierte Agieren in der Corona-Krise gezeigt.

Dass dies auch hinsichtlich der Klimakrise längst notwendig sei, stellte Dröge mit deutlichen Worten heraus: „Die Klimakrise wird am Ende für unsere Gesellschaft gefährlicher werden, als die Corona-Krise. Es geht um die Frage, ob diese Menschheit auf diesem Planeten noch leben können wird.“

Kommunen können viel bewegen

Zur Umsteuerung haben auch die Kommunen gewichtige Hebel in der Hand: allein durch öffentliche Vergaben würden finanzielle Summen bewegt, die eine riesige Lenkungswirkung in Richtung öko-sozialer Standards entfalten könnten.

Ganz im Einklang mit dem Wahlprogramm der Bergisch Gladbacher GRÜNEN wurden schnell weitere Felder notwendiger Veränderungen benannt:

  • Möglichkeiten zur lokalen Energieerzeugung (z.B. Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden und Neubauten),
  • nachhaltig ausgestaltete öffentliche Gebäude, Flächensparsamkeit (z.B. Überbauung statt Neuausweisung von Flächen),
  • eine klimaschonende Verkehrspolitik (z.B. Elektrifizierung und Stärkung des ÖPNV)
  • sowie auch notwendige Anpassungsmaßnahmen im öffentlichen Raum (z.B. Stärkung und Ausbau innerstädtischer Grünflächen)

Dass die GRÜNEN Bergisch Gladbach in einem Klimaschutzkonzept konkrete Ziele definieren und entsprechende Maßnahmen festschreiben, aber das bereits als notwendig Bekannte ohne Verzögerung umsetzen wollen, stellte Sascha Gajewski heraus.

Einsatz für eine nachhaltige Zukunft

Die Frage, inwieweit die (Stadt-) Gesellschaft Einfluss auf einen nachhaltigen Umbau der Wirtschaft nehmen könne, wurde aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Stefan Häusler stellte heraus, dass Bergisch Gladbach über ein riesiges Potenzial verfüge und lokale Unternehmen bereits heute Schritte in Richtung Klimaneutralität gingen.

Das Bewusstsein, dass Klimaneutralität eine tragfähige Basis für zukunftsfähiges Wirtschaften sei, wachse. Dies wurde durch Claudia Bacmeister mit der Vorstellung der jüngst vom GRÜNEN Kreisverband Rhein-Berg veröffentlichten, bio-regionalen Einkaufshilfe für den Rheinisch-Bergischen Kreis illustriert (LINK).

Katharina Dröge betonte darüber hinaus den Punkt, dass ein rascher Umbau der Wirtschaft hin zu einer Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Klimaneutralität jedoch durchaus einer veränderten politischen Rahmensetzung, d.h. regulativer Eingriffe bedürfe.

Nicht nur der Fall Tönnies habe erschreckend deutlich gemacht, dass ein alleiniges Vertrauen auf Veränderungen in der Nachfrage privater Konsument*innen nicht ausreichen könne. „Politik ist eben auch dazu gewählt den Rahmen zu gestalten, den der Einzelne nicht überblicken kann.“

Bürger*innen sollten weiterhin frei entscheiden können, was sie jeweils konsumieren möchten – Herstellern hingegen müssten klarere Vorgaben gemacht werden, welchen Anforderungen ihre Produkte zu genügen hätten.

Gleichzeitig sollte das massive Konjunkturpaket  (Umfang: rd. 130 Milliarden Euro) möglichst als Chance genutzt werden, eine klimaneutrale Wirtschaft in Deutschland in die Realität zu bringen.

Nicht nur die Politik kann Veränderungen bewirken

Dass Verbraucher*innen mit ihrem täglichen Einkauf, aber auch am 13. September an der Urne über die künftige Ausrichtung unserer Wirtschaft, aber auch unserer (Stadt-) Gesellschaft abstimmen können, betonte Sascha Gajewski als Co-Sprecher des GRÜNEN OV Bergisch Gladbach mit Blick auf die anstehende Kommunalwahl.

Eine Videoaufzeichnung der Veranstaltung kann auf der Facebook Site des OV Bündnis 90 / Die Grünen GL (auch ohne Account) unter folgenden Links abgerufen werden: Teil I, Teil II

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.