Nach dem Krieg leitete Josef Döpper 27 Jahre lang das Ordnungsamt Bergisch Gladbach. Und er hat die Nachkriegsgeschichte der Stadt maßgebend mitgestaltet: Die Existenz des Verkehrsausschusses, den Wiederaufbau der Freiwilligen Feuerwehr und einiges mehr hat die Stadt ihm zu verdanken. Jetzt verstarb er im Alter von 94 Jahren.

Sein Werdegang bei der Stadt war ungewöhnlich. Josef Döpper wurde 1941 zur Ausbildung als Verwaltungsangestellter der Stadt Bensberg eingestellt. Die Ausbildung konnte er bis Ende 1943 fortsetzten, wurde 1944 zum Reichsarbeitsdienst einberufen, dann von der Wehrmacht eingezogen.

Er hat den Krieg als Soldat in der verlustreichsten Phase an der Front in Frankreich und Deutschland erlebt, war mehrfach schwer verwundet und geriet am Ende in Gefangenschaft – 1945 zuerst in Frankreich bei Cherbourg (Normandie), dann in den USA.

In Amerika war er interniert in McCain (Mississippi) und anderen Camps. Nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft 1946 konnte er sofort seine Ausbildung bei der Stadt Bensberg fortsetzen: zunächst im Einwohnermeldeamt, danach im Sozialamt.

Wohnungsnot, Flüchtlinge und Vertriebene

In dieser Zeit wurde noch in Reichsmark ausgezahlt, zudem gab es Lebensmittelkarten. Die Not der Menschen war groß, die meisten waren auf die „Volksküche“ angewiesen. Die Essensausgabe fand damals im Sozialamt statt. Es bestand Wohnungsnot, Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten waren unterzubringen.

Sieben Jahre war Josef Döpper im Sozialamt tätig, lernte die Not und das Elend der Nachkriegszeit kennen und versuchte zu helfen, wo er konnte.

Die Währungsreform, die erste Kommunalwahl 1948, der Abschluss der Entnazifizierungsverfahren sowie der allgemeine Wiederaufbau fanden in diesen turbulenten Zeiten statt. Die Verwaltung wurde neu eingerichtet – mit der Änderung des kommunalen Verfassungsrechtes nach britischem Vorbild.

Mit der Wahl von Stadtdirektor Wilhelm Wagener 1949 brach eine neue Zeit für Bensberg an. Wilhelm Wagener war ein Mann der Tat, er setzte sich merkbar für den Wiederaufbau Bensbergs ein.

Nach dem Sozialamt arbeitete Josef Döpper einige Monate im Steueramt und in der Finanzverwaltung. 1954 wechselte er zum Ordnungsamt. Um in das Beamtenverhältnis zu kommen besuchte Josef Döpper die wieder in Betrieb genommene Verwaltungsschule für das Verwaltungs- und Sparkassenwesen in Köln (Vorgänger der heutigen Fachhochschule für Verwaltung).

Aufstieg an die Spitze des Ordnungsamtes

1956 wurde er – noch in der Weiterbildung – mit der Wahrnehmung der Aufgaben des Amtsleiters des Ordnungsamtes betraut.

Wenige Monate später, nach Abschluss der Weiterbildung und Ernennung zum Inspektor, wurde er – gleichzeitig mit der Ernennung – zum Leiter des Ordnungsamtes benannt. Ein ungewöhnlicher Vorgang, der auf Wunsch des damaligen Stadtdirektors Wilhelm Wagener erfolgt ist.

Die Jahre danach erfuhr Josef Döpper eine Beförderung nach der anderen, um vom Inspektor zum Oberamtsmann, später zum Verwaltungsrat zu gelangen – ohne Parteibuch. Josef Döpper legte sehr viel Wert darauf, absolut unabhängig zu bleiben. Gleichzeitig war er immer ein politisch sehr interessierter Mensch.

Über den Verkehrsbeirat zum Verkehrsausschuss

Die Leitung des Ordnungsamtes war eine kraftzehrende, aber auch spannende Aufgabe. Viele Geschichten und Anekdoten wusste Josef Döpper zu berichten. Stolz war er, dass auf seine Initiative hin der „Verkehrsbeirat“ gebildet wurde, der fortan alle anstehenden Verkehrsprobleme der Stadt in den 60-er und 70-erJahren behandelte und in Zusammenarbeit mit dem Straßenverkehrsamt löste. Der „Verkehrsbeirat“ war der Vorläufer des Verkehrsausschusses nach der Gebietsreform.

Unter Josef Döpper wurde des Weiteren die Freiwillige Feuerwehr wiederaufgebaut. Dazu zählten der Fuhrpark, die gesamte Ausrüstung der Bediensteten und die Errichtung der Gerätehäuser sowie einer neuen Feuerwache.

Die Fertigstellung der neuen Feuerwache fiel mit der Fertigstellung des Bensberger
Ratshauses zusammen, beide Gebäude wurden 1971, an einem Tag, feierlich mit der Bevölkerung eingeweiht.

Wechsel in die neue „Großstadt”

Nach der Zusammenfügung der Städte Bergisch Gladbach und Bensberg im Zuge der Gebietsreform 1975 wurde das neue Bergisch Gladbach plötzlich Großstadt. Das Ordnungsamt erhielt die Bezeichnung „Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung“.

Josef Döpper wurde auch in der neuen Stadt zum Leiter dieses Amtes bestimmt.
Die Zusammenlegung der beiden Verwaltungen war nicht zuletzt wegen der alten Rivalitäten zwischen Bensberg und Bergisch Gladbach nicht einfach.

Die Leitung des neuen Ordnungsamtes forderte viel Energie und Engagement.
Nach 27 Jahren Leitung des Ordnungsamtes folgten fünf Jahre Leitung des
Rechnungsprüfungsamtes, bevor er 1989 im Alter von 58 Jahren in den Ruhestand ging.

Josef Döpper kannte die Verwaltung, vor allem die Bensbergs, wie kaum ein anderer in seiner Zeit. Er hat die nachkriegsgeschichtliche Entwicklung maßgebend mitgestaltet.

„Geschichte einer bergischen Familie und was ich sonst noch so erlebt habe“

Josef Döpper genoss einen herausragenden Ruf. Ihm wurde eine natürliche Autorität zugesprochen, er zeichnete sich durch weit überdurchschnittliches Engagement aus. Zeitlebens fühlte er sich der Stadt Bergisch Gladbach, vor allem aber seinem geliebten Bensberg, verbunden.

In den Jahren seiner Pension widmete sich Josef Döpper seinen vielen Hobbys. Er wurde zum Beispiel Imker, setzte hin und wieder seine Mal- und Zeichenarbeiten fort, begann mit dem Klavierspiel. An religiösen und philosophischen Fragen war er in den letzten Jahren zunehmend interessiert.

Zeit seines Lebens Christ, legte er viel Wert auf Toleranz und Verständigung. Die letzten Jahre kümmerte er sich liebevoll und manches Mal über seine Kräfte hinaus um die Betreuung und Pflege seiner schwer erkrankten Frau, die Ende Januar dieses Jahres verstorben ist. Das Paar war 68 Jahre verheiratet.

Josef Döpper hat 2010 seine zweiteilige „Familien-Chronik – Die Geschichte einer bergischen Familie und was ich sonst noch so erlebt habe“ abgeschlossen und ein Exemplar auch dem Stadtarchiv überlassen. Damit hat er der Nachwelt ein spannendes Zeitzeugnis vermacht.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.