Wer bei Minusgraden auf den Bus wartet, macht sich so seine Gedanken. Welche Streiks noch auf uns zukommen können: von Bahnvorständen gegen kostenloses Bahnfahren, von einem Denkstreit des Verkehrsministers.

Bei einigen Graden unter Null stand ich rechtzeitig an einer Haltestelle und erwartete den Bus, der mich zur Straßenbahn nach Köln bringen sollte. Denn die S-Bahn fuhr wegen des neuerlichen Streiks nicht. Der Bus kam dann erst 20 Minuten später. Eine nette Nachbarin zeigte mir eine App mit dem ausgefallenen Bus. Ein kleiner Trost: Je länger man wartet, desto kürzer wird die verbleibende Wartezeit.

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Mir wurde klar: Mein Smartphone reicht bald nicht mehr aus, die vielen Apps für die Ausfälle und Verspätungen bei der Bahn und bei den Bus- und Straßenbahnunternehmen zu speichern.

Wir sind auf einem guten Weg zu kostenlosen Zugreisen: Wenn die Rückzahlungen nach Verspätungen der Deutschen Bahn die Einnahmen aus dem Ticketverkauf übersteigen, wird der Fahrkartenverkauf sinnlos. 

Der Nachteil: Wenn keine Einnahmen mehr erzielt werden, erhalten die Vorstände der Bahn auch keine Boni mehr (hoffentlich hat die Überweisung der Boni im vergangenen noch rechtzeitig geklappt). Wie zu hören war, sollen die Bahn-Vorstände für den Ausfall der Boni bereits Streiks angedroht haben und ihre aufopferungsvolle Tätigkeit niederlegen wollen. 

Streiks gehören zur Demokratie wie das Salz in der Suppe. Ich bin natürlich für Streiks. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Jede Bürgerin und jeder Bürger hat das Recht, jederzeit und überall friedlich zu streiken. 

Was aber, wenn die Suppe arg versalzen ist? Ja, dann müsste man sogar Streiks bestreiken können. Der Organisator der Lokführerstreiks war es jetzt selber leid und und droht mit Streik bei der Ausrufung neuer Streiks. Wie man hört, fordert er für sich die Null-Stunden-Woche bei vollem Hohnausgleich.

Weil eine richtige Opposition Mangelware ist, hat die jetzige, weit vorausschauende Regierung, als erste Regierung überhaupt, die Opposition in ihrem Inneren durch eine Koalitionsvereinbarung institutionalisiert. 

So soll der Verkehrsminister angedroht haben, in einen Denkstreik treten zu wollen. Manche empfinden das Gegenteil eher als Bedrohung, aber immerhin. Die Ankündigung ist dann aber in der heißen Luft, die sie selbst darstellt, zum Glück verdunstet. Und die Drohung unseres aus dem Bergischen stammenden Finanzministers streiken zu wollen, versandete in dem Getriebe, das er vorher durch eben diesen Sand blockiert hatte. 

Der Satiriker Dieter Höss hat 2018 im “Nebelspalter” geschrieben:

Bummelstreik

Zur Durchsetzung
meiner Forderungen
nach mehr Honorar
dichte ich ab sofort
streng nach Vorschrift.

Mein nächstes
satirisches Gedicht
erscheint deshalb erst
in vier Wochen.

Jetzt werden neue, originelle, prämierungswürdige Streikformen gesucht. Wir wäre es damit? Bauern lassen die Sau raus und kleben sich an ihre Schweinekoben?

Für Anregungen bin ich sehr dankbar.

Was hörten wir von einem bekannten Politiker? „Wer die letzte Ölung bei mir bestellt, kann sie bekommen.” Oder so ähnlich. Genaues weiß niemand.

Was ist aus bloß dem Land, wo einst Milch und Honig flossen, geworden? Ein Land mit H-Milch und Kunsthonig?

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

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