Auftakt zum weiteren Glasfaserausbau: Andrea Klever, Marco Lohmeier und Frank Stein. Fotos: Thomas Merkenich

440 Haushalte der Stadt erhalten demnächst einen schnellen Breitbandanschluss per Glasfaser. Der offzielle Startschuss fiel mit einem symbolischen Spatenstich von Bürgermeister Frank Stein. Schulen werden dabei nicht angeschlossen – doch auch für sie gibt es jetzt etwas Hoffnung.

Ein orangefarbenes Leerrohr ragt in der Johannesstraße in Hebborn aus einer Baugrube. Hier wird am schnellen Internet der Zukunft gebaut. Die Telekom baut ihr Glasfasernetz aus. Darüber sollen Ende des Jahres 440 Haushalte (darunter 100 Gewerbetreibende) in der Stadt mit schnellem Internet versorgt werden.

Das Ausbaugebiet umfasst unterversorgte Gebiete in Hebborn, Herrenstrunden und Kaltenbroich. Hier waren bislang nur Internetanschlüsse von bis zu 30 Mbit/s möglich. Das soll bald der Vergangenheit angehören.

Netz ab viertem Quartal bereit

„Die Erschließung der weißen Flecken ist ein großes Thema für die Stadt, es geht nun voran“, zeigt sich Bürgermeister Frank Stein zuversichtlich. Möglich wird dies durch eine Landesförderung für Breitband im ländlichen Raum. Hieraus wurde der Stadt eine Fördersumme in Höhe von 2,1 Millionen Euro zugesprochen. Das Geld schließt die Wirtschaftlichkeitslücke zwischen den Netzausbaukosten und den zu erwartenden Einnahmen des Netzbetreibers, der Telekom. Sprich: Der Ausbau wird für den Magenta-Konzern damit profitabel.

Der Auftrag wurde im Sommer 2019 nach einer Ausschreibung an das Unternehmen vergeben. Geplant ist eine Highspeed-Datenautobahn, zumindest für einige Teilnehmer: „Ab dem vierten Quartal 2021 werden rund 340 Haushalte Anschlüsse mit Tempo von bis zu 1 GBit/s (Gigabit pro Sekunde) und rund 100 Haushalte bis zu 100Mbit/s (Megabit pro Sekunde) erhalten haben“, erklärt Marco Lohmeier von der Telekom.

15 Kilometer Glasfaser

Die unterschiedlichen Datengeschwindigkeiten hängen von der Anschlussart der künftigen Teilnehmer im städtischen Ausbaugebiet ab: Wo die Glasfaser bis ins Haus verlegt wird (Fibre to the home, FTTH) stehen schnelle Dienste bis 1.000 Mbit/s bereit. 100 Haushalte erhalten auf der letzten Meile jedoch nur einen Kupferanschluss (Fibre to the curb, FTTC). Hier kann per VDSL nur 100 Mbit/S realisiert werden, perspektivisch max. 250 Mbit/s. Diese Anschlüsse könnten nach Auskunft der Telekom in fünf Jahren ebenfalls auf FTTH umgerüstet werden.

Die aktuell unterschiedlichen Anschlussarten ergeben sich aus der maximalen Fördersumme von 2,1 Millionen Euro. „Mein Ziel war es das maximale an FTTH-Anschlüssen rauszuholen“, erklärt Lohmeier von der Telekom.

Konkret werden mit diesem Ausbau rund 15 Kilometer Glasfaser verlegt und dreizehn Glasfaserverteiler aufgestellt. Das entstehende Netz ermöglicht die Verbreitung von Telefonie, Internet und TV. Drittanbieter können ihre Dienste ebenfalls durch dieses Netz der Telekom leiten. Teilnehmer könnten mitunter von konkurrierenden Preismodellen profitieren. Entsprechende Angebote bleiben abzuwarten. Die erschlossenen Haushalte hätten nach Angaben der Telekom bislang nur die Einverständniserklärung für den Breitbandanschluss gegeben, eine Vorvermarktung habe noch nicht stattgefunden.

Auftakt zum weiteren Glasfaserausbau in Bergisch Gladbach (v.l.n.r): Andrea Klever (Breitbandverantwortliche Stadt Bergisch Gladbach), Marco Lohmeier (Regionalmanager Deutsche Telekom) und Bürgermeister Frank Stein.

