Ein kluger Freund vertrat die Ansicht, unsere Verwaltung sei für die Bürgerinnen und Bürger da. Über diese anscheinend einfache Frage gerieten wir in eine Grundsatzdiskussion, denn ich war anderer Ansicht: Ich meine, wir Bürgerinnen und Bürger sind für die Verwaltung da, wir sind sogar für die Verwaltung verantwortlich. 

Ein Ausflug in die Geschichte 

In grauer Vorzeit gab es hier Hirsche, Wildsäue und Neandertaler und natürlich keine Verwaltung. Die wurde erst später erfunden. Mit allen angenehmen und unangenehmen Konsequenzen.

Wenn die Verwaltung heute sagt, sie sei für die Bürgerinnen und Bürger da, dann will sie sich bei uns einschmeicheln.

Um was geht es?

Mitte Februar hing das Transparent zur Corona-Information auf dem Konrad-Adenauer-Platz traurig herab. Einige Befestigungen fehlten.

15. Februar

Zwei Wochen später komme ich zufällig wieder dort vorbei und stelle fest: Es hat sich nichts getan. Vielleicht meinen die Verantwortlichen, es sei nicht so wichtig, schließlich richten sich die  Informationen ja auch nur an Menschen, die Deutsch können.

Das Transparent schlabbert herum, inzwischen fehlen noch mehr Kabelbinder. 

Was tun?

An wen kann ich mich wenden? Eine Anlaufstelle für ‚Transparenz und Transparente’ habe ich auf den Webseiten der Stadt nicht gefunden. Die Stelle für ‚Anregungen und Beschwerden’ im Rathaus informieren? Ich will mich ja nicht beschweren. Anregen, das Transparent mal zu befestigen? 

28. Februar

Fast täglich parkt der Wagen des Ordnungsamtes mit einer außerordentlichen Genehmigung zum Parken im absoluten Halteverbot (wir haben darüber im Oktober 2019 berichtet) auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Meist parken sie wenige Meter vor dem Transparent. Hätten die Ordnungsamtsmitarbeiter den Zustand der Information nicht bemerken müssen?

Mein kluger Freund meinte, sie würden genau dort parken, damit unsere Stadtführung das Elend mit dem Transparent nicht täglich sehen muss. Schließlich sind es keine achtzig Meter Luftlinie von den Fenstern des Bürgermeisters bis zum schlappen Lappen.

Google Earth

Warum haben Ordnungsamtsmitarbeiter nicht selbst Hand angelegt? Eine Erklärung könnte sein, dass diese Fachkräfte keine Lizenz für Kabelbinder haben.

Als ich mich an die Grundsatzdiskussion mit meinem klugen Freund erinnere, dass ich als Bürger ja für die Verwaltung verantwortlich bin und dass ich ihr also auch unter die Arme greifen sollte – nein, geradezu verpflichtet bin, wie ein Vater seinem Kind zu helfen hat, wenn es nicht so richtig klappt – entschloss ich mich zu handeln: Im Baumarkt erstand ich ein Päckchen Kabelbinder, nahm eine gute Zange mit und tüddelte am 2. März das Transparent in eigener Machtvollkommenheit fest (nicht ganz perfekt zwar, aber immerhin).

2. März

Worauf es nun ankommt:

Passen wir aufeinander auf!

Und künftig vielleicht sogar in mehreren Sprachen, wie die Werbewirtschaft uns das professionell vormacht:

PS. Für den Fall, dass ich bei meinem Einsatz wegen Amtsanmaßung verhaftet worden wäre, hatte ich vorgesorgt: Mein Freundeskreis hätte eine Kampagne zu meiner Befreiung gestartet.

Weitere Beiträge zum Thema

Ganz nebenbei: Wir müssen ins Fernsehen!

Eine Diskussion unter Freunden des guten Geschmacks über die Darstellung und Wahrnehmung Bergisch Gladbachs in der breiten Öffentlichkeit hat schonungslos Fragen aufgeworfen: Hat unsere kleine Stadt im Schatten von Köln ein Image? Werden wir draußen überhaupt wahrgenommen? Wahrscheinlich eher nicht.

Ganz nebenbei: Außer Spesen nix gewesen?

