Bürgermeister Frank Stein (M.) mit Feuerwehrschef Jörg Köhler (r.) und einem externen Berater bei der Online-Veranstaltung. Foto: Screenshot

Die erneute Prüfung aller Optionen hat ergeben, dass sich nur das Waldstück an der Autobahn für den Neubau der Feuerwache Süd eignet. Fast drei Stunden lang haben Feuerwehrchef und Bürgermeister Details erläutert und Dutzende Fragen beantwortet. Jetzt wird der Stadtrat diskutieren und beschließen, 2025 soll die neue Wache fertig sein.

Bereits vor einem Jahr hatte Feuerwehrchef Jörg Köhler, unterstützt vom Feuerwehrdezernenten Frank Stein, erläutert, warum Bergisch Gladbach eine weitere Feuerwache benötigt und welche Anforderungen sie zu erfüllen hat. Diese Argumente wurden am Montagabend in einer knapp dreistündigen Online-Veranstaltung noch einmal dargelegt.

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Wie vor einem Jahr arbeitete Köhler alle potenziellen Standorte gründlich durch; eine Liste, die nach Vorschlägen aus der Bürgerschaft auf inzwischen 21 Punkte angewachsen war.

Viele dieser Standorte fallen aus, weil ihre Lage nicht geeignet ist, um von dort aus in der vorgeschriebenen Zeit die zu versorgenden Stadtteile (von Refrath über Bensberg bis Herkenrath) zu erreichen. Diese sogenannte Hilfsfrist ist ein Ausschlussargument.

21 Grundstücke wurden geprüft, als geeignet befunden wurde nur Nr. 14

Und was ist mit dem „grünen Mobilhof“?

Andere Grundstücke fallen raus, weil sie zu klein sind, weil die Eigentümer nicht verkaufen wollen, oder weil sie naturschutzrechtlich geschützt sind.

Ausführlich ging Feuerwehrchef Köhler auf das Grundstück vor dem Technologiepark Moitzfeld ein, wo der RVK seinen „grünen Mobilhof“ mit Wasserstofftankstelle baut. Eine Doppelnutzung sei geprüft und mit dem RVK verhandelt worden; doch das Grundstück sei für Feuerwache und Mobilhof gleichzeitig eindeutig zu klein.

Sie können die ganze Veranstaltung im Video verfolgen:

Damit blieb, und das unterstützte auch Frank Stein (inzwischen Bürgermeister) ausdrücklich, das Grundstück zwischen Frankenforster Straße und A4 als letzte Option – deren Umsetzbarkeit nun mit einer Machbarkeitsstudie geklärt werden soll.

Darf der Wald geopfert werden?

Sehr deutlich machten Köhler und Stein, dass die 6000 Quadratmeter Wald, die für die Feuerwache gefällt werden müssen, ein hohes Gut seien. Allerdings sei die von allen Seiten eng von Straßen umschlossene Waldinsel auch kein „Frankenwald“ im Sinne eines Naherholungsgebietes.

Das Waldstück an der Frankenforster Straße

Die Rodung des Waldes werde im Zuge des Grundstückverkaufs durch den Landesbetrieb Wald und Forst und bei der Rodung mehrfach kompensiert werden. Alleine mit dem Verkaufserlös könne und wolle der Landesbetrieb Flächen aufforsten, die ein Vielfaches größer als die gerodete Fläche seien. Natürlich an anderer Stelle.

Wird die Feuerwehr für finstere Pläne instrumentalisiert?

Ausdrücklich griff Köhler den von einigen Bürger*innen im Vorfeld geäußert Verdacht auf, die Feuerwehr lasse sich mit dem Projekt Feuerwache instrumentalisieren. Von der Stadt, die in Wirklichkeit die angrenzenden Waldstücke zu Gewerbegebieten umfunktionieren wolle.

Im Dreieck oberhalb der Auffahrtschleife zur Autobahn soll die Feuerwache gebaut werden. Foto: Screenshot Google Maps21

Das sei nicht der Fall, die Feuerwehr habe den Standort selbst gefunden und geprüft, stellt der Feuerwehrschef klar. Ohnehin sei klar, dass der Landesbetrieb die Waldfläche nur unter der Bedingung verkaufe, dass dort eine Feuerwache gebaut wird. Und sonst nichts.