Leitung verlegen, Netzanbindung

Frank Stein zeigt sich zufrieden. Die Corona-Pandemie habe den Breitbandbedarf deutlich gemacht. „Im Sommer 2019 waren die Stichworte Video-Streaming, Gaming oder Arbeiten von zu Hause. Das können wir jetzt mit Homescooling, Videokonferenzsysteme und digitale Arbeitswelt ergänzen.“

Wie geht es weiter? Nachdem die potentiellen Teilnehmer ihr Einverständnis zur Breitbanderschließung ihres Hauses gegeben hätten, könnten nun die Leitungen verlegt und die Verteiler aufgestellt werden, erläutert Telekom-Mann Marco Lohmeier. „Danach erfolgt die Anbindung ans Netz der Telekom. Anschließend können die Kunden die neuen Anschlüsse buchen.“

Zu den neuen Teilnehmern gehören jedoch nicht die Schulen, die händeringend Breitbandanschlüsse benötigen. Dafür sei ein anderes Projekt zuständig, das vom Kreis betrieben würde, sagt die Breitbandbeauftrage der Stadt, Andrea Klever. Stein ergänzt: „Die Stadt nimmt dies nicht selbst in die Hand, weil es nicht schneller gehen würde.“

Bund und Land fördern Glasfaser für Schulen

Mit der Erschließung von Schulen könnte es gleichwohl bald losgehen. MdB Herman-Josef Tebroke und MdL Rainer Deppe gaben heute in einer gemeinsamen Pressemitteilung Details zum Breitbandausbau im Rheinisch-Bergischen Kreis bekannt. Der Kreis selbst hatte bereits am 2. Februar 2021 über geplante Projekte informiert.

Neu sind in der Mitteilung der beiden CDU-Abgeordnenten einige Zahlen: In einem ersten Ausbauprojekt sollen rund 5.500 Glasfaseranschlüsse im RBK entstehen. Die Erschließung umfasse 74 Schulen und 14 Gewerbegebiete. So wolle man bis 2023 die Übertragungsraten für 98 Prozent im RBK auf mindestens 50 Mbit/s anheben.

Der Ausbau beginne im zweiten Quartal 2021, heißt es in der Mitteilung. Hierfür stünden elf Millionen Euro vom Bund sowie zehn Millionen Euro Landesmittel bereit. Wie viele der 5.500 Anschlüsse auf die Stadt entfallen, und wie viele bzw. welche Schulen in der Stadt erschlossen werden, wird in diesem Beitrag erklärt.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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12 Kommentare

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  1. @Mehmet Schreiner

    „Da wird in Laboren eine neue Technik erarbeitet und ein paar Monate später soll die für alle verfügbar sein?“

    Ist das ihr Ernst? Mir fällt es schwer, dazu überhaupt etwas zu sagen. Das Internet eine Technik, die vor ein paar Monaten erarbeitet wurde?
    Ich verzichte lieber auf eine Wertung, die Aussage spricht für sich.

    Es geht auch nicht um den Luxus 300 MBit/s statt vorhandener 200 MBit/s. In der Praxis geht es um besser als 2 MBit/s, z.B. in meinem Fall.

    Nur noch ein Tipp: Erkundigen sie sich mal, wie andere Staaten mit dieser Entwicklung umgegangen sind und warum unser Land bei dieser Technologie weit abgehängt ist. Und warum es genau deshalb zu Riesenproblemen beim Homeoffice, vor allem aber bei der Beschulung unserer Kinder kommt.

    Drucker beschreibt es schon ziemlich genau, was schiefgelaufen ist.

  2. @Mehmet Schreiner
    Das trifft nicht ganz zu. Die Infrastruktur ist durchaus langlebig. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass man heute über einen vor 50 Jahren verlegten Kupferdraht 250 MBit/s ins Haus bringen kann.

    Woran es oft genug fehlt, ist vorausschauendes Denken. Glasfaser ist noch für Jahrzehnte zukunftssicher, Kupfer kommt allmählich an der Grenze dessen an, was sich mit Software noch ausreizen lässt – weil ein Minister vor gut 30 Jahren nicht den nötigen Weitblick hatte.

