Eine Diskussion unter Freunden des guten Geschmacks über die Darstellung und Wahrnehmung Bergisch Gladbachs in der breiten Öffentlichkeit hat schonungslos Fragen aufgeworfen: Hat unsere kleine Stadt im Schatten von Köln ein Image? Werden wir draußen überhaupt wahrgenommen? Wahrscheinlich eher nicht.

Unser neuer Finanzminister („Lieber schlecht regieren als gar nicht regieren!“ oder so ähnlich), reicht mit seinem hiesigen Wahlkreis nicht, unsere Gemeinde ins überregionale Licht zu rücken. 

Gefühlt hat jedes Dorf in Deutschland ein Tatortteam. Rund um die Uhr werden mehrere Tatorte gesendet. Wann endlich ist Bergisch Gladbach dran? 

Höchste Zeit, einen Sender für uns zu gewinnen. Das kann nicht so schwer sein, denn das Strickmuster ist einfach: Ein Mord. Oder eine Mordserie. Dazu eine Pathologin oder ein Pathologe. Zukunftsorientiert, ein gendergerechtes Ermittlerteam. Und natürlich die KTU.

Außerdem ein überforderter und/oder unfähiger, ständig Druck machender Vorgesetzter. Krankenhäuser, in denen überlebende Opfer am Tropf hängen und von schlafmützig wachenden Polizisten, aber nicht vor den in der Klinik unkontrolliert umherstreifenden Mördern in Arztkitteln geschützt werden können. 

Kommissare sind häufig kaputte Menschen (die eigentlich gar nicht mehr ermitteln dürften). Denn sie sind zutiefst emotional gestört, gestresst, ausgebrannt, übergriffig und alleinerziehend, Sie pflegen Marotten, wechseln kaum Klamotten, tragen ihren langen Mantel gefühlte fünfzig Jahre.

Längere Autofahrten in einsamen Landschaften bringen Pausen in Ideen- und Handlungslosigkeit. Und dann ertönt rechtzeitig gerade in heiklen Situationen das Smartphone. Wenn es das nicht gäbe, man müsste es erfinden.

Der Handlung kann man meist folgen, es sei denn, sie wird völlig abstrus. Traut man uns im Bergischen so etwas nicht zu? Schräge Typen haben wir doch hier auch. Und neben der schönen bergischen Landschaft auch eine Menge hässlicher Industriegebiete.

PS: Tatsächlich bin ich ein schlechter Anwalt für einen Gladbacher Tatort, denn ich schaue nur noch selten diese Serien. Lieber sehe ich synchronisierte ausländische Filme, weil diese nicht so weggenuschelt werden wie viele Tatorte. 

Reiner Thor

ist ein freier bergischer Autor. Er widmet sich den kleinen und großen Themen, die vielen Menschen unter den Nägeln brennen: Pro bonum, contra malum. Parallel arbeitet er an einem großen Sittenroman seiner Heimatgemeinde. Hinter dem Pseudonym steckt (natürlich) Klaus Hansen.

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5 Kommentare

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  1. Toller Vorschlag! Aber…
    Die beliebtesten und erfolgreichsten Krimiserien werden seit zig Jahren in Münster gedreht. Worin ist das Erfolgsgeheimnis der hohen Einschaltquoten begründet? Thiel und Wilsberg sind halt öfters mit dem Fahrrad unterwegs. Und was gibt es Spannenderes und Lustigeres, wenn ihnen in den entscheidenden Szenen für die Verfolgungsjagd (mal wieder) das Radl geklaut wurde?
    In einer Bergisch Gladbacher Tatörtlichkeit würde solch ein zentraler Plot von den Zuschauern wegen seines Mangels an Realität mit heruntergezogenen Mundwinkeln abgewunken.
    Außerdem wäre der exorbitante Aufwand, die für die Dreharbeiten aufgepinselten Radwege wieder zu entfernen, für selbst hochdotierte Produktionen in keinem Fall vertretbar.
    Über eine Art Bergretter- oder Bergdoktorserie ließe sich jedoch nachdenken.

  2. Hallo zusammen,

    der Beitrag von Reiner Thor bezüglich eines Tatorts für Bergisch hat mir sehr gefallen, und ich musste beim Lesen oft schmunzeln. Obwohl in leichte Satire verpackt, hat die Beschreibung dieses das deutsche Fernsehen doch sehr bestimmenden Programmteiles m. E. den berühmten Nagel auf den Kopf getroffen! Sicher könnte Bergisch Gladbach die Bewertung der für meine Begriffe zwiespältigen Unterhaltung am Sonntagabend und der unzähligen Wiederholungen unter der Woche aufhübschen – es hätte einiges zu bieten. Vielleicht erkennen wir ja bald nach Einspielung der „Tatort-Ouvertüre“ und der markanten grünen Augen unsere Stadt zu Beginn einer Folge dieser nicht mehr wegzudenkenden Serie…Danke für den Anstoß dafür!
    Freundliche Grüße – Heidi Siedenbiedel

  3. Ja diese Idee hat einen gewissen Charme. Und doch würde es empfehlen, dass Bergisch Gladbach seine Größe durch Bescheidenheit zeigt. Wir sollten die Primetime und den Tatort verzichten und uns für die Vorabend-Sendereihe SOKO bewerben. SOKO-GL wäre der erste Schritt. Nach und nach könnte man die 25 Stadtteil mit einbeziehen. Z. B. SOKO-GL-Sand usw. Das dürfte für die nächsten Jahre reichen.

  4. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Zitat: „Gefühlt hat jedes Dorf in Deutschland ein Tatortteam. Rund um die Uhr werden mehrere Tatorte gesendet. Wann endlich ist Bergisch Gladbach dran?“

    Bergisch Gladbach war -leider- in den letzten Jahren ein Tatort für einen Kindesmissbrauch(-skomplex) und damit häufig in den Nachrichten vertreten.

    Erzähle ich meinen hessischen Kollegen beim Kennenlernen, dass ich aus Bensberg komme, das zu Bergisch Gladbach gehört, dann hat man früher als Rückmeldung „Wolfgang Bosbach oder Heidi Klum“ erhalten. Jetzt wird der Kindesmissbrauch eines Mitbürgers erwähnt. Ein Kollege hat sich an die WDR-Dokumentation „Reiche Bürger – arme Stadt“ erinnert. Das ist ja auch eine Aneinanderreihung von Tatorten der Steuerverschwendung bzw. der fahrlässigen Vernichtung von öffentlichem Vermögen.

  5. Bergisch Gladbach ist doch einer der Drehorte von verschiedenen Serien wie z.B. Marie Brand. Nur sind diese nicht als solche gekennzeichnet. Das Polizeipräsidium in Marie Brand ist in Wirklichkeit ein altes Bürogebäude von KL Druck. Von daher läuft Bergisch Gladbach bereits im Fernsehen.