Viele Fragen der Bürger*innen im anschließenden Chat bezogen sich auf die anderen, nicht geeigneten Grundstücke. Aber auch auf die Lärmemissionen (sind gering, dank intelligenter Ampelschaltungen), Waldverlust und Flächenverbrauch (siehe oben) sowie Bürgerbeteiligung (wird es geben). Alle Fragen und Antworten könnten im Video nachvollzogen werden.

Ehrgeiziger Fahrplan

Nach den vielen Jahren, die für die Suche nach einem Standort vergangen sind, hofft die Feuerwehr jetzt auf einen raschen Entscheidungsprozess. Zunächst muss jetzt der Rat eine Machbarheitsstudie für diesen Standort beschließen, die bereits im März begonnen werden soll. Die Ergebnisse sollen schon im Juli den Bürger*innen vorgestellt werden.

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Dann wird erneut in den Fachausschüssen und im Stadtrat diskutiert und möglichst noch im August ein Maßnahmebeschluss gefasst werden – der den Weg für die Detailplanung frei macht. Eine breite Mehrheit im Stadtrat gilt als sicher; selbst die Grünen hatten im Vorfeld erkennen lassen, in diesem Fall mit der Rodung des Waldes einverstanden zu sein.

Die Planung, inklusive eines Bebauungsplans und der Änderung des Flächennutzungsplans wird dann allerdings rund zwei Jahre dauern. Und auch für die eigentlich Bauphase wird knapp zwei Jahre dauern – aber noch 2025 soll die neue Feuerwache Süd bezogen werden.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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4 Kommentare

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  1. Ich fand die Informationsveranstaltung gelungen. Die Herren haben umfassend informiert, engagiert vorgetragen, sich allen Fragen geduldig und offen gestellt. Die Technik hat funktioniert. Die Notwendigkeit einer neuen Feuerwache ist deutlich geworden.

    Am grausamen Ergebnis ändert dies natürlich nichts: Mit der angestrebten Lösung soll ein großes Stück Wald vernichtet werden. Da war es kein Trost, zu hören, dass die Umweltschaden noch größer wären, wenn man auf anderen, möglichen Waldgrundstücken in Bensberg bauen würde.

    Demnach bleibt es dabei: Solange Waldgebiete für eine Bebauung von der Politik grundsätzlich zur Verfügung gestellt werden, wie dies hier der Fall ist, werden sie im Zweifel auch dafür genutzt werden: Die Bäume werden gefällt, es wird versiegelt und gebaut.

    Umwelt, Natur und die Gesundheit der Anwohner stehen damit leider immer noch hinten an. Ob es – Jahre später – wenigstens zu den beschriebenen Kompensationen für die gefällten Bäume tatsächlich kommen wird, kann man natürlich hoffen. Mein Vertrauen darauf, dass irgendwann, irgendwo in NRW ein Waldstück aufgebaut wird, ist da gering.

    Für die Bergisch Gladbacher*innen wäre dies ohnehin nur ein geringer Trost.

  2. Herr Becker, es scheint so, als ob Sie die Veranstaltung nicht verfolgt hätten. Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass das Land NRW vorgegeben hat, dass die Fläche nach einem Verkauf nur! mit einer Feuerwache bebaut werden darf. Andere Nutzungen sind damit nicht möglich. Ihre Sorge scheint also unbegründet.

  3. Herr Becker, sie haben Recht: Ich habe vor der Wahl gesagt, dass ich eine Umwandlung des Frankenwaldes für Gewerbe- oder Industrieansiedlung nicht befürworte und auch nicht vorschlagen werde. An dieser Position hat sich nichts geändert.

  4. zu befürchten ist, daß die Feuerwache das trojanische Pferd für eine spätere Industrieansiedlung ist. Frank Stein hat vor der Wahl schriftlich bestätigt, daß er nicht für die Umwidmung des Waldes steht. Er wird daran gemessen werden.