Für einen stationären Aufenthalt in einem bergischen Krankenhaus muss ich als gesetzlich Versicherter pro Tag eine Zuzahlung von 10 Euro an meine Krankenkasse leisten. Gut, das tut nicht so weh, wenn ich auf diese Weise meine Schmerzen loswerde. Aber wenn man mal schaut, was im Hintergrund abläuft, möchte man – ganz nebenbei – verzweifeln.

Ein Tag im Krankenhaus kostet round about ein paar tausend Euro. Da sind denn auch alle Kosten vom Hausmeister bis zum Chefarzt abgedeckt. Darin steckt natürlich auch die Verwaltungskraft, die meine Daten erfasst. Denn meine Tage als Patient sind gezählt.

+ Anzeige +

Meine Krankenkasse bekommt die Daten übermittelt. Per Brief, per Fax, per Mail. Wie auch immer. Die Kasse gibt diese Daten weiter an ein Inkasso-Unternehmen, in dem eine Fachkraft nach ordentlicher Prüfung einen Vorgang anlegt und mir eine Zahlungsaufforderung schickt. Zwei Ausdrucke (einer für die Akten wird im Aktenordner abgeheftet oder vielleicht sogar schon im Computer abgespeichert. Dann geht das Schreiben in die Post: Eintüten in den Briefumschlag, Porto, Versand an mich.

Ich gebe meiner Bank den Auftrag, den Betrag an das Inkasso-Unternehmen zu überweisen. Die Bank führt den Auftrag aus und kassiert Gebühren. Ich finde die Überweisung auf meinem Kontoauszug.

Das Inkasso-Unternehmen kontrolliert den Eingang der verlangten Summe und überweist das Geld an die Krankenkasse. Dort verbucht eine Fachkraft den ordnungsgemäßen Eingang der Zuzahlung … Aktenordner etc. etc.

Rechnungen und Quittungen der Zuzahlungen reiche ich mit der Steuererklärung beim Finanzamt ein. Dort beschäftigt sich dann eine Fachkraft unter anderem mit diesen Zuzahlungen. 

Nicht eingerechnet sind Irrtümer, Einsprüche, Korrekturen. 

Ich fürchte, die Kosten für die Bearbeitung der Zuzahlung sind durch die vielen Beteiligten und Vorgänge beileibe nicht gedeckt. Die Kosten dürften erheblich höher sein. Es ist also nicht einmal ein Nullsummen-Spiel, es ist ein Minussummen-Spiel.

Nicht eingerechnet sind die Aufwendungen für die vielen Gremien kluger Köpfe, die diese Zuzahlungen ausgedacht und beraten haben. Nicht eingerechnet sind die Beratungen über die vielen Ausnahmen von diesen Regelungen. Die alle natürlich im Internet zu finden sind, aber auch ab und zu aktualisiert werden müssen.

Die Gründung eines Bundesamtes für Ineffizienz und Irrsinn steht unmittelbar bevor. Das bedeutet neue Arbeitsplätze. Ich hoffe, ich bin dabei.

Es hat geklingelt: Vor der Tür stehen zwei kräftige Männer mit weißen Jacken.

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

20

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Es erstaunt, welche Mythen sich in unserem alltäglichen Lebensvollzug verbreiten. Trotz oder wegen der Informationsflut aus dem Internet? Bei der Suche nach den Existenzgründen von Zuzahlungen – Krankenhaus, Arznei- oder Heil- und Hilfsmitteln, möchte ich einen kleinen Recherchetipp geben:
    1. Suche nach “Geschichte der GKV-Reformen”.
    2. 2004 Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG)
    Zitat: “Mit dem GMG sollen die Krankenkassen allein 2004 um rund zehn Milliarden Euro entlastet werden. Die Einsparungen sollten zum einen zum Abbau der insgesamt rund acht Milliarden Euro Schulden, zum anderen zur Beitragssenkung verwendet werden. Der durchschnittliche Beitragssatz sank von 14,3 Prozent im Jahr 2003 auf 14,2 Prozent im Jahr 2004.”