    Glasfaser hätte in den 80ern schon flächendeckend verlegt werden können, wenn der damalige Postminister Schwarz-Schilling sich nicht an die Kupfer-Infrastruktur geklammert hätte. Und dann könnten wir heute über jahrzehntealte Leitungen bis 1 GBit/s empfangen, und das wäre vermutlich noch über die nächsten Jahrzehnte steigerbar.

    Glasfaser ist eine gute Wahl, deshalb sollte man sie nach dem Motto „besser spät als nie“ forciert verlegen.

  3. Bzgl. Strom/Gas/Wasser und Internet hinkt der Vergleich.
    Es hat fast jeder einen Anschluss.
    Es geht hier aber um die Leistung, nicht den Anschluss.
    Der technische Fortschritt ist einfach viel schneller als der Infrastrukturausbau. Da wird in Laboren eine neue Technik erarbeitet und ein paar Monate später soll die für alle verfügbar sein?

    Die Tiefbauunternehmen können aktuell wie die Made im Speck leben. Überall wird investiert, die Auftragsbücher sind voll.

    Wenn dann mal Glasfaser liegt, kommt das nächste. Geht dann die Diskussion von vorne los, weil man nicht mehr 200 sondern 300 MBit haben „will“.

    Und wer sie braucht kann sich auf dem Markt einen neuen Standort für sein Unternehmen suchen.

  4. @ Drucker
    Ich habe das etwas ungenau formuliert. Es ist nicht unbedingt eine Frage der Privatisierung, sondern der Anerkennung als Daseinsfürsorge. Was den Strom angeht, sind die Grundversorger gesetzlich verpflichtet, jeden zu allgemeinen Preisen zu beliefern. Genau das fehlt bei der Breitbandversorgung.

  5. Herr Schneider, das kann man so sehen, wenn man möchte.

    In einem Punkt verstehe ich Sie allerdings nicht: „… Privatisierung einer für die Daseinsvorsorge wichtigen Dienstleistung. Vergleichbar ist das z.B. mit der Wasser- oder Stromversorgung. Hätte man auch diese privatisiert, gäbe es ein Angebot von Konzernen nur für lukrative Bereiche …“

    Die Stromversorgung als Dienstleistung ist seit ewig und drei Tagen privatisiert. Und doch kann ich mich überall von einem Stromlieferanten meiner Wahl beliefern lassen, ohne dass der mich für nicht ausreichend lukrativ hält.

    So ohne weiteres vergleichbar ist das wohl doch nicht.

  6. In dem Punkt ist dem Herrn Schneider zuzustimmen:

    Eine strukturelle Abhängigkeit zentraler Grundversorgungen im Land (sprich Wasser, Energie etc., zzgl. heute eben digitale Logistik) von (ggf. auch nicht inländischen) Privatunternehmen und deren zudem noch global finanzmarktabhängigen Fiskalinteressen führt im ungünstigen Fall zu vermehrt neufeudalen Verwerfungen und sozial „schiefen Ebenen“.

    Welche Kuriositäten das produzieren kann, zeigt doch auch jener seinerzeit hiesige Versuch – wenn ich es recht erinnere – das städtische Kanalnetz an einen Privatinvestor zu verscherbeln, um es hinterher nach dessen Konditionen wieder zu pachten (denn schließlich sollten GL‘s Bürger ja weiterhin sauber sch…n können).

    Das Ganze wurde in 1000- und mehrseitigen Verträgen auf Englisch dem damals staunend überwältigten Stadtrat dann auch noch als geniales „Finanzinstrument” verkauft …

    Im letzten Moment konnte diese „Jahrhundert-Transaktion“ durch eine seinerzeit starke Bürgerinitiative verhindert und GL ein veritables Desaster erspart werden.

