Mit der neuen Ratsperiode könnte im neuen „Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität“ für die Radverkehrspolitik in Bergisch Gladbach eine neue Zeit anbrechen. Das Thema steht gleich mehrfach auf der Tagesordnung der ersten Sitzung, unter anderem eine Vorlage der Verwaltung für die Hauptstraße. Dazu hat der ADFC drei Anregungen.

Am Dienstag, den 24. November, findet ab 17 Uhr die erste Sitzung des neuen Verkehrsausschusses statt. Neu ist der Name, er heißt nicht mehr Ausschuss für Umwelt Klimaschutz Infrastruktur und Verkehr (AUKIV) sondern Ausschuss für strategische Stadtentwicklung und Mobilität (ASM).

Das mit dem AUKIV hatte nicht funktioniert. Sucht man im Internet nach dem Wort findet man an erster Stelle: Brötchentaste siegt über Fahrradstraße. Diese Veranstaltung war all die Jahre großer Mist, hat also nicht funktioniert, auch wegen der vielen Themen und der Länge der Sitzungen.

Und es gibt noch was Neues: Nach den Kommunalwahlen vom 13. September sind die Schwarzen in der Opposition, die Ampelbunten dürfen jetzt bestimmen. Da könnte schon mal Hoffnung aufflammen. Hinzu kommt, dass der neue Chef der Verwaltung Radfahrer ist.

Doch wieder lang

Ich habe mir die Dokumente zur ersten Sitzung angeschaut. Es wird wieder eine lange Sitzung. Die Verwaltung gibt Gas beim Mobilitätskonzept Bergisch Gladbach 2030 (MobiK), bisher sträflich vernachlässigt, und macht Vorschläge zur Laurentiusstraße, zur Odenthaler Straße und zur Hauptstraße.

Grundsätzlich geht es den Planern der Stadt darum, schnell umsetzbare deutliche Verbesserungen der Radverkehrssicherheit zu finden. Diese wurden auf der Hauptstraße zwischen der Umweltspur Schnabelsmühle und der Odenthaler Straße allerdings nicht gefunden.

In der Regel nehmen sich die Planer den Baukasten für Fahrradsicherheit vor, der bestückt ist mit Fahrradstraßen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen, ARAS, Fahrradampel, 30 km/h usw. Auf der Hauptstraße war aber, bedingt durch das hohe Verkehrsaufkommen und die fehlenden Straßenbreite, nichts zu finden.

Radverkehrssicherheit

Die Verbesserung der Radverkehrssicherheit hat viel mit Psychologie zu tun. Wenn ich als Radfahrer eng überholt werde oder mittels Hupe genötigt werde, doch dem viel schnelleren Verkehr Platz zu machen, dann ist das sicher das mit Abstand größte Problem, mehr Radfahrer aufs Rad zu bringen. Das ist auch aus vielen Gesprächen in Radfahrerkreisen zu entnehmen.

Als unmittelbare Unfallursache tritt ein mangelnder Überholabstand zwar nur selten in Erscheinung. Vermutlich sehr viel häufiger, wenn auch schwieriger zu erfassen und noch weniger untersucht, führt mangelnder Überholabstand indirekt zu vermeintlichen Alleinunfällen.

Unfälle von Radfahrern durch mangelnde seitliche Abstände beim Vorbeifahren werden nur in schweren Fällen überhaupt statistisch erfasst. Als Alleinunfälle erhalten sie nur im Falle notwendiger Hilfsmaßnahmen den Status verkehrlicher Unfälle.

Für die Wahl des Verkehrsmittels ist die subjektive, gefühlte Sicherheit deutlich wichtiger als die objektive. Die ließe sich auch auf der Hauptstraße durch drei Maßnahmen verbessern.

Überholverbot

Jetzt gibt es seit Anfang des Jahres ein neues Verkehrsschild in der StVO, das VZ 277.1, heißt: „Verbot_des_Überholens_von_einspurigen_Fahrzeugen“, also ein Überholverbot, welches explizit Radfahrer schützen soll.

Das ist sehr viel restriktiver als ein „1,5 Meter Abstandsgebot“, weil der Abstand nicht gut zu schätzen ist – aber ein Überholvorgang selbst aus großer Entfernung eindeutig erkannt werden kann. Und es wäre knapp 170 m lang.

Bedeutet also: Drei dieser Schilder müssen aufgebaut werden.

