Sebastian Kaiser, Björn Thoms und die Garage, wo alles begann.

Zwei kleine Biermarken etablieren sich gerade in Bergisch Gladbach und in der Region, beide kommen aus Schildgen. Die ersten waren Sebastian Kaiser und Björn Thoms, die ihre Marke „Dukebergh’s“ und ihr erstes Wieß in einer Garage entwickelt haben. Jetzt bereiten sie schon eine zweite Sorte vor: ein dunkles Dubbel für den Advent.

Um ein richtig gutes Bier zu brauen, benötigt man nicht mehr viel. Und auch der Wunsch, seine eigene Biersorte in Flaschen und Fässer zu füllen und professionell zu vermarkten, lässt sich umsetzen.

Das haben der Sprachwissenschaftler Sebastian Kaiser und der Ingenieur Björn Thoms gerade aus einer Garage in Schildgen heraus demonstriert: Ihr erstes Bier, ein süffiges Wieß wurde ihnen trotz eines Preises von 2,09 Euro pro Flasche aus den Händen gerissen. Im Advent wollen sie nachlegen, mit einem dunklen Dubbel.

Kurz darauf brachte Martin Büchel sein „Schildchen Bräu“ auf den Markt. Das ist jedoch eine eigene Geschichte. Damit ist Schildgen aber noch nicht zum Brauerei-Standort geworden; denn die tatsächliche Herstellung und Abfüllung der Biere geschieht in spezialisierten Lohnbrauereien.

Zurück in die Garage von Kaiser und Thoms. Die beiden kennen sich aus der Schulzeit am NCG und IGP, teilen einige Hobbys und nicht zuletzt die Liebe zum Bier. Mehr und mehr sei so jedoch der Frust gewachsen, dass es zwar so viele Biermarken gebe, aber nur wenige Sorten, die sich geschmacklich wirklich unterscheiden, berichtet Kaiser.

Erste Craft-Beer-Experimente in der Brau-Garage

Inspiriert von der Craft-Beer-Welle und aus einer typischen Bierlaune heraus hatten sie im Juli 2018 beschlossen, es selbst mal zu probieren. Sie besorgten sich einen 30-Liter-Brauautomaten, den man schon für unter 500 Euro bekommt, die notwendigen Zutaten im Internet und ein Computerprogramm. Und sie beschäftigten sich in der Fachliteratur intensiv mit dem Brauprozess.

Sebastian Kaiser, Björn Thoms

Für rund 30 Euro könne man Malz, Hefe und Hopfen in Bioqualität für einen Durchgang kaufen, bei dem am Ende rund 17 Liter herauskommen. Aber bis das Ergebnis in Geschmack, Geruch und Farbe auch Kaiser und Thoms zufrieden stellte, waren viele Durchgänge, viele Probierstunden im Freundeskreis und viel Experimentierfreude notwendig. Denn auch wenn das Brauequipment relativ übersichtlich ist – dahinter steckt ein aufwendiger chemischer Prozess mit vielen Parametern.

„Je nachdem, wie wir die Sorten und Mengen von Malz, Hopfen und Hefe kombinieren, kommt etwas sehr unterschiedliches heraus“, erläutert Thoms. Im Computer wird jeder Brauvorgang akribisch dokumentiert, werden immer neuen Varianten durchgespielt.

So entstand nach und nach die erste Sorte der „Dukebergh’s“, ein mildes, leicht süssliches Wieß. Dabei handele es sich nicht etwa um eine Kölsch-Sorte, sondern um einen Vorläufer, der ein wenig in Vergessenheit geraten war, erklärt Kaiser.

Kein krasses Craft-Beer, sondern zum Start mit Absicht eine milde Sorte. „Wir wollen die Leute nicht gleich schockieren mit unserer ersten Sorte,“ sagt Thoms. Also auch keine geschmacksstarken amerikanischen Hopfen, sondern die traditionellen deutschen Sorten „Perle“, „Tettnanger“ und „Hallerthauer Tradition”.

Aus der Bierlaune heraus wurde es in diesem Jahr dann ernst. Mit dem naturtrüben Wieß wollten die beiden Hobbybrauer auf den Markt, entwickelten einen Namen und ein Logo („Dukebergh’s“ – in Anspielung an die Grafen von Berg), Etiketten, Werbematerial und ein Vertriebskonzept.

Zudem mussten sie sich mit rechtlichen Fragen herumschlagen, vom Baurecht bis hin zum komplexen Brau- und Markenrecht.

Gebraut wird bei den Experten

Der Traum von einer eigenen kleinen Hausbrauerei wurde vorerst vertagt – das wäre aufgrund der rechtlichen Vorgaben viel zu aufwändig. Stattdessen machten sich Kaiser und Thoms auf die Suche nach einem Lohnbrauer, der zu ihrem Konzept passt und nach ihren Vorgaben braut. Denn die Markenwerte sind für die beiden klar: hohe Qualität, keine unnatürlichen Zusatzstoffe, Verankerung in der Region.

Fündig wurden sie für die erste Runde bei der Chiemgauer Brauerei Camba Bavaria, wo in einer ersten Charge insgesamt 20 Hektoliter als Doppelsud nach ihrem Rezept gebraut wurden. Heraus kamen 5339 Flaschen, oder 222 Kästen. Gelagert wurde das Bier bei Otter-Getränke in Schildgen, wo es auch zu kaufen ist – meistens im 4er Pack zu 7,99 Euro.

Aber auch in vielen anderen gut sortierten Geschäften (Rewe Odenthal, Rewe Wintgens in der Schlossgalerie, Edeka Hetzenegger in Sand, Rewe Koll in Bechen, Rewe Jakubek in Paffrath), in Kneipen und Restaurants der Region (Pub Schildgen, Olivenhof, Postschänke, Altenberger Hof) und auch einigen Cocktailbars in Köln wird das „Dukeberg’s“ als Alternative zu den etablierten Marken angeboten.

Die Resonanz war sehr positiv, die Nachfrage riesig. Rasch wurden weitere 30 Hektoliter nachgebraut. Als Zeichen der Verbundenheit mit der Region fließen zehn Prozent des Netto-Gewinns in den Odenthaler Verein Mutige Kinder. 

Das Dubbel wird in Pützchen gebraut

Die zweite Sorte, das Dubbel, wird schon in der Region gebraut, auf einer Anlage von Fritz Wülfing in Bonn. Dort können Kaiser und Thoms beim gesamten Brauprozess vom Schroten des Getreides bis hin zum Abfüllen der Flaschen kräftig mit anpacken.

Wülfing sei der Pionier und Vordenker der deutschen Craft Bier-Bewegung, berichtet Kaiser. Er habe zunächst wie sie selbst als sogenannter Gypsy-Brauer gearbeitet und 2014 seine eigenen Brauerei „Ale-Mania” in Bonn-Pützchen etabliert.

Das Rezept für das Dubbel orientiere sich an der belgischen Tradition: rötlich-braune Farbe, volles süßlich-malziges Aroma, das an Karamell erinnere. Ein wenig Kandiszucker verleiht dem Dubbel seinen typischen Geschmack und sorgt für einen Alkoholwert um die 6,5 Prozent. Auch hier ist der eingesetzte Hopfen sehr mild.

Kennenlernen kann man das Wieß und demnächst das Dubbel sowie einige Sorten von anderen Brauern bei regelmäßigen Craft Bier-Tastings der beiden Brauer. Der erste Termin findet an diesem Donnerstag ab 19.30 Uhr im Irish Pub in Schildgen statt.

Mehr Infos gibt es auf der Website, Facebook und Instagram.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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