Auch das Bürgerportal wagt sich nach und nach an eine gleichberechtigte Sprache und arbeitet mit dem sogenannten Binnen-I. Unser Gastautor Reiner Thor fragt sich, wohin das führen soll – und plädiert für eine altmodische Lösung.

Liebe Leserin, lieber Leser,

die gesellschaftliche Anerkennung der Frau, die sich auch in der Sprache ausdrückt, kommt spät. Hoffentlich nicht zu spät. 

Die gendergerechte Sprache kreiert kreativ immer neue Formen: Doch ist das Binnen-I der letzten Jahre wie bei InsiderInnen heute noch zeitgemäß? Verwende ich vielleicht doch besser * Sternchen? Oder : Doppelpunkt? Oder Unter_strich? 

Kommt es zu Umbenennungen? Wie heißt künftig der Ort, an dem unsere schöne Strunde das Licht dieser Welt erblickt? Wird Herrenstrunden vielleicht im nächsten Jahrhundert zu Damenstrunden? Und in der Übergangszeit zu ‚Herr*innenstrunden’ oder aber ‚Herrenstrund*innen’, gesprochen mit einer kleinen Pause beim Sternchen oder Binnen-I oder Unter_strich? Der Strunde wird  es wahrscheinlich egal sein. Aber uns kann und darf es nicht egal sein.

‚Mannschaft’ geht klar, aber sollten wir in vielen Fällen nicht besser ‚Frauschaft’ sagen, schaffen doch viele Frauen mehr als Männer? Nein, das ist wohl noch zu früh.

Ein zynischer weißer alter Mann meinte kürzlich, er würde den Änderungen nur folgen, wenn ‚herrlich’ zu ‚dämlich’ werden würde. Aber das geht natürlich überhaupt nicht.

Ich bleibe vorerst bei „Liebe Leserin, lieber Leser“. Soviel Zeit muss sein. Und es ist gesprochene Gleichberechtigung.

Ihr Reiner Thor

Reiner Thor

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

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9 Kommentare

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  1. Sehr geehrter Herr Thor. Der letzte Satz in ihrem Kommentar mit dem Beispiel “ Liebe Leserinnen, liebe Leser “ entspricht auch meiner Meinung. Es ist nach wie vor die einzig richtige Schreibweise. Alles Andere an gekünzelten, aus dem Hirn gepressten Verunstaltungen der deutschen Schreibweise, ist so unnötig wie ein Kropf. Wer es nicht gelernt hat korrekt mit Wort, Schrift und Taten gegenüber Frauen aufzutreten, den interessiert diese Thematik nicht. Ich stelle mir auch die Frage wo soll das noch hinführen? Was ist eigentlich mit den „d“s ? Gibt es dann auch noch bald Änderungen im täglichen Leben außerhalb vom Schriftverkehr? Es ist schon traurig, das man sich von einigen profilierungssüchtigen Wichtigtuern so beeinflussen lässt, diesen Humbug mit zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass nur ein sehr geringer Bevölkerungsanteil sich mit dieser Schreibverunstaltung befasst. Unsere Frauen sind emanzipiert und haben es nicht nötig diesen Quatsch mit zu machen. Es gibt doch wahrhaftig wichtigere Themen in unserem Leben.
    Meine Schreibweise werde ich nicht verändern. Das Lesen von Texten etc. mit
    diesen verunstalteten Worten, werde ich mir nicht antuen. es landet im Papierkorb.

  2. Der Beitrag von Herrn Thor, der so gar nicht toerricht ist, und die Zuschriften anderer Leser machen mich glücklich, und das so kurz vor Weihnachten und auch noch unerwartet. Gendergerechte Sprache, wie sie an den Universitäten inzwischen zum Pflichtprogramm geworden ist, ist eine Anmaßung von diskursfeindlichen Akademikern, die in der Nähe totalitären Denkens und einer Selbstbemächtigung liegt, für die es an jeglicher demokratischer Legitimation fehlt. Die in der Gendersprache srukturell vorhandene Appellfunktion will jeden ausgrenzen, der sie nicht benutzt. Sprachlogische Fehler werden gerne in Kauf genommen, ebenso ein Verlust an Präzision und Ästhetik. Ich selbst war ziemlich lang Student, aber nicht immer ein Studierender. Heute wäre ich ein Studierender, der nicht immer studiert. Und von Läden, die „KundInnen“ adressieren, wie zuletzt gelesen, fühle ich mich nicht angesprochen. Wo bleibe ich dort als Kunde?