Aufgeweiteter Radaufstellstreifen

Vor der Ampelanlage Odenthaler Straße/Hauptstraße gibt es sinnvollerweise einen Aufgeweiteten Radaufstellstreifen (ARAS), damit die Radfahrenden im Pulk starten können.

Falls es Bedenken (!) wegen der Straßenbreite gibt, zieht man die Haltelinie für den Kraftfahrzeugverkehrs zurück bis die Straße wieder breit genug ist (Am Waatsack wird es eng) und wartet dann die Umsetzung des Bebauungsplans 2168 ab. Natürlich ist dann bis zum Forum Tempo 30 verpflichtend.

Piktogramme

Warum die Planer ein Problem mit den Radpiktogrammen hat, ist mir nicht ganz klar. In ziemlich vielen Städten ist dieses Mittel im Baukasten drin, die Empfehlung für Radverkehrsanlagen (ERA 2010) empfiehlt es für Radverkehrsfurten.

Sicher hat das Verkehrsprojekt der Bergischen Universität Wuppertal „Radfahren bei beengten Verhältnissen – Wirkung von Piktogrammen und Hinweisschildern auf Fahrverhalten und Verkehrssicherheit“, dessen Ergebnis abgewartet werden soll, das Ziel, die Kommunen zu informieren aber nicht die Aufgabe, die Radpiktogramme in die StVO einzubauen.

Wie langwierig es im Übrigen ist, die StVO anzupassen, hat man an der letzten Novelle der StVO im April 2020 gesehen. Vielleicht überdenkt die Straßenverkehrsbehörde noch einmal ihre Ablehnung gegen das illegale Aufmalen dieser Piktogramme.

Bernhard Werheid

Seit Gründung des ADFC Kreisverbandes RheinBerg-Oberberg e.V. in 2013 bin ich im Vorstand, seit Herbst 2015 Vorstandsvorsitzender.

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9 Kommentare

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  1. Straßen sind für alle Verkehrsteilnehmer da. Und für alle gilt auch der § 1 der Straßenverkehrsordnung. Folglich sind wir alle zur Rücksichtnahme verpflichtet. Liebe Mitbürger, die Straßen sind doch vorhanden und haben bisher zum wirtschaftlichen Aufbau und Erfolg Erfolg ihren Dienst erfüllt. Dieser wurde doch in erster Linie durch Automobile getragen. Damit will ich keinesfalls die Radfahrer abschlägig bewerten. Radfahren ist gesund, empfehlenswert und man sollte wo immer die Möglichkeit dies, vor allem für Kinder, gefahrlos ermöglichen.

  2. Es ist einfach fürchterlich was uns Realisten von Träumern mehr und mehr diktiert werden soll.
    Nichts geht mehr mit Maß und vor allem auch nicht gemeinsam mit vernünftigen Kompromissen.
    Alles muss sofort, ohne Rücksicht auf persönliche und wirtschaftliche Folgen und möglichst LAUT umgesetzt werden.
    Frei nach dem Motto „Wer schreit hat recht“.
    Das war einmal genau anders herum.
    Nun ja, scheinbar nichts bleibt vernünftig.
    So, nun muss ich aber schnell auf mein Rad.
    Ich habe nämlich kommende Woche Donnerstag einen Termin in Frankfurt. Warum mit dem Rad fragt sich der Ein oder Andere?
    Ganz einfach: Damit bin ich schneller.
    Mit dem Rad zumindest darf ich „noch“ andere Radfahrer überholen.
    Wie lange das allerdings noch erlaubt ist, man weiß es nicht.
    Ich sage nur:
    Der gefährliche Reifenabrieb und was einem sonst noch einfallen könnte um mit erhobenem Zeigefinge im Rampenlicht zu erscheinen!
    Weiter so, wir kriegen uns schon klein.

  3. @Rolf+Havermann
    „Aber nun gleich die Radfahrer zum Verkehrsteilnehmer Nr. 1 zu machen wird nicht funktionieren und in sich zusammenfallen, wenn einmal mwhr Rad- als Autofahrer sich auf der Straße bewegen.“

    Es geht nicht darum wer Nummer 1 ist, es geht um Gleichberechtigung im Straßenverkehr. Und die gibt es, Stand heute NICHT.