    Mit den besten Grüßen…

    1. Das GMG ist bekannt (übrigens ist es die Abkürzung für „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung “ oder kurz „GKV-Modernisierungsgesetz“), das Ziel der Reform unter Kostengesichtspunkten ebenfalls. Leider ist auch mit Kenntnis des Gesetzes die Frage nach wie vor offen, in welchem Maß Kostensenkungen durch Patientenbeteiligung oder durch geringere Inanspruchnahme von Leistungen erzielt werden sollten.

  2. Danke Herr Hansen,
    das könnte doch bitte der Anfang einer dauerhaften Rubrik „Chronik des laufenden Schwachsinnˋs“ werden :-)
    … und sei es als Ventil, dass weniger Irregeleitete die AfD wählen…

    „Die Wärter stehen schon bereit mit Jacken,
    um werkgerecht die Irrenden zu packen,
    die freundlich auf den Dächern springen – für diese Leute will ich singen.“
    Hanns Dieter Hüsch
    (»Ich sing für die Verrückten”)

  3. Oh je, da wurde aber etwas ganz schön falsch verstanden. Die Zuzahlung soll weder zusätzliches Geld in die Krankenhausetats bringen noch ein Kassendefizit verhindern. Sie soll eine Lenkungswirkung entfalten – wer selbst etwas zuzahlt, entwickelt eher ein Bewusstsein dafür, dass er eine teure Leistung in Anspruch nimmt.

    1. Worin soll diese Lenkungswirkung bestehen? Ich kenne niemanden, der freiwillig ins Krankenhaus geht. Eine Lenkungswirkung war bei der schon längst abgeschafften Praxisgebühr angedacht, um das s.g. Ärztehopping zu unterbinden. Die Krankenhauszuzahlung ist eher vergleichbar mit Medikamentenzuzahlungen, welche tatsächlich der Kostendämpfung dienen.

      1. Ob Sie persönlich jemanden kennen, ist jetzt nicht so entscheidend. Bei der Abwägung, eine Behandlung stationär oder ambulant durchführen zu lassen, kann die Zuzahlung schon eine Motivationshilfe sein, ebenso bei der, ob man baldmöglichst nach Hause geht oder „zur Sicherheit“ noch etwas bleibt – bei Geburten gibt es da beispielsweise einen Spielraum.

        Für eine Kostendämpfung ist der Zuzahlbetrag jedenfalls deutlich zu gering, das zumindest hat die obige Glosse korrekt dargelegt. Mit diesem Ziel im Hinterkopf hätte man den Betrag eher bei 30 bis 50 €/Tag angesiedelt. Dass damit niemand überfordert wird, hätte sich wie jetzt auch durch Überlastungsgrenzen und die Höchstzahl an Zuzahlungstagen regeln lassen.

  4. Als nette Glosse gedacht, jedoch ein wertvoller Beitrag, der zum Nachhaken anregt.
    Sie unterstellen eine allgemein beklagte Mittelverschwendung und evtl. Patientenabzocke? Zu Pkt. zwei bleibt festzustellen, dass das Geld wohl bei den Krankenkassen ankommt, also im System verbleibt.

    Was schlagen Sie in Richtung Wirtschaftlichkeit vor, um den Break-Even-Point zu erreichen? Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Krankenhauszuzahlung? Abschaffen kann ja wohl nicht die Lösung sein. Das vernichtet wertvolle Arbeitsplätze. Die Kosten dafür wurden uns ja auch schon tausendfach vorgerechnet. Oder befindet sich dieses “Geschäftsmodell” gar bereits in der Gewinnzone? Die eigentlichen Kosten entstehen ja nicht im laufenden Betrieb, sondern bei der Errichtung der dafür nötigen Infrastruktur. Diese ist – wie Sie sehr gut beschrieben haben – , zugegebener Maßen sehr ausgefeilt und vielschichtig, um nicht zu sagen, weit übertechnisiert. Ein wahres Spielfeld für gelangweilte Informatiker – C. Northcote.Parkinson lässt grüßen. Daran „Verzweifeln“ ist das richtige Wort.
    Nun funktioniert das Zuzahlungseinzugssystem jedoch nicht erst seit gestern. Also, wie steht es mit der Armortisation das Ganzen? Daraus ergibt sich die nächste Rechercheaufgabe. Wie hoch sind die Gesamteinnahmen seit Bestehen und selbstverständlich der damit verbundene Aufwand in „Heller und Pfennig“?

