Kunstlehrer Piet Beuys konzipierte die Aktion.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion macht das Dietrich Bonhoeffer Gymnasium auf den fehlenden Breitbandanschluss aufmerksam. Schüler:innen der Klasse 5D haben im Kunstunterrichts einen Graben ausgehoben – als Symbol für den dringend benötigen Anschluss ans Glasfasernetz. Ein Testlauf hatte zuvor gezeigt, dass der Digitalunterricht in der Schule eigentlich funktioniert. Was fehlt ist ein schnelles Internet.

„Unsere Schüler:innen der Oberstufe wollten im Kunstunterricht Bilder recherchieren. Das Internet war dafür jedoch schlichtweg zu langsam“, beschreibt Schulleiter Frank Bäcker die Problemlage. Daran kann auch Kunstlehrer Piet Beuys nichts ändern; aber der Nachfahre des Künstlers Josef Beuys hat eine Idee.

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Per Kunstaktion will Beuys auf das Fehlen eines Breitband-Anschlusses aufmerksam machen. Flugs (um nicht zu sagen FLUX) war das Projekt geboren, einen symbolischen Graben auszuheben. Dieser soll auf den dringenden Bedarf der Schule für einen Zugang zum schnellen Internet aufmerksam machen. Denn für den Anschluss an das Glasfasernetz braucht man eine Leitung, die in einem solchen Graben verlegt wird.

Soziale Plastik

„Der Graben folgt dem Konzept der sozialen Plastik von Josef Beuys. Statt ein Material künstlerisch zu bearbeiten nutzen wir die Gesellschaft als Kunstobjekt und versuchen eine Änderung herbeizuführen“, erklärt Piet Beuys. „Die Schüler:innen erleben zugleich eine enorme Form der Selbstwirksamkeit über ein Kunstprojekt,“ sagt der Kunstlehrer.

Die Schüler:innen bei der Arbeit, Im Hintergrund ist das Kreishaus zu sehen.

In der Tat: Die Klasse 5D ist am Mittwoch mit Eifer bei der Sache und hat den symbolischen Graben schnell ausgehoben. Nicht ganz ohne einen erhobenen Zeigefinger: Führt der Graben doch vom alten Schulgebäde in Richtung des Kreishauses.

Und der Kreis ist zuständig für den Breitbandausbau. Zwar hat man dort mit der Telekom die Glasfasererschließung der ganzen Stadt längst vereinbart. Wann dies erfolgt weiß indes niemand so recht.

„Wenn nichts geschieht müssen wir dafür sorgen dass die Glasfaser zu uns kommt – und sei es per Kunstaktion“, erklärt Schulleiter Frank Bäcker. 50 Mbit/s seien einfach zu wenig für 1.000 Schüler:innen und Lehrer:innen.

Schulleiter Frank Bäcker

Lockdown auf Probe

Dabei beherrscht das DBG, das vom Land unlängst als Digitale Schule ausgezeichnet worden war, das Lernen auf Distanz via Internet. Vergangene Woche hatte das Gymnasium während eines „Digitalen Donnerstag“ den Beweis angetreten.

„Wir wollten prüfen was geschieht, wenn wir ad hoc in den Lockdown gehen. Daher der Digitale Donnerstag“, erklärt Frank Bäcker. „Was läuft gut, was läuft schlecht, alles im Rahmen des normalen Stundenplans von zuhause aus.“

Mit dieser Idee sandte Bäcker knapp 900 Schüler:innen und 75 Leher:innen am 19. November für einen Tag ins Home Schooling. Unterricht per Internet – die letze Alternative, wenn beim Thema Präsenzunterricht nichts mehr geht.

Intensive Vorbereitung

Seit dem vergangenen Lockdown hatte sich das DBG intensiv darauf vorbereitet. Es gab schulinterne Weiterbildungen, Mikro-Fortbildungen zwischen den Kolleg:innen und kostenintensive Fortbildungsmaßnahmen.

Der Distanzunterricht fand dann unter ganz wenigen verbindlichen Rahmenbedingungen statt: So hätten die Lehrer:innen zu Beginn und zu Ende der Stunden eine kurze Rückmeldung zum Test der Anwesenheit einholen müssen. Ansonsten hätten sie jegliche pädagogische Freiheit gehabt, den Unterricht per Internet nach ihren Vorstellungen durchzuführen: Als Video-Unterrichtsstunde, oder zum Beispiel in Gruppenarbeit, was durch die Software Teams unterstützt würde.