    „Der Vorschlag des ADFC, ein Überholverbot für Autofahrer zugunsten der Radfahrer einzurichten, mutet wie der Versuch, eine deutschlandweite Maut für PKWs einzuführen.“

    Wissen Sie, als jemand der tagtäglich mit dem Rad unterwegs ist frage ich mich ohnehin schon immer, wo in der StVO eigentlich geschrieben steht: „Radfahrer MÜSSEN überholt werden.“. Bisher habe ich diesen Paragraph noch nicht gefunden.
    Sicheres Überholen von Radfahrern: mindestens(!) 1,5 m seitlicher Abstand. Wo das nicht möglich ist darf man nicht überholen! Ist heute schon Gesetz. Scheinen aber nur wenige zu wissen – oder es kümmerst einfach niemanden. Wenn man sich also an die Regeln hält (oder besser: halten würde), herrscht bereits auf bestimmt 60% aller Gladbacher Straßen ein Fahrrad-Überholverbot.

  4. Muss noch was nachlegen.

    Als Lobbyisten der Fahrradindustrie machen sich die Protagonisten des ADFC wirklich gut, als vorsorgliche Ratgeber für innerstädtische Verkehrsprobleme kaum. Den Vorschlag des „Überholverbotes“ habe ich schon kommentiert. Auch die zusätzlichen Umweltverschmutzungen habe ich betrachtet. Was ich heute im Gegensatz zu früher nicht ins Blickfeld rückte ist das Wetter und unsere Topographie. All die schönen Fahrradwege, Fahrradschutzstreifen und autofreien Fahrradstraßen werden unberadelt sein, wenn es stürmt, regnet und schneit oder der Frost das Wetter beherrscht. Das kann selbst ein ADFC nicht regeln, zur Topographie rät er E-Bikes. Ich schrieb ja schon, Lobbyismus! Für eine 4-köpfige Familie eine Investition von 10.000,00 € . Darauf antwortete mir her Werheid einmal, es gäbe schon gebrauchte für 400,00 €. Die sind allerdings lebensgefährlich.

  5. Es bleibt natürlich zweifelsfrei, dass für den Radverkehr viel mehr gtan wewrden muss akls es bisher der Fall war. Aber nun gleich die Radfahrer zum Verkehrsteilnehmer Nr. 1 zu machen wird nicht funktionieren und in sich zusammenfallen, wenn einmal mwhr Rad- als Autofahrer sich auf der Straße bewegen.

    Der Vorschlag des ADFC, ein Überholverbot für Autofahrer zugunsten der Radfahrer einzurichten, mutet wie der Versuch, eine deutschlandweite Maut für PKWs einzuführen. Da sollen also erhebliche Schlangen entstehen, die sich bei oft 10 km/h hinter des/der Radfahrer:in – selbst ein Tempomat beginnt erst bei 30 km/h – herquälen. Motoren altern schneller, der Umweltschutz wird mit Füßen getreten, niemand kann mehr außer an Ampeln die Straße überqueren. Wie weit ist denn das gedacht?

    Mit der Brechstange geht gar nichts, alle Verkehrsteilnehmer müssen ins Boot, über Seilbahnen sollte nachgedacht werden und der ÖNVP muss klimaneutral ertüchtigt werden, was Takte und Preise anbelangt.

  6. @Hansjörg Kickuth

    Planungen alleine reichen nicht aus. Es kommt wie immer auf die Umsetzung an und genau damit hat die CDU so ihre Probleme. Selbst die Planung für das Stadthaus wurde durch die ausufernden Kosten zum vorläufigen Rohrkrepierer. Durch den Politikwechsel wird jetzt endlich vielen Planungen Leben eingehaucht und kommen zur Umsetzung. Von daher verstehe ich Ihre Kritik nicht, Sie sollten sich darüber freuen!

  7. Immer wieder interessant was manche so alles in einen Text hineininterpretieren können.

    @Wulf+Dietrich
    Wo stand denn jetzt in dem Text, dass Sie demnächst nicht mehr Autofahren dürfen?

    @Hansjörg Kickuth
    Wo haben Sie da Selbstbeweihräucherung der Ampel herausgelesen, welche im übrigen auch voraussetzen würde, dass der Text von ebendieser verfasst worden wäre.

  8. Auf einmal ist alles ganz einfach. Viele Pläne aus der CDU Vergangenheit wereden jetzt neu auf gegriffen. Ich bin nicht dafür, dass alles was zu CDU Zeiten vorgeschlagen wurde jetzt als Mist dargestellt wird. Will die neue Koalition sich schon jetzt beweihräuchern.?

  9. Furchtbar interessante Angebote für einen zu 92% schwerbehinderten auf seinKFZ anewiesenen 80 jährigen Rentner…Kauft der putzige AFC jetzt fürich ein..fäht mich zum Arzt…oder was ist jetzt die Possibility?
    Wulf Dietrich