Masken gehören im Stadtrat seit Monaten zum Alltag, hier ein Foto aus der Februar-Sitzung des Hauptausschusses. Foto: Thomas Merkenich

Ein Mitglied des Stadtrats ist positiv auf Corona getestet worden, kurz nachdem er im Hauptausschuss im Rathaus Bensberg gesessen hatte. In der Sitzung wurden alle Regeln eingehalten, aber in den Pausen gab es Kontakte. An der frischen Luft und mit Abstand, aber dennoch schickt das Gesundheitsamt zehn Teilnehmer vorsorglich in Quarantäne. Betroffen ist auch der Bürgermeister – und die für Dienstag geplante Verabschiedung des Haushalts.

Ausgerecht die Lüftungspausen haben das aufwendige Sicherheitskonzept der Stadt für die Sitzungen der Ratsausschüsse durchkreuzt. Im Bensberger Ratssaal werden bis auf wenige Ausnahmen FFP2-Masken getragen, es gibt einen Luftfilter, eine gute Belüftung und etwa jede Stunde eine Pause.

Am vergangenen Mittwoch befand sich jemand unter den Ratsmitgliedern, der später positiv auf Corona getestet wurde. Der Sitzungsverlauf sei völlig in Ordnung gewesen, sagt Birgit Bär, Sprecherin der für das Gesundheitsamt zuständigen Kreisverwaltung.

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Aber in den Pausen sei es zu Begegnungen gekommen, bei denen das Virus möglicherweise übertragen werden konnte. In der Regel verlassen die Ratsmitglieder in den Pausen den Saal und stehen – auf Abstand, aber zum Teil ohne Maske – im weitläufigen Innenhof zusammen.

Zehn Personen, so die Kreis-Sprecherin, seien heute vorsorglich unter Quarantäne gesetzt worden. Dabei handele es sich um diejenigen, die unmittelbar vor, hinter oder neben dem infizierten Ratsmitglied gesessen hatte – und diejenigen, die in der Pause Kontakt hatten.

Dazu zählt auch Bürgermeister Frank Stein, der damit bereits zum zweiten Mal in seiner noch kurzen Amtszeit in Quarantäne muss. Bei der Sitzung waren insgesamt rund 40 Personen anwesend, neben den Ratsmitgliedern auch Vertreter der Verwaltung, der Presse und Zuschauer.

Der Hauptausschuss vertritt den deutlich größeren Stadtrat, aber auch hier befinden sich rund 40 Personen in einer Sitzung. Foto: Thomas Merkenich

Dies seien die Kontaktpersonen 1. Grades, erläutert Bär. Allerdings habe man den Kreis zur Sicherheit etwas weiter gezogen – da man bislang nicht wisse, ob es sich bei diesem Fall um eine Infektion mit der britischen Virus-Variante handelt. Zuletzt war das bei mehr als 50 Prozent aller Infektionen der Fall gewesen.

Weitere Maßnahmen seien nicht notwendig; die Fraktions- und Parteien-internen Sitzungen finden bei den größeren Fraktionen schon lange nur noch digital statt.

Die Stadt bietet als erste Sofortmaßnahme allen Teilnehmer:innen der Sitzung vom 3. März für diesen Dienstag einen Schnelltest an. Da die Inkubationszeit, die Zeit von Ansteckung bis Erkrankung, nach aktuellen Erkenntnissen zwischen fünf und zehn Tage beträgt, sei ein Test vorher noch nicht sinnvoll.

Sitzung am Dienstag? „Besser nicht“

Der Hauptausschuss, der zur Zeit die Kompetenzen des noch größeren Stadtrats übernommen hat, sollte schon am morgigen Dienstag (9. März) erneut zusammen kommen. Zu einer wichtigen und langen Sitzung, um endlich den Haushalt für 2021 zu verabschieden und Dutzende anderer Entscheidungen zu fällen.

Daraus wird aber erst einmal nichts: Die Kreisverwaltung empfahl der Stadt Bergisch Gladbach, diese Sitzung besser zu verschieben. Dem folgten die Vorsitzenden der Ratfraktionen und sagten die Sitzung am Abend ab.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. Warum gibt es Politiker, die bei einer solchen Sitzung keine FFP2-Masken tragen und damit ihre eigene und die Gesundheit anderer gefährden? Ärzte und Krankenpfleger in Krankenhäusern tragen während der gesamten Arbeitszeit solche Masken und schaffen das auch.

    Die Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken in allen Einrichtungen und allen Veranstaltungen der Stadtverwaltung und der Kreisverwaltung sowie die Pflicht zu Schnelltests durch eine zugelassene Teststelle für alle vor Betreten der Einrichtungen und der Veranstaltungsorte ist sinnvoll, verhältnismäßig und zumutbar.

  2. Ja, natürlich gilt auch für Ratsmitglieder der Datenschutz. Wie immer hat das Gesundheitsamt die direkten Kontakte und Sitznachbarn ermittelt und direkt informiert. Allen Teilnehmern der Sitzung, auch aus der Verwaltung, Presse und Zuschauer, sind Schnelltests angeboten worden.

  3. Warum erfährt man nur den Namen des BM?
    Wer sind denn bitte die anderen ? Unterliegt das dem Datenschutz? Wäre doch besser, wenn sich die Personen, die mit diesen in Quarantäne geschickten Ausschussmitgliedern kontakt hatten, auch testen lassen könnten.

  4. Wie beschrieben: Unter freiem Himmel, mit Abstand. Die Quarantäne betrifft auch die direkten Sitznachbarn – aufgrund der Länge der Sitzung.

  5. Ich finde es erstaunlich und erschreckend, dass es in solch einem Kreis immernoch Menschen gibt, die in der Pause ihre Maske absetzen. Machen die im Amt auch nur *Dienst nach Vorschrift*?!
    Heutzutage muss man sich jederzeit so verhalten, als wäre man selbst infiziert- auch privat!