Selbst Sport sei unter diesen Bedingungen machbar gewesen, freut sich Bäcker. Etwa mit Übungen, die es zuhause zu absolvieren galt. „Wir wollten jeden Unterricht abbilden“, beschreibt der Schulleiter das Konzept.

Konkurrent Home Office

Die meisten Schüler:innen konnten dies von zuhause aus durchführen. Wenn die Hardware fehlte, lieh die das DBG die städtischen Tablets aus. Wer keinen Breitbandzugang zuhause hatte, konnte dem Digitalen Unterricht per Schulcomputer im DBG folgen. Dies galt auch, wenn die heimischen Arbeitsplätze bereits durch Eltern im Home Office belegt waren.

Die Bilanz von Frank Bäcker: In der Regel hatte die gleiche Menge an Lerninhalten vermittelt werden können wie beim Präsenzunterricht. Mit der Microsoft-Plattform habe man endlich eine einheitliche Software-Plattform, die Interoperabilität garantiere. Die Schüler:innen hätten ein wichtiges Signal erhalten, dass sich die Schule um den Distanzunterricht kümmere.

Probleme habe es mitunter beim Timing gegeben, z.B. bei den Pausenzeiten. Auch die Menge der gestellten Aufgaben müsse hier und da noch optimiert werden, erklärt Bäcker. Ansonsten, so das Fazit, habe sich das Pauken der Pauker in den Sommerferien gelohnt. Die Lehrer:innen seien rasch mit der Technik des Distanzunterrichts vertraut geworden.

Manko Breitband

Einziges Manko bleibt der schnelle Internetanschluss, so die Bilanz des Digitalen Donnerstag. Vertreter von Telekom, Kreis oder Stadt waren bei der Kunstauktion am Mittwoch nicht vor Ort. Die Schule hofft dennoch, mit dem „Buddeln für Breitband“ auf ihre Not aufmerksam zu machen.

Man müsse doch dringend daran arbeiten, wie man die Pädagogik und den Unterricht per Internet weiterentwickle. Was es für die Schüler:innen bedeute, digitalen Unterricht zu erhalten. Der Computerraum an Schulen sei längst passé. Jedes Klassenzimmer müsse für digitales Lernen optimiert sein.

Dieser Prozess, so fürchtet Bäcker, drohe ins Stocken zu geraten, wenn es in absehbarer Zeit keine Breitbandperspektive am DBG gebe.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Der Kreis koordiniert die Projekte mit Förderung durch Bundes- und Landesmittel. Aber die Stadt ist als Schulträger ebenfalls in der Verantwortung und kann die Initiative ergreifen.

  2. Kurzer Faktencheck: Für den Breitbandausbau an den Schulen zeichnet der Kreis verantwortlich, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

  3. Volle Unterstützung für diese Aktion! Das „Ampel“ Bündnis wird in Kürze zusammen mit Bürgermeister Stein ein Programm aufsetzen, um den schnellen Internet Anschluss von Schulen zu beschleunigen.

  4. Super Aktion !!
    Meine frühere Schule (Montanus RS in Leverkusen) – dort war ich Chemie- und Biolehrerin…, hat VIELE Jahre probiert, sich digital besser aufzustellen… nie war Geld da und wie sich dann herausstellte auch kein Glasfasernetz..!! Damit wurden unsere Anträge für die Geräte einfach abgelehnt….!!
    Von wegen Schulen haben sich nicht bemüht…!!
    Wir waren Vorreiter in „Chemie entdecken“ (ich), NW, MINT.. alles nur Eigeninitiative der Kollegen!!!

  5. Wenn sich die im Artikel angegebene Geschwindigkeit (50MBit) auf die Download-Geschwindigkeit bezieht, dann könnte es möglicherweise eine Lösung geben: Zwei Straßen weiter (in der Paulusstraße) bietet einer der großen Kabelnetzbetreiber Internetanschlüsse bis zu 500 MBit (Download) und 50MBit Upload an. Eine Nachfrage beim Anbieter könnte klären, ob am DBG eine solche Verbindung auch möglich ist. Das angebotene Tempo ist nicht so hoch wie bei Glasfaseranschlüssen, dafür könnte die Umsetzung ggf. deutlich schneller möglich sein.