  3. Mir hat man(n) und auch Frau beigebracht, dass eine Dame zu erst begrüßt wird, aber auch in einem Schreiben oder einer Rede die Damen zuerst genannt werden.
    z.B Sehr geehrte Damen und Herren…..
    Ist denn noch niemand aufgefallen, dass das Sternchen oder das .Innen immer hinten steht. Nur so als Tipp für neue Überlegungen……

  4. Ich – als Frau – bedaure eigentlich Frauen, die es nötig haben, sich durch ein „Binnen-I“ aufwerten zu lassen. Ich finde zwar auch verschiedene Dinge ungerecht, – weniger Geld für manches Mal bessere Arbeit als die eines Mannes, sexuelle Anmache etc. Aber die wirklichen Probleme der Gleichberechtigung lassen sich durch die Vergewaltigung von Sprache und Schrift m.E. nicht lösen. Wegen eines Binnen-I werden Frauen keine bessere Behandlung erfahren. Im Gegenteil. Meines Erachtens macht man sich mit solchem Killefitz eher lächerlich und kleiner, als man in manchen Dingen als Frau eh schon bewertet wird. In meinen und Bambams eigenen Texten werde ich mich bis ans Ende meiner Tage weigern, mich diesem Zwang zu unterwerfen.

  5. Die Aufgabe von Sprache ist es, die Verständigung von Menschen zu ermöglichen. Die Sprache soll Inhalte so präzise wie nötig und so einfach wie möglich vermitteln. Damit ist Sprache von vornherein gerecht, denn jeder, der bereit ist, diese Sprache zu erlernen, kann sie gleichberechtigt nutzen.

    Der Versuch, über den Weg des Genderns eine weitere Ebene der Gerechtigkeit einzufügen, widerstrebt diesem ursprünglichen Zweck von Sprache. Es führt uns weg von dem Ziel, Inhalte einfach zu vermitteln. Es erschwert sowohl das Verfassen als auch das Erfassen von Inhalten.

    Aber ich bin da guter Dinge, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass alle Versuche, Sprache durch politischen Einfluss einzelner Gruppen zu verändern, langfristig gescheitert sind. Oder kennen Sie persönlich noch jemanden, der „Spaghetti“ so schreibt, wie die Macher der Rechtschreibreform sich das gedacht haben?

  6. Die Damen, die so vehement darauf pochen, gefälligst immer und überall gleichberechtigt „beschrieben“ zu werden, verunglimpfen dieses Thema zum Selbstzweck. Die Verhohnepipelung der deutschen Sprache, selbst wenn die von Männern geprägt ist, führt auch durch die Überlegung, der halben Bevölkerung in gendergerechter Hinsicht zu willen zu sein, ins Abseits. Frauen, die sich ihrer Rolle in der Gesellschaft bewusst und sicher sind, brauchen nach meiner Erfahrung kein „Frauenstunden“ oder „Mutterland“ und kein „frau“ statt man. Die anderen mögen sich um wahre Emanzipation bemühen, die ihnen besser helfen würde als der Wunsch nach gendergerechter Sprache.

  7. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Wir sollten alle in Versalien schreiben!

    Aus meiner Sicht hat sich die Schreibweise mit der männlichen und weiblichen Form in allen Schreiben abseits der Alltagssprache bewährt. Damit werden Texte etwas länger, aber 99% der angesprochenen Personen fühlen sich mitgenommen und alles bleibt les- bzw. sprechbar.

    Das Binnen -I mit ausgesprochener Pause oder Sternchen oder andere Trennzeichen finde ich persönlich sehr unpassend, gerade weil dann auch nie eine 100%-Trefferquote bei herauskommt und es doch sehr „roboterhaft“ rüberkommt. Und das generisches Femininum finde ich putzig, da es einfach nur das Spiegelbild dessen ist, worüber sich Feministinnen zuvor aufgeregt haben. Da kommt bei mir dann eher der Verdacht der Rosinenpickerei auf.

  8. Und was ist mit denen, die sich nicht als Leser oder Leserin sehen?

    Vielleicht könnte das BP mal in Erfahrung bringen, wieviele Menschen sich das divers in den Personalausweis haben schreiben lassen. Ich tippe auf Null.

    Mit dem generischen Maskulinum ist man doch nun viele Jahrzehnte sehr gut gefahren.

    Und wie heißt es so schön bei Wikipedia:
    „… deren Geschlecht (sprachlich: Sexus) unbekannt oder nicht von Bedeutung ist.“

    Insbesondere der letzte Teil sollte bedacht werden. Bei den meisten Themen ist es doch so was von egal, welches Geschlecht der Empfänger des Textes hat.

    Ich habe in meinem Leben, ob privat oder beruflich noch niemanden kennengelernt, dem diese Schreibweise wichtig ist oder Wert darauf legt.

    Was aber klar ist, es ist eine riesige Verschwendung von Steuergeld für eine kleine laute Gruppe.
    Allein die Anzahl an Professuren für Gender Studies in DE lassen einen (oder eine, vielleicht eines?) nur kopfschüttelnd zurück.

    „Liebe Leserinnen, liebe Leser“ als Einstieg und dann in Fällen, wo das Geschlecht egal ist, das generische Maskulinum nutzen, würde sicherlich der Großteil Ihrer Leser dankend zur Kenntnis nehmen.

    Deutsch ist solch eine präzise Sprache, wir sollten Sie nicht verunstalten durch solch ein, durch zu viel Wohlstand gefördertes, Thema.