    Auf das Ergebnis bin ich echt sehr gespannt. Das meine ich wirklich im Ernst und beklage damit gleichzeitig die insgesamt sehr mangelhafte Berichterstattung in den öffentlichen Medien zu den wichtigen Themen der Gesundheitsfinanzierung.

    Das Parteien- und Politgerangel ist das eine, aber wo bleiben die Daten und Fakten, damit der Wähler sich eigene Urteile bilden kann? Wie, wo und warum entstehen diese Milliardenminusbeträge der Krankenkassen? Oder fallen sie wirklich vom Hmmel?

    Erklären sie sich nicht durch die seit Jahrzehnten feststellbare „Drückebergerei“ der Bundesgesundheitsminister? Andrea Fischer (Grüne, 1998 – 2001) war die Letzte, die es sich getraute, mit überlebenswichtigen Gegensteuerungsmaßnahmen (z.B.Budgetierung) unbeliebt zu machen. Aber diese wurden bis heute nicht weiterbearbeitet. Ein dickes Dankeschön für die Arbeitsverweigerung an Ex-Ges.-Minister*In Fr. Ulla Schmidt (SPD), H. Philipp Rösler (FDP), H. Daniel Bahr (FDP), H. Hermann Gröhe (CDU), H. Jens Spahn (CDU)!!. Finanzierungsreformen waren einfach eine Nummer zu groß für sie. Wie geht es jetzt weiter?

    Minister Lauterbach kann sich bei dem Sanierungsstau nur Ärger einhandeln. Was ist zu erwarten? Zusammenhalt der Restdemokratie? Fehlanzeige. Willkommen Demokratieverdruss!

    1. Sind seit 2015 nicht Hunderttausende neue Leistungsempfänger in den GKV gelandet, die einer gleichbleibenden Zahl an Leistungserbringern gegenübersteht?
      Das erklärt das Defizit recht schnell.
      Muss man vielleicht doch zurück zu einer oder vielleicht nur 4-5 gesetzlichen Krankenkassen, was allein den Verwaltungsapparat erheblich reduzieren würde.

      1. Sehr guter Einwand, Herr Dr. Alban. Die Diskussion über die s.g. Einheitskasse kenne ich seit ca vier Jahrzehnten. Der Blick in Länder mit voll staatlichen Gesundheitssystemen lehrt uns jedoch das Grausen. Wenn Patienten (Vermögende!) z.B. aus Großbritannien nach Deutschland kommen müssen, um z.B. dringende Operationen zu erhalten, stellen sich viel härtere Fragen.
        Das Ringen um Finanzierungen muss ein permanenter Prozess sein und bleiben. Das ist die vorrangige Aufgabe des BfG und wird leider nur noch wahr genommen, wenn die Hütte brennt.
        Das Bruttosozialprodukt gibt übrigens genug her, um auch sozial Schwache, zu denen zähle ich auch die Zugewanderten, adäquat zu versorgen. Den Hauptknackpunkt sehe ich z.Zt. in der Beitragsbemessungsgrenze, welche an die RV-Grenze angehoben werden könnte. Es ist noch viel Spielraum im System.