Vor etwas über einem Jahr brach eine kleine Truppe aus dem Bergischen nach China auf, um die Millionenstadt Zhangjiagang als Partnerstadt zu gewinnen. Was ist aus dem großen Plan eigentlich geworden?

Ganz nebenbei: Bierdose statt Matschhose

Pfingsten auf dem Spielplatz am Quirlsberg: Ein leeres 5-Liter-Fass, Glasflaschen, Scherben, Pizzakartons. Aber keine Kinder. Hier würde ich auch nicht spielen wollen. Und es sagt auch etwas über die Bewältigung der Corona-Krise aus.

Ganz nebenbei: Rettet den Parkraum

Kippekausen war immer eine Mustersiedlung – nicht zuletzt beim Parkplatz-Problem. Dafür gibt es in Kippekausen nun Lösungsideen, die erneut richtungsweisend sind.

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Reiner Thor

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

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8 Kommentare

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  1. Ich weis nicht was das Verwaltungsbashing in den Kommentaren soll. Danach sind es dann die faulen Lehrer und überhaupt “ Der Finanzbeamte“ von den Knöllchenausteilern garnicht zu sprechen.
    Liebe Leute, ohne Verwaltung würden würden wir im Chaos, Anarchie und Müll ersticken !
    Vielleicht ist es ja auch so“ Wie man in die Verwaltung reinruft, so ruft es zurück“
    Auch ich habe persönlich schon mehrfach mit der Verwaltung zu tun gehabt und habe egal in welchem Bereich, sei es Ordnungsamt, Bauamt, Führerschein, Personalausweis in Bergisch Gladbach nur die besten Erfahrungen gemacht.
    Ich möchte diesen Job nicht machen und habe Hochachtung vor den Mitarbeitern. Vielleicht spüren die das auch, und vielleicht habe ich auch deshalb ganz gute Karten mit meinen Anliegen in der “ Verwaltung “
    Bevor ein falscher Eindruck entsteht. Nein, ich habe nie in der Verwaltung gearbeitet. Im Gegenteil, meine „Gegner“ waren hauptsächlich die Betriebsprüfer der Finanzämter und Sozialversicherungen.
    Man begegnete sich mit gegenseitigem Respekt und Höflichkeit und wenn man wirklich „unterlag“ hatte der Mandant auch genügend Steck am Drecken.
    Aber auch hier gelang mit sachlichen Gesprächen häufig eine Einigung.
    Übrigens wurde mir vor Jahren auch mal eine Knolle wegen Nichtzahlen der Parkgebühr erlassen. Die Verwaltung erkannte in einem Gespräch eine Notlage und erlies die Knolle.
    Mit Freundlichkeit und Sachlichkeit klappts auch mit der “ Verwaltung“

  2. Nicht umsonst sind die Mitarbeiter der Verwaltung dafür bekannt, dass sie nur für das Wohl des Kurfürstentums Bergisch Gladbachs da und dass sie als hochwohlgeborene Beamten über jede Kritik erhaben sind. Der normale Bürger wird nur als Bittsteller wahrgenommen, um nicht zu sagen – lästiges Volk.
    Sie wollen Beispiele :
    Vor meiner Rente war ich eine Zeitlang von Hartz IV abhängig, da zeigte sich mehrmals erschreckendeweise, dass ich nach einschlägigem Studium der entsprechenden Verordnungen mehr Ahnung hatte als die Sachbearbeiter, meine Vorgehensweise aber nur durch Dienstaufsichtsbeschwerden durchsetzen konnte. Die Änderungen erfolgten danach ohne Kommentar und Entschuldigungen, diese waren wohl unter der Würde des Kurfürstentums.

    1. Hallo Herr Wolfgang,
      nur eine kurze Information: das sogenannte Hartz IV ist eine Aufgabe der Kreisverwaltung. Das sollte Ihnen als Fachmann des Gebietes doch bekannt sein.
      (Ich hatte mal mit einem Wolfgang in meiner Tätigkeit – nicht ALGII – zu tun, der hat alle Bediensteten auf’s Schlimmste beleidigt und ständig Dienstaufsichtsbeschwerden angedroht bzw geschrieben. Hoffentlich sind Sie das nicht.)

  3. Danke für das aufmunternde Amusement zu dieser aktuellen Stimmungslage. Und natürlich, vielen Dank für den heroischen Werkzeugeinsatz und die selbstlose Verwendung von Kabelbindern zu Gunsten der Stadtgesellschaft.