    Der hier übrigens wiederum gern aufgemachte clash of ideologies oder das vielzitierte „Markt” gegen „Staat” vv. führt auf dem Gebiet der unverhandelbaren Grundversorgungen oder Daseinsvorsorgen nicht weiter,

    denn eine notwendig (!) effektiv geführte bzw. unbedingt so zu führende (!) staatlich organisierte, am Gemeinwohl orientierte und, wo möglich, sogar dezentral funktionierende Dependance auf diesen Feldern muss nicht zwangsläufig schlechter sein als das dem quartalsweise springenden oder sogar dem Hochfrequenz-Handelstakt am Aktienmarkt folgende Profitinteresse eines global fokussierten Privatkonzerns …

  7. Die Ursache für die Probleme bei der Breitbandversorgung liegt in der Vergangenheit, d.h. der Privatisierung einer für die Daseinsvorsorge wichtigen Dienstleistung.
    Vergleichbar ist das z.B. mit der Wasser- oder Stromversorgung. Hätte man auch diese privatisiert, gäbe es ein Angebot von Konzernen nur für lukrative Bereiche, die Nichtversorgten müssten Brunnen graben, Windräder in den Garten stellen oder sich von privaten Lieferanten überteuert versorgen lassen.
    Inzwischen, wenn auch viel zu spät (Merkel 2013: „Das Internet ist für uns alle Neuland“), ist die Erkenntnis gewachsen, dass Breitbandversorgung zur Daseinsfürsorge zählt und damit auch Aufgabe der öffentlichen Hand ist. Da bleibt als einziges Mittel, den Kommunikationskonzernen mit Steuermitteln nicht lukrative Investitionen schmackhaft zu machen.
    Die angeblichen Alternativen LTE oder 5G sind keine, weil entweder viel zu teuer oder mengenbegrenzt bzw. wegen des schlechten Netzzustandes nicht wirklich verfügbar. Und die angeblichen 30 MBit/s sind eine Luftnumer, die sich in der Realität, wie z.B. in meinem Fall auf ca. 2 MBit/s reduziert.
    Also bleibt nur die Subvention der privaten Anbieter.

  8. Beide Daumen hoch für Glasfaser. Dieser Ausbau hätte nach Helmut Schmidt 2015 abgeschlossen sein müßen. Gut, daß man dem nun endlich nachkommt. Es ist nie zu spät! Die letzten Meter Kupfer (Helmut Kohls Vermächtnis) müßen irgendwann auch weichen. Am Besten diese im gleichen Zug ersetzen.
    Alle Daumen runter für LTE und 5G.

  9. @Schreiner: Also rein physikalisch wird Glasfaser noch immer schneller sein, als die von Ihnen vorgeschlagene LTE oder 5G Lösung. Zumal die Funkverbindung immer noch den Haken eines Volumens hat. Und dann kommen noch die Initiativen hinzu, die das Aufstellen von Funkmasten verhindert.

    In einem muss ich Ihnen allerdings Recht geben, das ist der Begriff des Eigentums an den Netzen. Für das Geld hätten die Glasfaserleitungen sicher in unserer Hand bleiben können. Die hätten dann an die Telekom vermietet werden können.
    Andere Gemeinden tun genau das, und vermarkten selbst. Schauen Sie mal nach Troisdorf.

  10. @Karla:
    „Drittanbieter können ihre Dienste ebenfalls durch dieses Netz der Telekom leiten.“

    Warum sollte die Telekom das Netz ausbauen und das Risiko tragen?
    Solang die Infrastruktur nicht in öffentlicher Hand ist, müssen wir damit leben.
    Ob es in öffentlicher Hand schneller ginge, wage ich aber zu bezweifeln.

    Wem 30 MBit zu langsam sind, kann einen Vertrag über LTE oder demnächst G5 abschließen.
    Die technischen Fortschritte sind einfach schneller als der Infrastruktur-Ausbau, das ist nun mal so. Das verstehen aber viele nicht, siehe immer schneller sinkende Abgasgrenzen. Irgendwie muss die Forschung und Wirtschaft auch hinterher kommen. Leider setzen diese Werte meist Personen fest, die aus dem Hörsaal in den Plenarsaal wechseln, wenn sie überhaupt einen Abschluss haben.

  11. Wie geil ist das denn: „Der Ausbau wird für den Magenta-Konzern damit profitabel.“
    Damit ich das verstehe: Wir finanzieren den Ausbau für die -T- und die streichen die Gewinne ein?
    Und die Schulen werden nicht angeschlossen?

    Herr Stein: Sechs, setzen.

  12. Der Herr Bürgermeister läßt sich feiern und verkündet nebenbei heiter und gelassen, daß die Schulen einmal mehr die A-Karte ziehen.