    2. @Herr Richter: “Wie, wo und warum entstehen diese Milliardenminusbeträge der Krankenkassen?”
      Ich habe mich bereits häufig gefragt, ob es nicht ein Denkfehler war oder ist, von den Einnahmen der Krankenkassen die Pensionen ehemaliger Gehaltsempfänger zu finanzieren. Ich weis natürlich nicht, ob hier nur noch Altzusagen abgearbeitet werden. Das Rechnungsergebnis für 2020 weist in jedem Fall eine Prämienzahlung zu Rückdeckungsversicherungen in Höhe von rd. EUR 8.004.480, Beiträge an Pensionskassen in Höhe von 177.473.369, eine “Zuführung ./. Entnahme zur Altersrückstellung” von EUR 622.876.058 und EUR 152.595.683 aus.
      https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/GKV/Finanzergebnisse/KJ1_2020_Internet.pdf

      1. #Rita. Super Recherche! Die gesetzlichen Krankenkassen hatten tatsächlich noch lange Zeit nach dem Krieg Behördenstatus. Die Angestellten unterschieden sich vom klassischen Beamten – z.B im Staatsdienst – nur dadurch, dass für sie in Streitfragen mit dem Arbeitgeber das Arbeitsgericht zuständig war. In allen anderen Punkten galt für sie das Beamtenrecht, also auch in der Altersversorgung. Dafür mussten/müssen, um die Versorgungsbezüge sicher zu stellen, Rücklagen gebildet werden, welche in die Pensionskassen flossen/fließen. Dies geschah/geschieht ersatzweise für RV-Beiträge der gesetzlichen Rentenversicherung.
        Der Berufsstand des s.g. DO-Angestellten (DO=Dienstordnung) wurde im KK-Bereich 1993 abgeschafft und “wächst sich also raus”. DO-Angestelltenverhältnisse existieren jedoch in anderen Sozialversucherungseinrichtungen weiter, z.B. BfA.

      2. „wächst sich also raus“
        Na das kann noch dauern. Wenn die letzte Pensionszusage aus 1993 ist, dann arbeiten da vermutlich auch heute noch etliche DO-Angestellte.
        Danke für Ihre Erläuterung!

  5. Ein ähnlich grausiges Beispiel ist der Fördermittel-Manager beim Rheinisch-Bergischen Kreis.
    Da wird eine Stelle geschaffen, um Fördermittelprogramme zu verwalten und durchforsten, da man den Überblick verloren hat.
    Dieser ganze Apparat an Fördergeldern ist ein riesiger Verwaltungsmoloch, der sicherlich effektiver wäre, wenn er abgeschafft würde und die freiwerdenden Gelder einfach über höhere andere Zuwendungen an die Kommunen verteilt wird.

  6. Wunderbar! Der Text ist leicht nachzuvollziehen und die Recherche dazu bedarf sicher keiner Tiefe wie sie Herr Lehner fordert, die kann jede/r selbst erleben, wenn sie/er mal im Kranknehaus war.

    1. Natürlich ist Deutschland überreguliert. Das steht völlig außer Frage. Die Zuzahlungen zur stationären Aufnahme in Krankenhäusern sind ja nicht deshalb beschlossen worden, um die Patienten an den tatsächlichen Kosten zu beteiligen. Sondern sie sollten u.a. die Eigenverantwortung der Patienten stärken. Diese „Alles Mist“ Mentalität finde ich unerträglich. Sie unterminiert das Vertrauen der Bürger in unser Land. So etwas stärkt allenfalls die politischen Ränder unserer Gesellschaft. Da helfen dann irgendwann tatsächlich nur noch starke Männer in weißen Jacken.

      1. Wahr ist es dennoch.
        Und es ist höchst legitim, sogar Pflicht, auf Missstände hinzuweisen.
        Claqueure, die alles gut finden, gibt es genug.
        Ziemlich undemokratisch, Ihr Pamphlet.

      2. Jens Schiffer, Gefühlte Wahrheiten populistisch zu veröffentlichen, hilft keinem. Und so etwas zu kritisieren, ist natürlich nicht undemokratisch.

  7. Sehr geehrter Herr Thor,
    haben Sie das alles so recherchiert? Haben Sie mit Krankenkassenverbänden, Krankenhäusern, Politik, etc. gesprochen? Sind Sie Gesundheitsökonom? Art und Duktus des Beitrages lassen bei mir Fragen aufkommen.