    Tatsächlich trägt ehrenamtliches Engagement, Ihrerseits und auch in unzähligen lobenswerten weitere Beispielen, dazu bei, unsere Stadt lebenswerter zu machen.

    Die einigen wenigen Mitarbeiter des Ordnungsamtes haben jedoch neben ihren sehr zahlreichen Aufgaben innerhalb des gesamten Stadtgebiets scheinbar diese Aufgabe noch nicht wahrnehmen können.

    Möglicherweise kann nun, dank Ihres Beitrags, ein positiver Diskurs um die Mitarbeiterzahl und die Ausrüstung der städtischen Ordnungshüter geführt werden – möglicherweise mangelte es lediglich an den passenden Utensilien.

  4. Köstlich und wahr, zwar ein lapidares Beispiel, aber gerade das bechreibt wirklich gut, wie der gemeine Bürger sich mit der verwaltung fühlt. Vielleicht müsste noch hinzukommen, wie wenig die Verwaltung den Wünsche und dem Willen der Bevölkerung nachkommt. Insofern wackelt der Stetz mit dem Hund.

  5. Wenn ich mir so manche Entscheidungen der Verwaltung anschaue (z.B. die Fahrradspur Testaktion an der Kreuzung Buddestr/Kölnerstr und die daraus abgeleiteten Entscheidungen) dann ist meine Schlussfolgerung, dass die Verwaltung vor allem für sich selber da ist. Um sicherzustellen, dass die Angehörigen für minimales Engagement und minimales Nachdenken auf jeden Fall regelmäßig ihr Salär bekommen. Alles andere danach ist erstmal sekundär. Wie schnell sich z.B. das Kfz-Amt wegen Corona verbarrikadiert hatte und die Bürger am liebsten (auch im Winter) komplett vor der Tür hat stehen lassen, zeigte auch recht eindeutig, wo die Prioritäten liegen. Oder der Fall auf dem Sozialamt (allerdings nicht in BGL, aber hier geht es ja um Verwaltungen im Allgemeinen), als alle Beamten im gemütlichen Home Office waren, einer eindeutig frisch bedürftigen alleinerziehenden Mutter aber von Zuhause aus auf unbekannte Zeit nicht mehr die ihr zustehende Sozialhilfe überweisen konnten bzw. wollten. Da war ich echt sprachlos, wie diese Mutter komplett alleingelassen würde, obwohl ihre Bedürftigkeit bereits festgestellt war.

    Ihre Beschreibung des Umgangs mit dem Plakat zeigt die dominante Mentalität ja ebenfalls recht plakativ. Zuständig fühlt sich im Zweifel niemand. Mit der Arbeitsweise würden sie auch in einem durchschnittlichen Unternehmen nicht lange angestellt bleiben. Natürlich gibt es immer auch engagierte Ausnahmen, aber die halten das meist nicht lange durch und der Gesamtzustand ist schon wirklich mehr als bedauerlich.

  6. Vielen Dank dieser mit Ironie beschriebenen (Un)Tätigkeit.
    Leider gäbe es noch zigfache Beispiele dafür, wie die Verwaltung erfolgreich Mißstände übersieht, möglicherweise aber auch gezielt drüber wegsieht. Inzwischen geht es jedoch hauptsächlich um die Verwaltung der Verwaltung. Und da fehlen die Kapazitäten, sich um die Kernaufgabe zu kümmern.

    1. Haben Sie Beispiele dafür, dass „die Verwaltung“ relevante „Mißstände übersieht“?

      Ich meine damit ausdrücklich nicht Lappalien wie fehlende Kabelbinder oder Fälle, in denen eigentlich Bürger zu anderem – ordnungsgemäßem – Verhalten verpflichtet sind (wie Abfallentsorgung und Parken). Verzichten Sie bitte auch auf Beispiele, da „die Verwaltung“ etwa auf Grund rechtlicher Vorgaben nicht – oder nicht anders – handeln kann.
      Wenn Sie ernsthaft an einer Verbesserung der Arbeit der Verwaltung interessiert sind, zeigen Sie ihr doch konkrete Ansatzpunkte auf.

      Allgemeines Meckern in der Anonymität des Internet ist zu einfach – das sollte nicht Ihr Anspruch sein.